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Das geschenkte Leben

Das geschenkte Leben

Titel: Das geschenkte Leben
Autoren: Robert A. Heinlein
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– KAPITEL –
EINS
     
    Der Raum war altmodisch, im Neobarock der 1980er Jahre, aber er war groß, hoch und luxuriös. In der Nähe imitierter Aussichtsfenster stand ein automatisiertes Krankenhausbett, das fehl am Platze wirkte, jedoch weitgehend hinter einem prächtigen chinesischem Wandschirm verborgen war. Zwölf Meter davon entfernt befand sich ein Konferenztisch, der ebenfalls nicht zur Einrichtung paßte. Am Kopfende des Tisches stand ein mit einem Lebenserhaltungssystem ausgerüsteter Rollstuhl. Kabel und Schlauchleitungen verbanden den Rollstuhl mit dem Bett.
    Nahe beim Rollstuhl saß eine junge Frau an einem fahrbaren Schreibmaschinentisch, auf dem sich Mikrofone, eine Sprechschreibmaschine, Telefon, Kalenderuhr, Steuertasten und andere Utensilien drängten.
    Die junge Frau war schön, und ihr Benehmen war das der perfekten, unaufdringlichen Sekretärin, aber sie war nach der zur Zeit beliebten ›Halb und Halb‹-Mode gekleidet, was ihr ein ziemlich exotisches Aussehen verlieh. Sie steckte in einem hautengen Jerseyanzug, der ihre rechte Körperhälfte schwarz und die linke scharlachrot umhüllte. Am roten Fuß trug sie eine schwarze Sandale, am schwarzen eine rote. Die Zweiteilung in Scharlachrot und Schwarz setzte sich in der Bemalung ihres Gesichts und ihrer Hände fort.
    Auf der anderen Seite des Rollstuhls war eine ältere Frau in konventioneller Krankenschwestertracht. Sie beachtete nur die Instrumente auf ihrer fahrbaren Kontrollkonsole und den Patienten im Rollstuhl. Um den Konferenztisch saßen neun oder zehn Männer, die meisten von ihnen in der sportlich-legeren Kleidung, wie sie bei älteren Vorstandsmitgliedern beliebt war.
    Im Rollstuhl kauerte ein sehr alter Mann. Bis auf seine ruhelosen und mißtrauischen kleinen Augen sah er wie ein schlecht einbalsamierter Leichnam aus. Keine kosmetischen Mittel waren verwendet worden, um seine Hinfälligkeit zu übertünchen.
    »Ghoul«, sagte er leise zu einem der am Tisch sitzenden Männer. »Sie sind ein verdammter Ghoul, Parky. Hat Ihr Vater Ihnen nicht beigebracht, daß man wartet, bis jemand aufgehört hat zu atmen, bevor man ihn beerdigt? Oder hatten Sie gar keinen Vater? Streich diese Sätze, Eunice. Meine Herren, Mr. Parkinson hat angeregt, daß man mir den Rücktritt als Vorstandsvorsitzender nahelegt. Darf ich wissen, wer seinen Vorschlag unterstützt?«
    Er wartete, blickte von Gesicht zu Gesicht und sagte dann: »Nanu? Wer läßt Sie im Stich, Parkinson? Sie, George?«
    »Ich hatte nichts damit zu tun.«
    »Aber Sie würden gern mit ja stimmen. Da keine weiteren Vorstandsmitglieder sich dem Antrag anschließen, verfällt er der Ablehnung.«
    »Ich ziehe meinen Antrag zurück.«
    »Zu spät, Parkinson. Löschungen im Sitzungsprotokoll werden nur auf einstimmigen Beschluß gemacht, und ich, Johann Sebastian Smith, bin dagegen. Diese Regel habe ich schon eingeführt, bevor Sie überhaupt lesen gelernt haben.«
    Smith blickte wieder in die Runde. »Aber ich habe Neuigkeiten. Wie Sie von Mr. Teal gehört haben, sind unsere Unternehmungen gesund. Die Ertragslage ist überall gut. Ich sehe das als einen guten Zeitpunkt an, mich von den Geschäften zurückzuziehen.«
    Smith wartete, dann sagte er: »Sie können Ihre Münder wieder schließen. Machen Sie nicht so ein selbstzufriedenes Gesicht, Parkinson; ich habe noch mehr Neuigkeiten auf Lager. Ich werde als Vorsitzender des Aufsichtsrats die Oberleitung behalten, mich aber nicht mehr um die Tagesgeschäfte kümmern. Unser juristischer Chefberater, Mr. Jake Salomon, wird mein Stellvertreter im Aufsichtsrat, und …«
    »Moment, Johann. Ich habe keineswegs vor, diesen Zirkus zu leiten.«
    »Davon ist auch nicht die Rede, Jake. Aber du kannst den Vorsitz übernehmen, wenn ich gerade nicht zur Verfügung stehe. Oder ist das zuviel verlangt?«
    »Nein, ich glaube nicht.«
    »Danke. Mr. Byram Teal wird Vorstandsvorsitzer und Präsident der Unternehmensgruppe Smith. Er tut die Arbeit – schon lange; es ist an der Zeit, daß er auch den Titel bekommt – und die Bezahlung, die Optionen auf Stammaktien und all die anderen Nebeneinnahmen und Privilegien und Steuerschlupflöcher. Nicht mehr als recht und billig.«
    Parkinson sagte: »Hören Sie mal, Smith!«
    »Für Sie immer noch Mr. Smith. Was haben Sie zu sagen?«
    Parkinson beherrschte sich. Nach kurzer Pause sagte er: »Wie Sie wollen, Mister Smith. Ich kann dies nicht akzeptieren. Ganz abgesehen davon, daß Sie Ihren Assistenten ohne vorherige
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