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Das Buch der Schatten - Böse Mächte: Band 6 (German Edition)

Das Buch der Schatten - Böse Mächte: Band 6 (German Edition)

Titel: Das Buch der Schatten - Böse Mächte: Band 6 (German Edition)
Autoren: Cate Tiernan
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auswarf. Er wollte wohl nachschauen, ob in der Nähe jemand war. Und dann traf es mich wie ein Schlag: Er war nicht davon überzeugt, dass das Versagen der Bremsen ein Unfall gewesen war.
    Ohne lange zu überlegen, warf ich ebenfalls meine Sinne aus wie ein Netz, bis sie den Wald durchdrangen, die Nachtluft, das welke Gras unter dem Schnee.
    Doch ich spürte nichts Ungewöhnliches. Hunter anscheinend auch nicht, denn seine Schultern entspannten sich, und er verlangsamte seine Schritte. Er blieb stehen, legte mir die Hände auf die Schultern und sah mich an.
    » Geht es dir auch wirklich gut?«, fragte er leise.
    » Ja.« Ich nickte. » Es hat mir nur Angst eingejagt, das ist alles.« Ich schluckte, ehe ich weiterredete. » Glaubst du, der Abschnitt der Straße ist mit einem magischen Spruch belegt? Ist doch auffällig, dass es so nah an der Stelle passiert ist, wo ich mit dem Auto ins Schlittern geraten bin. Und Selene…«
    » Ist nicht in der Nähe. Wir überprüfen das jeden Tag. Sie ist fort«, sagte Hunter. Selene Belltower war Cals Mutter. Sie hatte ihn beauftragt, sich an mich ranzumachen, weil sie mich mit meinem Woodbane-Erbe, meinen magischen Kräften und den Woodbane-Werkzeugen meiner Mutter unter ihre Kontrolle bringen wollte. Da ihr das nicht gelang, wollte sie mich umbringen und aus dem Weg schaffen. Obwohl sie vor Wochen aus Widow’s Vale geflohen war, fing mein Puls immer noch an zu rasen, sobald ich an sie dachte.
    » Als du in den Graben gerutscht bist, hattest du doch das Gefühl, Scheinwerfer hinter dir zu haben, nicht wahr?«, fuhr Hunter fort. » Und du hast Magie gespürt, oder?« Er schüttelte den Kopf. » Das hier war rein mechanisch… die Bremsen haben einfach nicht reagiert. Ich rufe von dir zu Hause einen Abschleppdienst an, wenn das okay ist.«
    » Klar«, sagte ich und atmete ein paar Mal tief durch, um die Muskeln zu lösen, die immer noch verknotet waren vor Angst. » Und danach bringe ich dich nach Hause.«
    » Danke.« Er zögerte, und ich überlegte, ob er mich jetzt küssen würde. Doch er richtete sich wieder auf, nahm die Hände fort und wir gingen weiter.
    Die Kälte beschleunigte unsere Schritte, und an irgendeinem Punkt nahm Hunter meine Hand und schob sie mit seiner in seine Tasche. Seine Haut zu spüren war einfach toll, und ich wünschte mir, ich könnte unter dem Mantel die Arme um ihn schlingen. Doch ich war immer noch befangen in seiner Gegenwart– ausgeschlossen, dass ich so wagemutig war.
    Als hätte er meine Gedanken gelesen, wandte Hunter sich mir im Gehen halb zu und sah mich an. Ich wurde rot, senkte den Kopf und ging noch schneller. Ich war erleichtert, als wir in meine Straße bogen.
    Meine Eltern und meine vierzehnjährige Schwester Mary K. sahen sich im Wohnzimmer einen Film an, als wir nach Hause kamen. Hunter erklärte ihnen vage, er habe » ein paar Probleme mit dem Auto« gehabt, und sie waren bestürzt und redeten durcheinander, während er den Abschleppdienst anrief. Als er auflegte, schaute ich auf die Uhr– es war kurz nach elf.
    » Mom, ist es okay, wenn ich Hunter zu seinem Wagen fahre und ihn dann nach Hause bringe?«, fragte ich.
    Meine Mutter und mein Vater kommunizierten wie gewohnt auf Elternart, das heißt stumm, miteinander und meine Mutter nickte. » Ja, sicher. Aber fahr bitte besonders vorsichtig. Ich weiß nicht, was das ist mit dir und Autos, Morgan, aber so langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen, wenn du unterwegs bist.«
    Ich nickte. Mich überkamen leichte Schuldgefühle, denn meine Eltern wussten nicht mal die Hälfte. Vor drei Wochen hatten Bree und Robbie mir das Leben gerettet. Leider hatte Robbie dazu mit meinem Auto durch die Außenwand von Cals brennendem Poolhaus brettern müssen, in dem Cal mich eingesperrt hatte. Meine Eltern (die dachten, ich wäre gegen einen Laternenpfosten gefahren) hatten mir das Geld für die Reparatur der Stoßstange und der Motorhaube vorgestreckt.
    » Okay«, meinte ich, und Hunter und ich zogen wieder unsere Mäntel an und gingen raus zu Das Boot, meinem riesigen, U-Boot-ähnlichen Plymouth Valiant, Baujahr ’71. Als mein Blick über die neu glänzende vordere Stoßstange streifte, die schieferblaue Motorhaube und die grau gefleckten Flanken, zuckte ich automatisch zusammen. Ich musste Das Boot wirklich bald lackieren lassen, dieser Regenbogenlook brachte mich noch um.
    Innen drin im Auto war es eiskalt und die altmodischen Vinylsitze wärmten nicht besonders gut. Schweigend fuhr ich uns

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