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Das Camp (Sartos) (German Edition)

Das Camp (Sartos) (German Edition)

Titel: Das Camp (Sartos) (German Edition)
Autoren: Amber Blake
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                                    Das Camp    
     
                           Ein dystopischer Roman           
     
     
                                                        Probation                                                 
     
     
    Die Sonne brannte unbarmherzig auf Troys gebeugten Rücken. Das Steckrübenfeld schien endlos zu sein. Angewidert betrachtete sie die Rübe, die sie eben aus dem Boden gezogen hatte und pfefferte sie in den hölzernen Sammelbehälter, der auf einem der niedrigen Karren stand.
    „Ich an deiner Stelle würde etwas begeisterter dreinblicken und das Gemüse nicht herumwerfen, als würdest du Gentrys Kopf treffen wollen,- oder hast du schon vergessen, dass du unter Probation stehst?“
    Reeve, ihre beste Freundin seit frühester Kindheit, blickte sie vorwurfsvoll an.
    „Da du mich im fünf-Minuten-Takt daran erinnerst, kann ich es schwerlich vergessen.“
    Troy stand nicht zum ersten Mal unter der Probation , der Bewährungszeit. Dieses Mal hatte man sie dazu abgeurteilt, weil sie die Ordnung der Dinge in Frage gestellt hatte. Dabei hatte sie nicht einmal die allgemein gelehrte These, dass ihre Insel Sartos sich in einem endlosen Meer befindet, in Frage gestellt. Sie wollte lediglich wissen, woher man eigentlich wisse, dass das Meer endlos sei, wenn nie jemand weitergekommen war, als nach Neria , dem Regierungssitz.
    Ihre Lehrerin für Naturkunde, Mrs. Eversby, hatte ihre berüchtigten roten Flecken am Hals bekommen und Troy zu Direktor Haversham geschleppt, der ihr einen Vortrag über renitentes Verhalten und mangelnde Anpassungsfähigkeit hielt.
     
    „Wie oft möchtest du noch bei mir sitzen?“, polterte Direktor Haversham. Er gehörte zu den wenigen übergewichtigen Einwohnern der Insel und sein gebundener Schal schien etwas zu eng für seinen massigen Hals zu sein. Troy konnte gerade noch an sich halten, ihm vorzuschlagen, doch den Knoten zu öffnen, damit die unnatürlich rote Färbung seines Kopfes verschwände.
    „Letzte Woche erst hast du dich über die eherne Ordnung lustig gemacht und am Prinzip der Arbeitsverteilung herum gekrittelt...“
    „Es ist doch keine Verteilung der Arbeit, wenn immer die gleichen Leute arbeiten!“
    „Ruhe!“
    Direktor Havershams hervorquellende Augen und sein nach Luft schnappender großer Mund erinnerten Troy frappierend an einen der Bullenfische, die sie, zur Bereicherung des Speisezettels, öfters aus dem Meer holten.
    „Ab sofort hast du Probation ! Und zwar für die nächsten vier Wochen! Du machst noch einen einzigen Mucks und du findest dich im Camp wieder, hast du verstanden?“ Er ließ seine Faust auf den Tisch donnern, für den Fall, dass Troy Aufmerksamkeitsdefizite hätte.
    „Ja, Direktor Haversham“. Troy bemühte sich um einen zerknirschten Ton, der weder Direktor Haversham noch Mrs. Eversby beindruckte.
    Letztere führte sie, mit einem überaus befriedigten Gesichtsausdruck, zurück in den Klassensaal.
    Sie öffnete eine verschlossene Schublade ihres Pultes und holte einen dünnen, gürtelartigen Riemen heraus, der eine schrei-orangene Farbe hatte. Mit offensichtlich erfreutem Gesichtsausdruck trat sie zu Troy und befestigte das Band an ihrem Kopf.
    An der Stirnseite befand sich eine stilisierte Zielscheibe, das Zeichen für die Tatsache, dass ein winziger Treffer reichte, um den Träger in das Camp zu befördern.
    Die Reaktion der Klasse reichte von betretenem Schweigen, wie bei ihrer Freundin Reeve, bis hin zu offenem Feixen und verhaltenem Gekicher.
    Troy bemühte sich um Haltung und verzog keine Miene, als sie sich auf ihren Platz neben Reeve setzte.
    Ihr standen harte Wochen bevor. Direktor Haversham hatte nicht übertrieben, als er sagte, dass ein Mucks genügte, um sie ins Camp zu befördern. Dafür reichte schon eine handgreifliche Reaktion auf die zu erwartenden Provokationen, die einem Träger des orangenen Bandes erfahrungsgemäß blühten, aus.
    Troy erschauerte, als sie an das Camp dachte. Es befand sich in einem abgelegen Teil der Insel, mehrere Tagesmärsche entfernt. Unruhestifter, Aufsässige und asoziale Elemente befanden sich dort. Manche waren nur einige Monate im Camp, andere verbrachten Jahre dort. Die, die wieder zurück kamen, waren verändert. Man erkannte  sie daran, dass sie den Blick meist auf den Boden richteten und nur

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