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Das Geheimnis des Roten Ritters

Titel: Das Geheimnis des Roten Ritters
Autoren: dtv
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Laune zu haben«, flüsterte
     sie.
    »Kein Wunder. Bei dem vielen Geld, das er auf der Straße verloren hat«, meinte Hagen.
    »Was glaubst du? Wird er uns eine Belohnung dafür geben, dass wir ihm seinen Besitz wiederbringen?«
    Hagen betrachtete das vernarbte, braun gebrannte Gesicht des Ritters. Die Brauen überwölbten helle blaue Augen, die unruhig
     hin und her wanderten. Er trug eine kurze Tunika, enge schwarze Beinlinge und den dunkelroten Umhang. Seine Kleidung war offenbar
     aus edlen Stoffen gefertigt. An den Fingern funkelte ein goldener Siegelring.
    »Nein«, antwortete Hagen. »Aber es ist sein Eigentum. Und wir dürfen es ihm nicht vorenthalten, wenn wir nicht im Fegefeuer
     landen wollen.« Er nahm sich ein Herz und steuerte auf die beiden Männer in der Ecke der Gaststube zu.
    Johanna folgte ihm zögernd. Sie hatte ein ungutes Gefühl. Am liebsten wäre sie auf der Stelle wieder umgekehrt. Doch dafür
     war es bereits zu spät.

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    Schlimme Neuigkeiten
    »Verzeiht, hoher Herr«, sagte Hagen höflich, als er auf den Edelmann zutrat.
    Der Fremde zog die Brauen zusammen und machte eine Handbewegung, als wollte er eine Fliege verscheuchen. Doch Hagen hatte
     damit gerechnet, abgewiesen zu werden. Tapfer blieb er stehen und sah dem Mann in die Augen.
    »Wir waren gestern früh auf der Hochstraße, die von der Hasenkuppe kommt«, sagte er schnell.
    Der Fremde fuhr so heftig auf, dass er fast den Tisch umwarf. Mit einem herrischen Blick gebot er dem Händler, ihn allein
     zu lassen.
    »Was wollt ihr?«, zischte er, als der Händler sich zurückgezogen hatte. Er sah von Hagen zu Johanna und von Johanna wieder
     zu Hagen.
    »Nichts Böses«, beeilte sich Johanna zu sagen. »Wir wollen Euch geben, was das Eure ist. Das, was Ihr verloren habt«, fuhr
     sie hastig fort. Ach, hätte sie nur ihrem Gefühl vertraut und diesen Menschen gar nicht erst angesprochen.
    Der Fremde sah sich lauernd um. Doch niemand schien sein Gespräch mit den beiden Kindern zu beachten.
    »Setzt euch!«, sagte er. Es klang wie ein Befehl und nicht wie eine freundliche Aufforderung.
    Doch als die Geschwister ihm gegenüber Platz genommen hatten, änderte sich plötzlich sein Benehmen. »Ihr beide habt also gefunden,
     was ich verloren habe?«, fragte er und lächelte Johanna dabei an. »Das ist mir aber eine große Erleichterung.«
    Johanna bemühte sich um ein Lächeln. Noch immer war ihr der Mann alles andere als angenehm, aber trotzdem musste man wohl
     höflich zu ihm sein.
    »Ja«, antwortete sie. »Euren Lederbeutel.«
    »Woher wisst ihr, dass es meiner ist?«, fragte der Fremde.
    »Wir haben gesehen, wie er Euch auf die Straße gefallen ist«, fügte Hagen an. »Und wir haben auch das Wappen erkannt.«
    Für einen Moment huschte wieder ein Schatten über das Gesicht des Mannes. »Das Wappen?«
    »Die gekreuzten Schwerter«, beeilte sich Hagen zu sagen. »Auf Eurem Umhang. Und auf dem Beutel.« Er fühlte sich von Minute
     zu Minute unwohler. Wieso behandelte sie dieser düstere Kerl eigentlichwie Strauchdiebe? Er sollte ihnen doch wohl dankbar für all ihre Mühe sein, oder nicht?
    Für ein paar Sekunden fiel der Mann in dumpfes Schweigen. Dann musterte er die Zwillinge. »Wo habt ihr den Beutel?«, sagte
     er leise. »Tragt ihr ihn bei euch? Habt ihr ihn aufgemacht?«
    Hagen rutschte unruhig auf seinem Hocker hin und her. Was sollte er sagen?
    Doch da mischte sich Johanna ein. »Nein«, antwortete sie. »Wir haben ihn nicht bei uns. Wir wollten damit nicht auf der Straße
     herumlaufen.«
    Der Fremde holte tief Luft. »Kluges Mädchen«, sagte er. »Und wo ist der Beutel?«
    Johanna warf Hagen einen schnellen Blick zu. Hagen zögerte einen Moment, dann nickte er. Natürlich. Er dachte genau wie sie.
     Einen hohen Herrn wie diesen durfte man nicht anlügen. Auch wenn er nicht gerade freundlich war. »Wir haben ihn im Kloster
     gelassen«, antwortete sie, »bei den Benediktinern.«
    »Im Kloster   … bei den Mönchen also«, murmelte der Fremde und biss sich auf die Unterlippe. Plötzlich stand er auf und schlug mit der Hand
     auf den Tisch. »Wie undankbar bin ich doch! Ihr beide habt sicher Hunger und Durst. Wartet hier. Ich werde euch Bier und Brot
     bringen.«

    Ehe Johanna und Hagen etwas sagen konnten, war er auch schon verschwunden.
    »Ich würde lieber gehen«, flüsterte Johanna ihrem Bruder zu. »Mir gefällt es hier nicht.«
    »Mir auch nicht«, meinte Hagen. »Aber Hunger und Durst habe ich wirklich. Es wird

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