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Das Auge der Dunkelheit (German Edition)

Das Auge der Dunkelheit (German Edition)

Titel: Das Auge der Dunkelheit (German Edition)
Autoren: Daniel Dekkard
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laut, schmerzhaft, und er vernahm die Worte eines Mannes.
„Hier ist Doktor Pathom. Evan? Bist du es?“
Überraschung versiegelte Leonards Lippen, hinderte ihn an einer Reaktion. Verzerrt durch Rauschen und Knistern leierte die Stimme des Mannes wie eine Grammophonplatte.
„Herrgott, Evan, bin ich froh, dass ihr wohlauf seid. Und ich hoffe, ihr habt meinen Rat befolgt und euren Sohn da rausgehalten. Er darf es nicht erfahren. Um seiner Seele willen. Hör zu, es ist ... passiert, und ...“
In einem Stakkato von knackenden Lauten ging der Rest des Satzes unter.
„Verdammter Mist“, fluchte Leonard. „Hallo? Mister Pathom? Hier ist Leonard. Leonard Finney. Was ist mit meinen Eltern?“
Rauschen, dann tödliche Stille. Nach einem erneuten Knacken wieder die Stimme, wie durch ein Kissen gepresst.
„Ich verstehe nicht. Die Leitung ist grauenvoll. Wir müssen uns treffen, Evan. Morgen Abend, in der Thomson Road, vor dem ... Krack ... Der andere Treffpunkt ist nicht mehr sicher.“
Das Knacken nahm bedrohliche Ausmaße an.
„Und passt auf euch auf.“
Die Leitung brach zusammen. Kurz erklang das Freizeichen, dann verstummte auch dieser Ton. Ein Sturm an Fragen fegte über Leonard hinweg. Eine blieb hängen, drängte sich unheilvoll in den Vordergrund. Martha und Evan schipperten als Pensionäre über die Weltmeere.
Warum brauchten sie einen sicheren Treffpunkt?

Kapitel 2
    August 2013, London, England
    Mein Name ist Ruben Fosqati. Ich füge das Folgende ein, weil es ein wenig Licht in das Dunkel wirft, das Leonard Finneys Schicksal umhüllt. Vor kurzem fiel etwas unter eigentümlichen Umständen in meine Hände. Und es bestimmte mich zu dem einzigen Menschen, der imstande ist, die Geschichte dieses Mannes zu erzählen. Es war der Tag, an dem ich das Grab meines Vaters auf dem St. Margarets-Friedhof besucht hatte. Ich parkte meinen Wagen vorm Haus und kaum ausgestiegen sah ich, was vor der Haustür auf mich wartete. Bis dahin neigte ich nie dazu, leblosen Gegenständen Eigenschaften zuzuordnen. Aber das Paket, auf eine penible Art faltenlos von Klebeband umwickelt, lauerte dort, heimtückisch.
Der Postbote musste es abgelegt haben und die angegebene Adresse war unzweifelhaft meine:
Ruben Fosqati
34 Roxburgh High Rd.
West Norwood
London SW 27
Für Verwirrung sorgte die Herkunft des Paketes. Es kam aus Deutschland, genauer gesagt, Hamburg. Eine Stadt, zu der ich keinerlei Verbindung unterhielt, weder privat noch beruflich. Und auch den Namen des Absenders, Reinhold Korbmacher, las ich zum ersten Mal. Kaum hielt ich das Paket in den Händen, warnte mich eine innere Stimme davor, es zu öffnen. Ich sollte erwähnen, dass ich bis zu diesem Tag noch nie eine innere Stimme vernommen hatte. Und nun überschlug sie sich. Minutenlang fühlte ich mich außerstande, einen Entschluss zu fassen. Meine Vernunft und die aus dunkler Quelle aufsteigende Intuition rangen miteinander. Schließlich trug die Neugier den Sieg davon, das Kind, das auf der Straße eine Brieftasche fand. Es war einfach unmöglich, nicht hineinzusehen.
    Der Absender hatte beim Verpacken eine ganze Rolle Klebeband verbraucht. Um diese kompakte Masse zu entfernen, benötigte ich ein Teppichmesser. Meine Neugierde lief ins Leere. In dem Paket steckte: ein weiteres Paket, ebenso akkurat verklebt wie die äußere Hülle. Und auch dieses enthielt wiederum eines, wie bei den berühmten, russischen Matrjoschka-Puppen. Anders als die beiden ersten wurde das letzte Paket von wirr verwickeltem Klebeband geradezu erstickt. Plötzlich befiel mich ein beunruhigender Gedanke. Diese umständliche Verpackung diente nicht der Transportsicherheit. Korbmacher wollte den Inhalt vor der Welt verbergen. Vielleicht fieberte in ihm sogar die irre Idee, das Verborgene selbst bannen zu müssen. Als strebte dieses danach, an das Licht zu gelangen, einem eigenen, bösartigen Willen folgend. Diese absurde Vorstellung setzte sich in mir fest. Denn an dem letzten Paket heftete ein Brief. Von den ersten Zeilen sprang mir das Wort Warnung ins Auge. Es drängte mich, zunächst die ganze Nachricht zu lesen. Im Laufe der Lektüre zweifelte ich erst am Verstand des Verfassers und schließlich an meinem eigenen.
    Hamburg, den 22. Juli 2013
    „Geehrter Professor Fosqati,
ich möchte mich zuerst in aller Form für mein ungewöhnliches Vorgehen entschuldigen. Die Art und Weise, wie „es“ in meinen Besitz gekommen ist, zwingen mich, eine Warnung vorauszuschicken. Wenn Sie zu der

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