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Das Buch der Vampire 01 - Bleicher Morgen

Titel: Das Buch der Vampire 01 - Bleicher Morgen
Autoren: Colleen Gleason
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Prolog
    Unsere Geschichte nimmt ihren Anfang
    S eine Schritte waren geräuschlos, und dennoch merkte Victoria, dass er sich bewegte.
    Sie krallte die Hände in die Rinde der Eiche und presste den Körper gegen den Baum, als könnte er sie beschützen. Doch alles, was sie spürte, war seine raue Unnachgiebigkeit. Sie durfte nicht hierbleiben.
    Geduckt und die Finger um einen massiven Stock geklammert, löste sie sich aus dem Schutz des Baumes und tauchte ein in das flüssige Silber des Mondes. Unter ihren Stiefeln knackte ein Zweig, und sie flüchtete, erneut auf völlig lautlosen Sohlen, in den erstbesten Schatten.
    Sie hörte ihn atmen.
    Hörte das Echo seines Herzschlags.
    Es war ein lautes, gleichmäßiges, kraftvolles Hämmern, das durch ihren Körper pulsierte, als stamme es von ihrem eigenen Organ.
    Victoria lief weiter; ihr Rocksaum flatterte um ihre Knöchel, während sie auf der Flucht vor ihrem Verfolger davonhastete. Sie brach durch das Unterholz, hechtete von Baum zu Baum und sprang über abgebrochene Äste, als wäre sie eine Stute, der man die Zügel hatte schießen lassen.

    Die beharrlichen Schritte kamen näher, wurden schneller und schneller, während sie rannte.
    Ein Zweig schlug ihr ins Gesicht. Dornen krallten sich in ihre Röcke.
    Die Hand um den Stock geklammert, hastete sie durch das weiße Mondlicht, aber er folgte ihr noch immer, sein Herzschlag so gleichmäßig wie das Stapfen seiner Füße.
    Bevor sie sich dessen noch bewusst wurde, stolperte Victoria einen kleinen Abhang hinunter und landete platschend in einem Bach. Sie stützte sich auf ihren Stock, um nicht hinzufallen, während sie durch das hüfthohe Wasser watete. Doch ihre immer schwerer werdenden Röcke zogen sie nach unten und behinderten sie schließlich so sehr, dass sie kaum noch einen Schritt tun konnte.
    Als sie sich die sanfte Anhöhe auf der anderen Seite des Bachs hinaufkämpfte, ertönte hinter ihr ein zorniger Aufschrei.
    Victoria drehte sich um, und da sah sie ihn am gegenüberliegenden Ufer. Sie konnte sein Gesicht nicht ausmachen... aber seine Augen blitzten in der Dunkelheit, und die gesamte Körperhaltung verriet seine Wut und Enttäuschung. Doch er folgte ihr nicht.
    Überquerte nicht das fließende Gewässer.

    Victoria schreckte mit wild klopfendem Herzen aus dem Schlaf.
    Sonnenlicht fiel durch das Fenster, kein Mondschein.
    Ein Traum. Es war nur ein Traum gewesen.
    Sie strich sich über das schweißnasse Gesicht und schob die Strähnen beiseite, die sich aus ihrem dicken Zopf gelöst hatten.

    Der fünfte Traum. Es war so weit.
    Ihr Bett thronte ein gutes Stück über dem Boden, sodass ihre Füße mit einem dumpfen Geräusch auf dem Aubusson-Teppich landeten, als sie auf der Suche nach der Bettpfanne unter ihrer Decke hervorkrabbelte. Ohne irgendwelche Gedanken an schickliches Betragen zu verschwenden, zog Victoria ihr schweißdurchtränktes Nachthemd aus und fühlte die lindernde Wirkung der kühlen Luft auf ihrer feuchten Haut.
    Fünf Träume in weniger als vierzehn Tagen. Das war das Zeichen; heute würde sie zu Tante Eustacia gehen.
    Die letzten Schwaden des Traums lösten sich auf, und an ihre Stelle trat unterschwellige Erwartung, ein leises Prickeln der Furcht. Victoria betrachtete sich in dem großen, dunklen Spiegel. Sie war gewarnt worden.
    Und heute würde sie erfahren, was diese Warnung bedeutete.

Kapitel 1
    Miss Victoria Grantworth gibt ihre zwei Debüts
    V ampire.
    Die Gardellas waren Vampirjäger.
    Victoria würde Vampire jagen.
    »Victoria, Liebes...« In Lady Melisandes freundlicher Stimme schwang ein leiser Hauch von Tadel mit. »Du darfst gerne einschenken.«
    Victoria blinzelte, dann wurde ihr bewusst, dass ihre Mutter mit auf dem Schoß verschränkten Händen dasaß, während ihre beiden Gäste vor leeren Teetassen warteten. »Natürlich, Mutter. Ich muss mich für meine Tagträumerei entschuldigen«, sagte sie hastig, während sie die elfenbeinerne, mit romanischen Kathedralen bemalte Teekanne hochhob. Es war das Lieblingsstück ihrer Mutter - mitgebracht aus Italien von deren eigener Mutter, als diese Herbert, den Lord von Prewitt Shore, geheiratet hatte.
    Glücklicherweise handelte es sich bei ihren Gästen um Lady Mellys älteste und beste Freundinnen, die Victoria ihren Mangel an Aufmerksamkeit nicht übel nehmen würden.
    Noch vor drei Wochen waren Victorias Gedanken hauptsächlich darum gekreist, welches Kleid sie zu dieser oder jener Abendveranstaltung tragen sollte. Oder ob - Gott

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