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Das Löwenamulett

Das Löwenamulett

Titel: Das Löwenamulett
Autoren: Frank Schwieger
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Frank Schwieger
    Das Löwenamulett

    Frank Schwieger, geboren 1968, wuchs in Holstein auf. Nach einem Latein- und Ge-schichtsstudium ist er seit 1999 als Gymna-siallehrer tätig. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Rendsburg. ›Das Löwenamu-privat©
    lett‹ ist sein erstes Buch.

    Frank Schwieger
    Das Löwenamulett
    Ein Abenteuer aus dem
    Alten Rom
    Mit Illustrationen von Daniel Sohr
    Deutscher Taschenbuch Verlag

    Originalausgabe
    In neuer Rechtschreibung
    März 2009
    # 2009 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
    www.dtvjunior.de
    Umschlagkonzept: Balk & Brumshagen Umschlagbild: Daniel Sohr
    Lektorat: Maria Rutenfranz
    Gesetzt aus der Aldus 11/14.
    Gesamtherstellung: Druckerei C. H. Beck, Nördlingen Gedruckt auf säurefreiem, chlorfrei gebleichtem Papier Printed in Germany · ISBN 978-3-423-71339-9

    uxori filioque,
    mihi carissimis

    Zur neunten Stunde am Tag vor den Iden des Juli, am Nachmittag des 14. Juli
    AllesbegannvorzweiTagen,amTagvordenIdendesJuli.
    In Rom wurden die Ludi Apollinares gefeiert, ein riesiges Fest mit Umzügen, Theateraufführungen und Wagenrennen. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Delias Vater hatte Eintrittsmarken für die Rennen im Circus Maximus besorgt. Beim großen Zeus, was für ein Lärm, was für ein Spektakel! Ich glaube, ganz Italien hatte sich auf den Zu-schauerrängen versammelt: Dort waren hunderttausend Menschen, vielleicht zweihunderttausend. Wenn man wie ich aus einer Kleinstadt kommt, ist man nicht gewohnt, so viele Menschen auf einem Haufen zu sehen. Wir hatten Mühe, zwischen all den Leuten unsere Plätze zu finden. Die Marken waren bestimmt nicht billig gewesen, wir saßen ganz weit unten, fast direkt an der Bahn, vor uns nur noch die 9

    Ehrenplätze für die wichtigen Leute: all die Senatoren mit ihren purpurverbrämten Togen.
    Wir konnten wunderbar gucken. Das erste Rennen sollte in wenigen Augenblicken beginnen. An der Schmalseite des Circus, hinter den Startboxen, sahen wir die Gespanne, die schnaufenden Pferde, die ganz heiß darauf waren, über die Sandbahn zu jagen. Zwölf Wagen waren am Start, jeder von vier Pferden gezogen, auf jedem Wagen ein Auriga in den Farben seiner Mannschaft, der den Wagen lenkte.
    Die Pferde schlugen mit den Hufen gegen das Gitter, das sie von der Rennbahn trennte. Die Leute schrien vor Begeisterung und schwenkten die Farben ihrer Mannschaft: Rot, Blau, Grün oder Weiß. Einige hatten Schals dabei, andere Halstücher, wieder andere Wimpel oder Fahnen. Wie bunt die Ränge aussahen! Und wie laut es war! Eigentlich interessieren mich Pferderennen nicht, aber in dem Moment, als der Praetor ein weißes Tuch in die Bahn fallen ließ, die Boxen sich durch einen wundersamen Mechanismus gleichzeitig öffneten und die zwölf Gespanne herausjagten, da hielt es mich nicht mehr auf dem Sitz. Ich sprang auf und feuer-te zusammen mit Delia, die neben mir stand, die blaue Mannschaft an.
    »A-ga-thon! A-ga-thon!«, rief Delia und hielt sich dabei die Hände wie einen Schalltrichter vor den Mund.
    »Wer ist Agathon?«, fragte ich.
    »Na, der blaue Auriga, der gerade in Führung gegangen ist.«
    »Ach so, na dann … A-ga-thon! A-ga-thon!«
    Wir hatten nur noch Augen für Agathon, der in wilder 10

    Fahrt auf seinem Wagen um die Wendemarken jagte, dicht gefolgt von einem Fahrer der Weißen. Die Hufe donnerten, die Peitschen knallten, Staub wirbelte auf, hunderttausend Kehlen brüllten und schrien, selbst einige Senatoren vor uns waren aufgesprungen – und was tat Delias Vater? Er holte seine Schreibtafeln aus einer abgewetzten Ledertasche und machte sich Notizen! Saß einfach da und kritzelte Buchstaben in das weiche Wachs. Ein total verrückter Kerl!
    »Eine Idee!«, brüllte Delia mir ins Ohr.
    »Was?« Ich konnte sie kaum verstehen.
    »Papa hat eine Idee. Für ein Gedicht.«
    »Ach so.«
    Das Rennen ging weiter, sieben Runden lang. Wir johlten und klatschten und unterstützten, so gut es ging, den blauen Auriga, der sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem wei-
    ßen Fahrer lieferte. Auf der Spina, dem Mittelstreifen in der Rennbahn, waren an einer langen Stange sieben große Delfine angebracht. Die waren aus Holz und bunt bemalt. Zuerst fragte ich mich, was diese komischen Holzdelfine dort sollten. Doch bald begriff ich: Jedes Mal, wenn eine neue Runde beginnt, klappt ein Sklave einen Delfin herunter, und wenn alle sieben Delfine unten sind, wird die letzte Runde gefahren. Man weiß also immer genau, in welcher Runde sich das

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