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Das Glücksrezept - O'Neal, B: Glücksrezept - The Lost Recipe for Happiness

Das Glücksrezept - O'Neal, B: Glücksrezept - The Lost Recipe for Happiness

Titel: Das Glücksrezept - O'Neal, B: Glücksrezept - The Lost Recipe for Happiness
Autoren: Barbara O'Neal
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EINS
    E lena hatte bereits über eine Stunde auf Dmitri gewartet, als er endlich durch die Hintertür des Blue Turtle stürmte, dem Restaurant in Vancouver, in dem sie beide arbeiteten.
    Wie üblich war sie früh dran, um in der angenehmen Ruhe des Sonntagmorgens zu kochen, wenn die Lehrlinge, die Chefs de Partie und Spüler nach ihren samstagabendlichen Aktivitäten noch in den Federn lagen. Nur Luis war da, der Commis de Cuisine in den Vierzigern aus El Salvador, dessen Hände braun und riesig waren. Er sang leise vor sich hin; irgendein altes spanisches Volkslied über einen conquistador , der Rache an seinem Erzfeind nimmt. Es erinnerte Elena an die Abende im Veteranenheim, als sie elf oder zwölf war und mit einer Coke in der Hand den Erwachsenen beim Tanzen zusah. Und bei Luis beschwor die Melodie zweifellos Erinnerungen an die Bodegas in seiner Heimat herauf.
    Elena summte leise mit, während sie mit einem langen Holzlöffel rosafarbene Schalotten und gelbe Zwiebeln in einer Pfanne rührte und überlegte, was noch erledigt werden musste, bevor das Restaurant öffnete. Sie dachte an conquistadores und die Rüstungen, die sie getragen hatten, um sich vor den Pfeilen ihrer Feinde zu schützen.
    Aber hauptsächlich kreisten ihre Gedanken um Dmitri und seinen Verrat an ihr.
    Ihr ganzer Körper schmerzte an diesem Morgen – die alten Verletzungen an Rücken und Hüften, Schultern und Nacken
von der Rüstung, die sie jeden Morgen aufs Neue anlegen musste. Diese Rüstung mit ihren sorgsam geschmiedeten Eisenteilen aus messerscharfer Arroganz und einem losen Mundwerk, unter denen sie die wahre Elena verbergen konnte, gut gehütet vor aller Augen. Sie drückte die Schulterblätter durch und ermahnte sich, aufrecht zu stehen.
    Lass los.
    Als die Zwiebeln beinahe fertig waren, zerdrückte sie den Knoblauch mit dem Messerrücken und wollte ihn gerade unterheben, als Dmitri zur Hintertür hereingestürmt kam. Die Wucht, mit der er die Tür aufriss, verriet seinen Zorn. Eilig zog sie die Pfanne vom Herd und wandte sich um.
    Dmitri, langgliedrig, schlank und mit den typisch osteuropäischen Gesichtszügen, kam auf sie zu und knallte eine Zeitung auf die Arbeitsplatte. Sie drehte den Herd herunter und wischte sich die Hände ab.
    Die Zeitung war auf der ersten Seite des Lifestyle-Teils aufgeschlagen, auf der ein zwei Wochen zuvor aufgenommenes Foto prangte – von Elena in Kochmontur und mit ihrem Markenzeichen, den bunten Schals, mit denen sie ihr langes blondes Haar aus dem Gesicht hielt. Mit einem schiefen Lächeln und verschmitzt hochgezogener Braue prostete sie mit einem Glas Wein in die Kamera. Ein nettes Foto, dachte sie wieder einmal. Es ließ sie jünger aussehen als achtunddreißig, sexy, attraktiv. Sie las die Schlagzeile:
    DIE HITZE IM BLUT
    »Als Frau in der Küche den Ton anzugeben, ist nicht einfach, aber trotzdem mein Lebenstraum«, sagt die Chefköchin des Blue Turtle.
    »Ich hab’s gesehen«, sagte sie mit sanfter Stimme.
    »Du bist gefeuert.«

    »Wie bitte?« Abrupt hob sie den Kopf. »Ich bitte dich, Dmitri. Ich kann nichts dafür, dass sie mich lieber mögen als dich. Außerdem bist du doch gleich im obersten Absatz erwähnt, oder nicht?«
    »Das hier ist meine Küche. Deine Aufgabe war, dich auf das Restaurant zu konzentrieren, auf die Karte. Und nicht, dich in den Vordergrund zu drängen.«
    »Es ist nicht deine Küche!« Sie knallte das Messer auf die Arbeitsfläche. »Du darfst dich zwar Küchenchef nennen, aber du weißt genauso gut wie ich, dass wir diese Küche und das Restaurant gemeinsam aufgebaut haben. Deshalb ist es meine genauso wie deine.«
    »Ach ja?« Er hob den Zeigefinger. »Eine Frage, ja?« Wann immer er wütend oder aufgeregt war oder ihn die Leidenschaft überwältigte, schlich sich dieser russische Akzent, gegen den er seit vielen Jahren ankämpfte, wieder ein. »Wessen Name steht an der Tür?«
    Wieder wischte sie sich beklommen die Hände ab. »Deiner.«
    Er schnappte die Zeitung und schlug mit der anderen Hand auf die Seite. Es klang wie ein Schuss. »Und wo steht etwas über den Küchenchef des Blue Turtle? Hmm?« Seine cognacfarbenen Augen glühten. »Auf Seite drei. Ganz am Ende!«
    »Sollte es nicht um das Restaurant gehen?«
    Er warf ihr einen vernichtenden Blick zu. Das Restaurant gehörte ihm nicht. Die Küche schon.
    »Du wolltest doch, dass ich mit ihr rede.« Elena zuckte mit den Schultern. »Also habe ich es getan.«
    Bedeutungsschwanger hing die Stille zwischen

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