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Das Licht Von Atlantis

Das Licht Von Atlantis

Titel: Das Licht Von Atlantis
Autoren: Marion Zimmer Bradley
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gesprenkelten Raum eine dunkle Stelle durchquerte, schimmerten sie.
    »Rajasta«, sprach der Erzadministrator den Priester an, »unser Bruder strebt nach neuem Wissen. Er hat die Erlaubnis, nach eigenen Wünschen zu studieren. Lass ihn dein Gast sein.« Talkannon verbeugte sich leicht vor dem immer noch sitzenden Rajasta. Dann drehte er sich zu dem Fremden um. »Micon von Ahtarrath, ich lasse dich mit unserem größten Gelehrten allein. Der Tempel und die Tempelstadt gehören dir, mein Bruder. Habe keine Bedenken, mich jederzeit aufzusuchen.« Noch einmal verbeugte Talkannon sich. Dann machte er kehrt und überließ es den beiden anderen, einander näher kennen zu lernen.
    Krachend fiel die Tür hinter der mächtigen Gestalt des Erzadministrators ins Schloss, und Rajastas Stirn krauste sich von neuem. Er war an Talkannons Manieren gewöhnt, fürchtete jedoch, der Fremde könne denken, es mangele ihnen allen an Höflichkeit. Er legte seine Schriftrolle hin, stand auf, ging auf den Gast zu und streckte ihm zur Begrüßung die Hände entgegen. Wenn er stand, war Rajasta ein sehr großer Mann, dessen Gang und Benehmen Disziplin und eine gewisse Steifheit verrieten.
    Micon war an der Stelle stehen geblieben, wo Talkannon ihn verlassen hatte, und zeigte nach wie vor jenes ernste, leicht verzerrte Lächeln. Seine Augen waren tiefblau wie der Himmel vor einem Gewitter. Die Fältchen um diese Augen zeugten von Humor und großer Toleranz.
    Dieser Mann ist bestimmt einer von uns , dachte der Priester des Lichts, während er sich zeremoniell verbeugte und wartete. Der Fremde blieb stehen und fuhr fort zu lächeln, ohne irgendein Entgegenkommen zu zeigen. Wieder begann sich Rajastas Stirn zu umwölken. »Micon von Ahtarrath...«
    »So werde ich genannt«, antwortete der Fremde förmlich. »Ich bin gekommen, darum zu bitten, meine Studien in eurem Kreise fortsetzen zu dürfen.« Seine Stimme war tief und wohlklingend, dabei aber von einer gewissen Anstrengung gezeichnet, die den Eindruck erweckte, als unterliege sie ständig einer strengen Kontrolle.
    »Sei willkommen und teile mein Wissen mit mir«, erklärte Rajasta mit ernster Höflichkeit. »Und du selbst bist willkommen -« Er zögerte, dann setzte er in einem plötzlichen Impuls hinzu: »Sohn der Sonne.« Mit der Hand schlug er ein bestimmtes Zeichen.
    »Nur ein Ziehkind, fürchte ich«, gab Micon mit einem kurzen, leicht verzerrten Lächeln zurück, »und übermäßig stolz auf diese Verwandtschaft.« Dann hob er zum Zeichen, dass er die rituelle Selbstidentifikation Rajastas erkannt hatte, die Hand und machte ebenfalls die archaische Geste.
    Rajasta trat vor, um seinen Gast zu umarmen. Sie waren nicht nur durch die Bande gemeinsamen Wissens und gemeinsamer Suche verbunden, sondern auch durch die Macht, die hinter der geheimsten Magie der Priesterschaft des Lichts stand: Wie Rajasta war Micon einer ihrer höchsten Initiierten. Rajasta wunderte sich darüber - Micon sah so jung aus! Erst als sie die Umarmung lösten, fiel Rajasta auf, was er vorher nicht bemerkt hatte. Sein Gesicht verdunkelte sich vor Kummer und Mitleid. Er nahm Micons ausgezehrte Hände in die seinen und führte ihn zu einem Sitz. »Micon, mein Bruder!« flüsterte er.
    »Ein Adoptivkind, wie ich sagte...« nickte Micon. »Woran hast du es gemerkt? Man hat mir gesagt, es gebe weder eine äußerliche Entstellung noch -«
    »Nein«, fiel Rajasta ein, »ich habe es erraten. Deine Ruhe, irgend etwas in deinen Gesten. Aber wie ist dies über dich gekommen, mein Bruder?«
    »Darf ich davon ein anderes Mal sprechen? Was geschehen ist -« Wieder zögerte Micon, und seine klangvolle Stimme verriet die Anstrengung »- kann nicht ungeschehen gemacht werden. Lass es dir genügen, dass ich - das Zeichen erwidert habe.«
    Rajastas Stimme bebte vor Erregung. »Du bist wahrhaftig ein Sohn des Lichts, obwohl du in Finsternis wandeln musst. Vielleicht - vielleicht der einzige Sohn des Lichts, der sein Gesicht diesem Glanz zuwenden kann.«
    »Nur weil ich ihn niemals erblicken werde«, murmelte Micon. Seine leeren Augen schienen sich auf das Gesicht zu richten, das er niemals sehen würde. Ein verzerrtes und schmerzliches Lächeln huschte über Micons Antlitz. Sie schwiegen.
    Endlich tastete Rajasta sich vor: »Aber... du hast mein Zeichen erwidert - und ich glaubte, ich hätte mich bestimmt geirrt - du könntest doch sehen -«
    »Ich kann - ein wenig Gedanken lesen«, antwortete Micon. »Nur ein bisschen, und nur dann, wenn

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