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Das Gluehende Grab

Das Gluehende Grab

Titel: Das Gluehende Grab
Autoren: Yrsa Sigurdardottir
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    Yrsa
Sigurðardóttir
    Das
glühende Grab -Guðmundsdóttir 03-
    Island-Krimi 
     
    EB -
11

     
    PROLOG
    Schon oft war
ihr der Tod verlockend erschienen. Heute hatte sie jedoch gar nicht
an ihn gedacht, was angesichts der Umstände ziemlich
ungünstig war.
    Wie
flüchtig und unbedeutend das Leben letztlich doch war. Ihr
Vater war der Anker der kleinen Familie gewesen, aber einen Monat
nach seinem Tod hatte sie schon Schwierigkeiten gehabt, sich sein
Gesicht ins Gedächtnis zu rufen. Und das, obwohl sie zu den
engsten Angehörigen zählte. Wie schnell würden ihn
da andere vergessen? Nachdem ihr Vater diese Welt und damit auch
sie und ihre Schwester verlassen hatte, dachte niemand mehr an ihn.
Es war, als hätte er nie einen Fuß auf die Erde gesetzt.
Als sie nun ihrem eigenen Schicksal ins Auge sah, wurde ihr
bewusst, dass ihre Vergangenheit niemals ans Licht kommen
würde. Sie würde nie reinen Tisch machen können.
Niemand würde die Ereignisse von damals erklären
können. Ihr wurde schwarz vor Augen, aber sie konnte sich
gerade noch bei Bewusstsein halten. Beim nächsten Mal
wäre sie verloren.
    Wenn sie doch
nur klar denken könnte und nicht so erschöpft wäre.
Dann könnte sie zumindest versuchen, sich zu wehren, anstatt
einfach nur dazuliegen und alles über sich ergehen zu lassen.
Sie wusste, dass ihr Medikamente verabreicht worden waren. Das
erklärte den Dämmerzustand. Auf dem Nachttisch stand ein
Pillenfläschchen, das sie nicht dorthin gestellt hatte: die
starken {10 }Schmerztabletten, die man ihr nach dem letzten
Eingriff mit nach Hause gegeben hatte. Das Fläschchen hatte
monatelang unberührt in ihrem Medikamentenschrank gestanden.
Undenkbar, dass sie selbst es herausgeholt und freiwillig eine
größere Menge Tabletten geschluckt hatte. Vielleicht war
ihr das Medikament ins Essen gemischt worden. Sie kannte den
Geschmack der Pillen. Der Wein konnte ihn unmöglich
überdeckt haben. Dieser ekelhafte Geschmack im Mund, nachdem
sie erbrochen hatte, stammte nicht vom Alkohol. Sie würgte
erneut und schloss die Augen, obwohl sie Angst hatte, sie nicht
wieder öffnen zu können. Doch etwas Schweres prallte auf
ihren Körper, sodass ihr die Luft wegblieb und sie instinktiv
die Augen wieder aufriss. Im nächsten Moment legte ihr jemand
eine eiskalte Hand über die Augen.
    Ihr Herz
schlug schneller. Eine andere Hand zwängte ihren Mund auf, und
Finger tasteten darin herum. Hilflos strampelte sie mit den Beinen.
Ihre Zunge wurde herausgezogen, und kurz darauf spürte sie
einen stechenden Schmerz. Ein Brennen, wie von einer Spritze, kroch
langsam über ihre Zunge. Anschließend presste ihr jemand
die Hand auf die Nase.
    Ihre Gedanken
wurden immer schwammiger. War sie im Krankenhaus bei einem Arzt?
Sie konnte nichts sehen und nichts riechen. Leise flüsterte
jemand in ihr Ohr: Es ist bald vorbei – entspann dich. War
das ein Arzt oder eine Krankenschwester? Angestrengt versuchte sie,
sich daran zu erinnern, wer bei ihr gewesen war, sie wusste es,
konnte sich aber unmöglich den Namen oder das Gesicht ins
Gedächtnis rufen, sie hatte weder eine Vorstellung von dem
Ort, an dem sie sich befand, noch wusste sie, wie viel Zeit
vergangen war. War es Tag oder Nacht? War das alles wirklich
passiert? Ihre Nase wurde freigegeben und ihr Mund wieder
geöffnet, Finger drückten gegen ihre Zunge, die sich
merkwürdig anfühlte. Sie versuchte, sie zu bewegen, aber
es ging nicht. Hatte sie etwa einen Schlaganfall? Plötzlich
drückten die Finger ihre Zunge fest in ihren Rachen. Wie sehr
sie auch versuchte, dagegen {11 }anzukämpfen – ihre
Zunge rührte sich nicht. Derjenige, der auf ihr saß,
presste ihre Arme mit seinen Knien fest in die Matratze.
Verzweifelt versuchte sie, sich an alles zu erinnern, was sie
über Schlaganfälle wusste. Konnte ein Schlaganfall eine
Lähmung der Zunge verursachen?
    Gedämpftes
Fluchen, wie in einem Tunnel, echote in ihrem Kopf. Sie versuchte
zu sprechen, dachte, ihre Stimme würde so klingen wie beim
Zahnarzt, aber es kam nur ein Stöhnen tief aus ihrer
Bauchhöhle. Sie röchelte, als ihr die Zunge noch fester
in die Kehle gepresst wurde, riss die Augen auf und starrte die
vertraute Zimmerdecke an.
    Die Finger
ließen von ihr ab, und der Druck auf ihren Magen und ihre
Arme verschwand. Sie verspürte noch nicht einmal
Erleichterung, schnappte nur verzweifelt nach Luft. Wahnsinnig vor
Angst, versuchte sie klar zu denken. Ihre Zunge steckte fest in
ihrem Rachen und ließ sich nicht

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