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Das Geheimnis des Roten Ritters

Titel: Das Geheimnis des Roten Ritters
Autoren: dtv
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Halfter gingen sie auf das Torhaus zu.
    »Hoffentlich lassen sie mich rein«, murmelte Johanna. »Ich bin so müde, dass ich sterben könnte.«
    Hagen antwortete nicht. Er versuchte, das Gesicht des Mönches, der Wache hielt, zu erkennen. War es ein gütiges Gesicht?
    Der Mönch schaute im Schein einer Fackel aus seinem Torhaus heraus und musterte die beiden Kinder von Kopf bis Fuß. Er runzelte
     die Stirn. Doch als er zum Sprechen ansetzte, fiel ihm Johanna ins Wort.
    »Gott mit Euch, Bruder! Habt Mitleid mit zwei müden Reisenden, die einen Schlafplatz suchen. Unser Vetter Georg, der hier
     Novize ist, hat uns von Eurer Güte erzählt   …« Sie stockte. Herr im Himmel, mehr fiel ihr nicht ein, um den Mönch zu überreden.
    Das längliche Gesicht des Mönches legte sich wieder in Falten.
    »Soso«, sagte er. »Der junge Georg   … ein anständiger Bursche.«
    Er räusperte sich und Johanna hielt vor Spannung den Atem an.
    »Nun, zwei Kinder, mitten in der Nacht   … und das in diesen Zeiten   …« Jetzt rang sich der Mönch zu einer freundlicheren Miene durch. »So wird es denn wohl Gottes Wille sein. Ich schließe euch
     auf.«
    Und dann kam er tatsächlich aus dem Torhaus heraus und zeigte ihnen die Wiese hinter den Stallungen, wo sie ihre Pferde weiden
     lassen konnten. »Bevor die Sonne aufgeht, müsst ihr aber wieder weg sein«, sagte er mit erhobenem Zeigefinger.
    Im Schein einer Fackel führte er sie durch die Klosteranlage zum Gästehaus.
    Hagen und Johanna machten große Augen. Das war ja eine richtige kleine Stadt, die sich da hinter den Klostermauern erstreckte.
     In der Mitte stand die Kirche. Daneben waren Sakristei, Schreibstube und Bibliothek, wie ihnen der Mönch mit gedämpfter Stimme
     erklärte. Rundherum konnte man in der Dunkelheit noch zahlreiche Gebäude erkennen, eine Bäckerei und ein Brauhaus, daneben
     Küchenhaus,Waschhaus, Werkstätten für Schuster, Gerber, Drechsler und sogar einen Goldschmied. Dann das Haus des Abtes, hinter dessen
     Fenstern Kerzenlicht schimmerte und das schon fast einem Palast glich, und natürlich die Gebäude, in denen die Mönche schliefen
     und arbeiteten.
    »Hier hat euer Vetter Unterricht«, sagte der Mönch, als sie an einem der steinernen Gebäude vorbeigingen, »das ist die innere
     Schule.« Dann zeigte er zu einem Haus mit kleinen Fenstern hinüber. »Und dort drüben schlafen die Novizen. Wenn ihr wollt,
     schicke ich Georg morgen vor dem Morgenlobgebet zu euch. Vielleicht ist es das letzte Mal, dass ihr ihn seht. Wenn er erst
     einmal das Mönchsgelübde abgelegt hat und die Kutte trägt, wird er kaum noch Kontakt zu seinen Verwandten haben.«
    Schließlich hielt der Mönch vor einem großen Gebäude, an das sich eine Küche anschloss. »Dies ist die Pilgerherberge. Da werdet
     ihr wohl einen Strohsack zum Liegen finden. Nehmt am Brunnen dort drüben noch einen Schluck Wasser und legt euch leise schlafen.«
     Er zögerte. »Das ist eigentlich kein Ort für ein Mädchen   … Und passt auf euer Hab und Gut auf. Es ist allerhand zwielichtiges Volk unterwegs.«

    Unter gesenkten Lidern warf er einen Blick auf den Geldsack, den Johanna halb in den Falten ihrer Tunika verbarg. Dann eilte
     er davon.
    Johanna und Hagen blieben einen Moment in der Tür der Pilgerherberge stehen. Eine Welle warmer, abgestandener Luft schlug
     ihnen entgegen.
    In dem großen Raum waren all jene untergebracht, die die Gastfreundschaft der Mönche in Anspruch nahmen und nicht zu den höhergestellten
     Gästen des Abtes zählten: Pilger, Wandermönche, Händler und Handwerker auf Wanderschaft, aber auch etliche in Lumpen gehüllte
     Alte und Kranke. Vielleicht waren auch ein paar entlaufene Knechte darunter, die in die Stadt wollten. Wegen des bevorstehenden
     Festes in Mainz war jeder Meter des Steinfußbodens mit Strohsäcken belegt.
    Bald lagen Hagen und Johanna dicht beieinander neben dem Eingang. Den Sack mit dem Geldschatz hatte Hagen sich vorsichtshalber
     unter den Strohsack geschoben.
    Vor Müdigkeit fielen ihm sofort die Augen zu. Aber er kam trotzdem nicht zur Ruhe und wälzte sich unruhig hin und her. Er
     träumte von finsteren Burschen, die über ihn herfielen, um ihm den Geldbeutel zu entreißen.
    Sie hatten nur wenige Stunden geschlafen, als jemand Hagen vorsichtig an der Schulter packte.
    Er fuhr herum und sah in Georgs rundliches Gesicht. Der Novize legte den Finger an die Lippen, deutete zur Tür und huschte
     hinaus.
    Schnell weckte Hagen seine

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