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Das Geheimnis Des Amuletts

Das Geheimnis Des Amuletts

Titel: Das Geheimnis Des Amuletts
Autoren: Gillian Shields
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Lebensunterhalt. Wie der Chronicle allerdings erfahren hat, könnte sich dies bald ändern: Die über einhundert Jahre alte Schule droht geschlossen zu werden.
    Die Probleme begannen mit dem mysteriösen Verschwinden der geachteten Obersten Mistress Celia Hartle, die die Schule seit vielen Jahren geleitet hatte. Ihre Leiche wurde oberhalb des viktorianisch-gotischen Herrenhauses in den Moors gefunden, doch der Fall musste vom Gerichtsmediziner als unaufgeklärt zu den Akten gelegt werden. War es ein Herzanfall? War es Selbstmord oder etwas noch Schlimmeres?
    Miss Pauline Raglan übernahm zunächst die Leitung der Schule während Mrs. Hartles Abwesenheit, verließ die Schule allerdings schon bald überhastet wegen »familiärer Probleme«. Auch die Ernennung von Miss Miriam Scratton zur neuen Obersten Mistress stand unter keinem guten Stern. Miss Scratton starb im vergangenen Term auf tragische Weise bei einem Autounfall; ihr Tod zog etliche Gerüchte nach sich. Erst ein Jahr zuvor ertrank eine Schülerin von Wyldcliffe im See auf dem Schulgelände, und mittlerweile werden Fragen laut, ob zwischen den drei Todesfällen möglicherweise ein Zusammenhang besteht.
    Die Geschichte von Wyldcliffe hat schon immer Anlass zu Gerüchten gegeben – der Ort galt sogar als »verflucht«. Bisher allerdings wurden diese Geschichten als Klatsch abgetan. So erzählt man sich, dass eine ehemalige Bewohnerin von Wyldcliffe, Lady Agnes Templeton, tatsächlich ermordet worden sei und ihr Geist nachts umherwandere. Ja, einige Alteingesessene behaupten sogar, dass Lady Agnes eines Tages nach Wyldcliffe zurückkehren wird, um die Schule vor einer großen Gefahr zu retten. Und jetzt machen weniger schillernde, aber dafür umso beunruhigendere Geschichten die Runde.
    Es geht das Gerücht, Wyldcliffe sei das geheime Zentrum eines heidnischen Kultes, dessen Existenz viele Jahre lang vertuscht wurde. Beweise für derartige Behauptungen hat es nie gegeben, aber die Gerüchte und die unglückseligen Todesfälle haben zu einem drastischen Rückgang der Neuanmeldungen an der Abteischule Wyldcliffe geführt. Selbst die berühmten vornehmen Traditionen zählen nicht mehr viel im einundzwanzigsten Jahrhundert. »Heutzutage möchten die Mädchen gute Zensuren haben, die sie auf das College vorbereiten, und nicht lernen, wie man Messer und Gabel richtig hält. Die Tage von Wyldcliffe sind vorüber«, so die verärgerte Aussage einer ehemaligen Schülerin, die nicht namentlich genannt werden wollte.
    Längst ist bekannt, dass Miss Scratton ein Modernisierungsprogramm angestrebt hatte; ob diese Änderungen aber nun tatsächlich durchgeführt werden – und ob die Schule ohne derartige Maßnahmen überleben kann, wird die Zukunft zeigen.

Drei
    Aus dem Tagebuch von Helen Black
14. September
    Ich hatte keine Ahnung, ob ich es überleben würde, wenn ich mich ihr näherte. Ich zitterte vor Angst, als ich da am Fuß des größten Steins hockte, der auf dem Ridge wie ein schwarzer Turm über mir aufragte. Ich versuchte, den Duft der Moors einzuatmen, um mich zu beruhigen, während ich mich an den Stein lehnte und auf die Stimme meiner Mutter lauschte.
    Sie spürte mich. Sie begrüßte mich. Sie sprach aus der Tiefe ihres Gefängnisses zu mir, und ihre Stimme hallte in meinem Kopf wider, schwer vor Kummer und niedergedrückt vor Bedauern über das, was sie getan hatte und wie sie gegen uns gekämpft hatte.
    Ich weiß, Wanderer, ich weiß! Du musst mir nichts sagen! Du denkst, dass ich mir etwas einbilde und ein gefährliches, maßloses Spiel spiele. Mag sein, dass du Recht hast, aber hör mich an! Wie ich dir schon sagte, hasst Celia Hartle den Klang meines Namens; aber es könnte doch sein, dass sie sich verändert hat, oder nicht? Was ist, wenn sie während der langen Tage und Nächte in ihrem Gefängnis gelernt hat, wirklich alles anders zu sehen? Vielleicht sogar mich. Und ist abgesehen davon nicht jeder fähig zur Erlösung? Wenn wir daran nicht glauben, sind wir alle für immer in der Dunkelheit verloren.
    Es war eine außerordentliche Erfahrung, den Geist meiner Mutter zu erreichen. Wir sind beide Geschöpfe der Luft, und obwohl sie sich von der wahren Bedeutung des Mystischen Weges abgewandt hat, kann sie mir trotzdem auf einem Windhauch ihre Gedanken schicken. Und sie scheint sich sehr von der Frau zu unterscheiden, die sie einmal gewesen ist. Jetzt wirkt sie bescheiden und ruhig und ganz und gar nicht wie die Celia Hartle, die ich in Erinnerung habe.

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