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Das Geheimnis des Roten Ritters

Titel: Das Geheimnis des Roten Ritters
Autoren: dtv
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seine beiden Söhne an diesem Pfingstfest zu Rittern geschlagen wurden, war für ihn genau der richtige
     Anlass, aller Welt seine Macht zu zeigen.
    Hagen und Johanna waren abgestiegen. Sie hatten sich in einiger Entfernung der mit Fahnen geschmückten Zelte ans Ufer gesetzt.
    Die Satteltasche, in der sie den Geldsack verstaut hatten, lag zwischen ihnen. Doch vor lauter Schauen und Staunen vergaßen
     sie ganz, weshalb sie eigentlich nach Mainz gekommen waren.
    Und auch den Einbruch der Dunkelheit bekamen sie erst mit, als ringsumher die Fackeln angezündet wurden.
    »Wo sollen wir übernachten?«, fragte Johanna ihren Bruder. Sie merkte plötzlich, wie müde sie war. Jeder Knochen schmerzte
     ihr vom ungewohnten Reiten.

    Hagen streckte sich. Auch ihm tat alles weh. Am liebsten hätte er sich einfach im Gras ausgestreckt. Aber das war mit einem
     Sack Gold unter dem Arm natürlich viel zu gefährlich.
    Wo konnten sie nur sicheren Unterschlupf finden? Ach, wenn sein Vater ihn nur einmal mit nach Mainz genommen hätte, so wie
     seinen Knappen! Dann würde er sich hier besser auskennen   …
    Erst im Herbst war Waldemar mit Ritter Karl für ein paar Tage in Mainz gewesen. Und hinterher hatte er geprahlt mit all den
     stolzen Gebäuden, die er in der Stadt gesehen hatte. Der große Marktplatz und der Dom mit seiner achteckigen Kuppel   … Und dann hatte er zugeben müssen, dass sie gar nicht in Mainz, sondern im Kloster der Benediktiner ein paar Meilen vor der
     Stadtmauer übernachtet hatten. »Aber immerhin im Gästehaus des Abtes, im Haus für die vornehmen Leute«, hatte er angegeben.
    Hagen kannte das Kloster aus den Erzählungen seines Vetters Georg, der dort als Novize angefangen hatte. Es war ein Kloster,
     das für seine Bibliothek berühmt war. Wie oft hatte Hagen seinen Vetter darum beneidet, dort aufgenommen zu werden. Was er
     dort wohl alles lernte? Seit wann war Georg dort überhaupt?
    »Hagen!« Johanna riss ihn aus seinen Gedanken. »Du schläfst ja schon mit offenen Augen.«
    Hagen rieb sich das Gesicht. Ja, es war höchste Zeit, einen Schlafplatz zu finden. Zögernd erzählte er Johanna von dem Kloster,
     in dem Gäste für die Nacht aufgenommen wurden.
    »Aber lassen sie denn da auch Mädchen übernachten?« Johanna runzelte zweifelnd die Stirn.
    »Die Mönche können dich doch nicht mitten in der Nacht vor dem Tor stehen lassen«, antwortete Hagen. »Das sind doch barmherzige
     Männer.« Er rang sich ein müdes Grinsen ab. »Und heute ist doch unser Glückstag, oder nicht?«
    Johanna nickte. Kurz entschlossen winkte sie einem Jungen zu, der genau wie sie am Ufer herumlungerte, um ein bisschen von
     dem Glanz dieser Tage mitzubekommen. »Hey, du!«, rief sie. »In welche Richtung liegt das Kloster der Benediktiner?«
    Bereitwillig erklärte ihr der Bursche den Weg. Dabei musterte er sie neugierig. »Ein Mädchen wie sie sollte sich nicht so
     spät noch herumtreiben«, sagte er zu Hagen. »Da könnte manch ein Halunke auf dumme Gedanken kommen.«
    Hagen machte ein finsteres Gesicht und streckte seine magere Gestalt um ein paar Zentimeter. »Ichkann sie wohl beschützen«, grummelte er, ohne den Burschen anzuschauen.
    Wenig später saßen die Geschwister auf den Pferden und machten sich auf den Weg. Zum Glück war es ein sternenklarer Abend
     und die Straße war in einem guten Zustand.
    Hagen hing wieder seinen Gedanken nach.
    »Was meinst du, Johanna«, fragte er seine Schwester, die neben ihm ritt, »ob Georg wohl seine Novizenzeit schon beendet hat?
     Vielleicht trägt er schon die Kutte und sie haben ihm das Haar geschoren.«
    »Ich erkenne ihn trotzdem wieder«, meinte Johanna. »Schade, dass er Mönch wird   …« Sie lächelte wehmütig. In den zwei Wochen, die Georg im Winter bei ihnen auf Burg Felsenstein gewesen war, hatte sie Gefallen
     an ihrem Vetter gefunden. Er war längst nicht so ein Draufgänger wie Waldemar. Es passte zu ihm, dass er Lesen und Schreiben
     lernen und sein Leben Gott weihen wollte. Sie verstand es gut, dass ein Junge es vorzog, den Armen zu helfen, statt das Töten
     zu lernen und in den Krieg zu ziehen.
    Jetzt lächelte auch Hagen. »Ja«, sagte er. »Die Netten werden Mönch. Und die Deppen werden Knappe. Und so wirst du wohl leider
     keinen Netten heiraten können.«

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