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Das Blut des Teufels

Titel: Das Blut des Teufels
Autoren: James Rollins
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Gleichgewicht halten.
Seine ganze Hoffnung lag darin, den Altar auf dem nächsten Gipfel zu erreichen. Die Inka verehrten diesen Berg wie so viele andere Höhen in der Region und beteten ihn an. Doch zunächst musste Francisco den Abgrund überwinden, anschließend den wolkenverhangenen Wald durchqueren und dann den Steilhang hinaufsteigen.
Bliebe ihm dazu genügend Zeit?
Erneut wandte sich Francisco um und horchte, ob seine Verfolger zu hören waren. Er vernahm jedoch lediglich das Rauschen und Dröhnen des Flusses unten. Er hatte keine Ahnung, wie weit seine Jäger noch hinter ihm waren. Jedenfalls wagte er nicht, zu zaudern oder angesichts des Abgrunds den Mut sinken zu lassen.
Er strich sich mit einer schweißnassen Hand über die Stoppeln auf seinem geschorenen Kopf und packte eines der beiden Halteseile der Brücke. Einen Moment lang schloss er fest die Augen und ergriff dann das andere Tau. Mit dem Vaterunser auf den Lippen betrat er die Brücke und machte sich auf den Weg über den Abgrund. Um nicht nach unten zu sehen, heftete er den Blick fest auf die andere Seite.
Nach geradezu endloser Zeit berührte sein linker Fuß Stein. Er trat von der Brücke herab auf festen Felsboden und sackte erleichtert zusammen. Fast hätte er sich auf die Knie fallen lassen, um die Erde zu küssen und zu segnen, aber da ertönte hinter ihm ein schriller Schrei, und ein Speer bohrte sich tief in den Lehm neben seiner Ferse. Der Aufprall war so hart, dass der Schaft summte.
Francisco erstarrte wie ein aufgeschrecktes Kaninchen.
Ein weiterer Ruf ertönte. Er schaute sich um und entdeckte einen einzelnen Jäger auf der anderen Seite. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke über dem Abgrund.
Räuber und Opfer.
Der Mann grinste ihn unter seiner Haube aus azurblauen und roten Federn an. Er trug dicke Goldketten. Zumindest betete Francisco darum, dass es Gold war. Ihn schauderte.
Ohne zu zögern holte er einen Silberdolch aus seiner Kutte. Die Waffe, die er dem Schamanen gestohlen hatte, hatte ihm zur Flucht verholfen. Jetzt musste sie ihm erneut dienen. Er packte eines der Halteseile. Nie im Leben bliebe ihm genügend Zeit, das Hauptseil der Brücke durchzusägen, aber wenn es ihm gelänge, die dünnen Halteleinen zu zerschneiden, dürfte seinen Verfolgern die Überquerung schwer fallen. Es würde sie vielleicht nicht aufhalten, aber er hätte sich zumindest etwas Luft verschafft.
Seine Schultern protestierten, während er an dem Zopf aus getrocknetem Gras sägte. Die Seile waren hart wie Eisen. Der Mann drüben rief ihm ruhig und gelassen etwas in seiner Muttersprache zu. Der Mönch verstand kein Wort, aber die Drohung, ihm Schmerzen zuzufügen, war deutlich herauszuhören.
Die erneut auflodernde Furcht verstärkte Franciscos Kräfte. Er bohrte und schnitt an dem Seil herum, während ihm heiße Tränen über das schmutzige Gesicht liefen. Plötzlich löste sich das Tau so ruckartig unter seiner Klinge, dass ein Ende seine Wange streifte. Instinktiv hob er eine Hand und berührte die Verletzung. Als er die Finger zurückzog, waren sie blutig, aber er spürte keinen Schmerz.
Er schluckte heftig und wandte sich dem zweiten Seil zu. Da traf ein weiterer Speer den Rand der Klippe, fiel aber hinab in den Abgrund. Ein dritter folgte. Diesmal etwas näher.
Francisco schaute auf. Vier Jäger säumten inzwischen die andere Seite. Der zuletzt eingetroffene hielt einen vierten Speer in der Hand, während der erste Jäger eilig einen Bogen spannte. Francisco blieb keine Zeit mehr. Er betrachtete das unangetastete Seil. Hier zu bleiben würde den Tod bedeuten. Er musste darauf hoffen, dass das eine Halteseil weniger die Jäger zumindest eine gewisse Zeit aufhielt.
Er wandte sich um und jagte in den Regenwald auf der anderen Seite des Abgrunds. Der Pfad stieg steil an, was eine äußerste Strapaze für Beine und Lungen bedeutete. Die Bäume hier waren weniger dick, der Blätterbaldachin nicht so dicht. Mit jeder schwer erkämpften Meile wurde der Baumbestand spärlicher. Während er einerseits froh darum war, dass der Regenwald ausdünnte, war ihm andererseits bewusst, dass ihn das fehlende Laubwerk zu einem leichteren Ziel machte. Bei jedem Schritt erwartete er, einen Pfeil im Rücken zu spüren.
So nah am Ziel … O Herr, verlasse mich jetzt nicht!
Bewusst hielt er den Blick auf den Boden gerichtet. Jeder einzelne Schritt war ein Kampf. Plötzlich umgab ihn blendende Helligkeit, als hätte der Herr die Bäume eigenhändig beiseite geschoben,
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