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Das Geheimnis Des Amuletts

Das Geheimnis Des Amuletts

Titel: Das Geheimnis Des Amuletts
Autoren: Gillian Shields
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Sie zeigt mir zarte Bilder von damals, als ich noch ein Kind war; Bilder aus den wenigen Wochen, bevor sie mich ins Kinderheim gebracht hat. Sie sagt, sie würde gern zurückkehren und alles wieder gut machen. Einen Neuanfang versuchen.
    Ich weiß, was du denkst: Kann ich irgendetwas von dem, was sie sagt, glauben? Aber muss ich das überhaupt jetzt schon entscheiden? Kann ich nicht diese verstohlene Zeit einfach nur genießen, bevor Evie und Sarah davon erfahren und sagen: »Du darfst das nicht tun, sei nicht so dumm, sei nicht so verrückt«?
    Jetzt, nach all diesen Jahren, scheint es, als wäre Celia Hartle bereit, doch noch eine Mutter für mich zu sein. Ich möchte das glauben, Wanderer. Lass es mich glauben, nur für heute. Sie würde gern noch einmal von vorn anfangen … ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass ich sie befreien könnte, ihren Körper und ihre Seele, und dass ich die Zeit zurückdrehen könnte, so dass für uns beide alles anders ablaufen würde, sauber und rein, wie ein neues Lied, ohne Vergangenheit, nur mit einer Zukunft.
    Oh, ich weiß, dass das unmöglich ist. Sie ist in ihrem Gefängnis aus Stein und Erde verborgen, und in dieses ewige Grab kann ich ihr nicht folgen. Es gibt so vieles, das uns voneinander trennt und immer trennen wird.
    Aber ich kann immer noch hoffen.

Vier
    Zeugnis von Evelyn Johnson
    Wenn ich mir eines für den Beginn des neuen Terms erhofft hatte, dann dass unser langer Kampf zu Ende wäre. Es war höchste Zeit, dass wir ihn beendeten. Der dunkle Geist der Priesterin lag verborgen im schwarzen Fels oben auf dem windgepeitschten Kamm, aber obwohl wir sie dort gegen Ende des vorherigen Terms festgesetzt hatten, warf ihre verzerrte Seele einen Schatten auf unser Leben, dem Monster aus den Bergen in den Märchen gleich. Solange sie dort war, würden wir nicht wirklich frei sein – und das galt ganz besonders für Helen.
    Unsere mystischen Kräfte – Wasser für Evie, Erde für Sarah und Luft für Helen – hatten uns in seltsame Welten geführt, wo nicht einmal der Tod das war, was wir sonst darunter verstanden, und jenseits seines Schleiers weilte unsere geheime Schwester Agnes im Tal des Lichts und diente dem heiligen Feuer des Schöpfers. Wir vier hatten schon so viel zustande gebracht, und doch war mir klar, dass unsere Aufgabe noch nicht beendet war.
    Während der Sommerferien hatten Sarah, Helen und ich Wyldcliffe im Zustand eines unsicheren Waffenstillstands verlassen. Wie alle anderen an dieser Schule trauerten wir um Miss Scratton, allerdings war unser Kummer echt. Sie war unsere Wächterin gewesen und hatte uns bei unseren Kämpfen gegen den Hexenzirkel geholfen, und jetzt war sie weg – nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen, wie alle glaubten, sondern in Wirklichkeit von Rowena Dalrymple getötet, die eine der Mistresses der Schule und die fanatischste der Dunklen Schwestern war. Dass wir unsere Wächterin verloren hatten, hatte Helen schwer getroffen, aber ich fragte mich, ob die Tränen, die sie wegen Miss Scratton vergoss, nicht in Wirklichkeit ihrer Mutter galten. Ich wollte Helen so gern helfen, aber ich wusste einfach nicht wie. Sie hatte so viel für mich getan, und ich hätte ihr dafür und für ihre Hingabe gern etwas zurückgegeben. Obwohl Helen sich gezwungen hatte, für uns stark zu sein, spürte ich, dass ihre Nerven bis zum Äußersten gespannt waren, während sie darüber brütete, was da draußen auf den kahlen Hügeln auf sie warten mochte.
    Wir waren schon ein paar Tage in Wyldcliffe, als wir zum ersten Mal die Möglichkeit hatten, allein miteinander zu sprechen. Nach dem Abendessen schlichen wir uns zu der alten Grotte, die sich auf dem Schulgelände befand. Es handelte sich um einen beeindruckenden unterirdischen Bau, den Agnes’ Vater, Lord Charles Templeton, vor langer Zeit angelegt hatte, damit dort, in einer schwelgerischen Kombination aus Kunst und Muße, Picknicks abgehalten werden konnten. Die Grotte bestand zur Hälfte aus einer Höhle, zur anderen Hälfte aus einem steinernen Tempel, der mit seltsamen heidnischen Mosaiken dekoriert war. Sie war feucht und muffig und wurde nicht benutzt – der ideale Ort, um sich in aller Heimlichkeit zu treffen. Die praktisch veranlagte Sarah machte als Erste einen Vorschlag, was wir als Nächstes tun sollten.
    »Ich denke, wir sollten so bald wie möglich zum Ridge hochlaufen und den Stein mit einem neuen Bann belegen«, sagte sie. »Nur um sicherzugehen, dass die Priesterin nicht

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