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Das Herz: Drei schwul-lesbische Geschichten mit Tiefgang

Das Herz: Drei schwul-lesbische Geschichten mit Tiefgang

Titel: Das Herz: Drei schwul-lesbische Geschichten mit Tiefgang
Autoren: Manuel Magiera
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Das Herz
    Billy ist seit einigen Minuten tot. Billy und sein Geliebter Marc haben einen Autounfall gehabt. Es ist All Hallows’Eve, der Abend vor Allerheiligen.

    Billy und Marc wollten in die Stadt fahren und sich auf den vielen Partys umschauen. Marc verlor auf der kurvigen Straße die Kontrolle über den Wagen. Billys Seele verließ den Körper, noch während sich das Auto mehrmals überschlug. Er sah, wie Marc hilflos eingeklemmt hinter dem Steuer zurück blieb. Dann kamen die Polizei und der Notarzt. Feuerwehrleute trafen ein, schnitten Marc mit Schweißbrennern aus dem Auto, legten ihn auf eine Trage und die Ambulanz fuhr ihn ins Krankenhaus. Sie zogen Billys toten Körper aus dem Fahrzeug, betteten ihn an den Straßenrand und deckten ein Tuch über ihn. Billy blickte von oben auf den Unfallort und fühlte sich unendlich leicht ohne die Hülle seines Körpers. Er hatte keinen Hunger mehr, keinen Durst und der lästige Gang zur Toilette war weg. Der Tod gefiel ihm und doch konnte er sich über seinen neuen Zustand nicht freuen. Er wollte wissen, was mit Marc geschah und begann, dem Krankenauto zu folgen. Plötzlich öffnete sich ein helles, strahlendes Portal und er wurde gezwungen in das Licht zu gehen. Überall tanzten Lichter um ihn herum. Sie sprachen und er antwortete gehorsam auf alle ihre Fragen. Er staunte, denn er verstand gar nicht, was sie sagten und doch schien alles seine Ordnung zu haben. Ein starkes, gleißendes Licht hüllte ihn ein. Er war geblendet und ihm wurde unendlich warm ums Herz. Das Licht sprach so deutlich, dass Billy alles verstehen konnte.   Es sagte, er müsse noch einmal zurückgehen. Er wäre noch zu sehr mit seinem irdischen Leben verbunden. Es käme häufig vor, dass Seelen unfrei kämen und noch etwas unten zu erledigen hätten. Marc, was war mit Marc?, fragte Billy.

    Das Portal öffnet sich wieder und Billy schreitet hindurch. Er ist erneut auf der Erde, aber ohne   Körper. Marc liegt im Krankenhaus auf der Intensivstation. Als Billy über ihm schwebt, schlägt er die Augen auf. Sie sprechen durch ihre Herzen, ohne die Lippen bewegen zu müssen. „Hey, Bill, was ist passiert?“ Billys Hand berührt zärtlich Marcs Gesicht. „Wir hatten einen Unfall. Du bist im Krankenhaus.“
    „Und du, was ist mit dir?“ In Marcs Augen schimmern plötzlich Tränen. „Ich bin tot, mein Liebling. Aber es ist gar nicht schlimm. Ich war schon im Licht, es war schön. Meine Großeltern sind dort und auch Onkel Fred. Erinnerst du dich an Timmy Brandon, der damals im See ertrunken war? Er kam gleich auf mich zugelaufen. Marc, sterben ist nichts, wovor man sich fürchten muss. Aber, ich wollte noch einmal mit dir reden. Ich musste dich einfach wieder sehen. Wir können doch nicht so auseinander gehen, ohne Abschied, ohne dass wir wissen, was geschehen ist und warum es geschah. Du wirst weiter leben und wir werden uns erst in ungefähr fünfzig Jahren wiedersehen können. Das haben sie mir dort schon gesagt. Ich weiß gar nicht, wie ich das ohne dich aushalten soll. Ich liebe dich doch so sehr.“
     
    Marcs Tränen versiegen. Er lächelt. „Ich liebe dich auch, Billy. Und ich werde jedes Jahr an Halloween ein Licht auf dein Grab stellen. Dann weiß ich, dass du bei mir bist.“ Billy drückt Marcs Hand. „Wie kommt es, dass du so gefasst sprichst?“
    „Ich bin ein angehender Priester, Bill, hast du das schon vergessen? Das Licht, das dich zu mir zurück geschickt hat, jenes Licht kam von Gott selbst. Der Unfall war sein Wille. Er wollte uns trennen. Warum, weiß ich noch nicht, aber ich denke, wir werden es irgendwann erfahren. An Allerseelen dürfen die Toten auf die Erde zurückkehren und sehen, was aus ihren Angehörigen geworden ist. Es ist eine große Gnade, dass wir heute verunglückt sind. Du darfst jedes Jahr durch das Portal zu mir kommen, bis du eines Tages wieder geboren wirst. Aber wir können nicht auf der Erde als schwules Paar weiter leben. Er hat uns auf diese Weise getrennt, Bill. Wir müssen das akzeptieren. ER weiß, was er tut.“

    Billy ahnt tief in seinem Herzen, dass sein Freund recht hat. Das Licht gab ihm Kraft und eine innere Sicherheit, wie er sie noch nie zuvor gespürt hat. Doch, was war so wichtig, dass er sterben musste, um Marc frei zu geben? Die beiden sehen sich an. Ihre Liebe wird niemals sterben.
    Ein stechender Schmerz durchschneidet Bills Brust. Er löst sich eine Sekunde von Marc und blickt in einen Operationssaal. Ärzte entnehmen dort einem

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