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Das 5-Minuten-Grauen

Das 5-Minuten-Grauen

Titel: Das 5-Minuten-Grauen
Autoren: Jason Dark
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Schwarz ist seit einigen Jahren die Modefarbe. Schwarz gilt auch als die Farbe der Trauer, und Schwarz ist die Farbe, die Elena Parker abgrundtief haßte.
    Als Sechzehnjährige hatte ihr jemand prophezeit, daß ihr die Farbe Schwarz den Tod bringen würde. Zunächst hatte sie die alte Wahrsagerin ausgelacht, so etwas paßte nicht zum Feuer der Jugend. Einige Jahre später dachte sie anders darüber. Besonders wenn die junge Frau die schwarzen Türen sah.
    Vier waren es an der Zahl!
    Zwischen ihnen schimmerte weiß und bleich das glatte Mauerwerk. Auch dieser Anblick ließ Elenas Körper mit einem Schauer überrieseln. Bleich wie alte Knochen und schwarz wie der Tod.
    Konnte es größere Gegensätze geben?
    Elena stand in der Mitte und wartete. Sie wußte selbst nicht, worauf, aber sie spürte sehr deutlich die Bedrückung, die sich als unsichtbarer Alb an ihrem Körper festgeklammert hatte. Deshalb atmete sie schnell und heftig, als hätte sie Furcht davor, im nächsten Moment keine Luft mehr zu bekommen.
    Ihre Augen brannten. Der Herzschlag raste und pumpte das Blut durch ihre Adern.
    Sie sah nichts, bis auf die vier schwarzen Türen und die weißen Wände. Es gab keine sichtbare Bedrohung, trotzdem konnte sie ihre Angst nicht stoppen.
    Elena war auch klar, daß es ihr nicht gelingen würde, von hier zu fliehen. Egal, welche Tür sie auch nahm, jede von ihnen führte ins Verderben. So kraß der Gegensatz zwischen den Türen und den Wänden auch war, es existierte ein noch krasserer.
    Das war der Boden, auf dem sie stand.
    Er war hell und gleichzeitig durchsichtig. In der Tat bestand er aus Glas, und er hielt ihr Gewicht aus!
    Seltsamerweise bereitete ihr das Glas nicht weniger Bedrücken als die Türen oder die hellen, weißen Wandabschnitte. Hier paßte einfach nichts zusammen.
    Eigentlich hätte sie es wissen müssen, aber im nachhinein ist man immer schlauer.
    Die Vierundzwanzigjährige wußte nicht einmal genau, wie lange sie auf der Stelle gestanden hatte. Zeit spielte für sie keine Rolle mehr. Sie gab sich zäh, da konnten aus Sekunden Minuten werden, nur war ihr klar, daß sie ein großes Geheimnis entdeckt hatte.
    Wenn sie jetzt noch wegkäme, dann…
    Ihre Gedanken wurden unterbrochen, denn unter ihren Füßen tat sich etwas.
    Ein kurzer Stoß, ein Rütteln, dann war Schluß. Vielleicht die erste Warnung?
    Obwohl sie nur einen dünnen rot-weiß gestreiften Pullover trug, schwitzte sie stark unter den Achseln. Die Frisur hielt auch nicht mehr; die dunklen Haarsträhnen hingen wirr von ihrem Kopf. Die Stille regte sie plötzlich auf. Auch unter ihren Füßen tat sich nichts mehr.
    Elena schluckte. Mit den gespreizten Fingern der rechten Hand fuhr sie durch ihre Haare; die Strähnen schimmerten zwischen den breiten Lücken. Die Angst wollte nicht weichen, sie drückte, sie war wie eine Klammer, die alles zusammenpreßte.
    Die Frau schloß die Augen. Sie stellte sich vor, weit weg zu sein, auf einer einsamen Berghütte, nur umgeben von der Ruhe der gewaltigen Landschaft.
    Ein Trugschluß, denn das erneute Stoßen riß sie abrupt zurück in die Realität.
    Wieder war es ein Schütteln, das sich durch ihren Körper fortpflanzte und erst unter dem Haaransatz auslief. Es breitete sich wellenförmig aus, und für Elena Parker hatte es keinen Sinn mehr, die Augen geschlossen zu halten. Sie mußte hinsehen.
    Es wirkte zeitlupenhaft, wie sie die Augen öffnete. Dann konnte sie vor sich schauen — und hatte den Eindruck, einen Alptraum zu erleben. Der gläserne Boden, auf dem sie fest mit beiden Beinen stand, bewegte sich.
    Und er war heller geworden. Aus einer Tiefe ohne Ende strahlte etwas hervor, das Ähnlichkeit mit einem hellen Licht besaß. Nicht punktuell auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, dafür fächerförmig, so daß es alles umfassen konnte, was umfaßt werden sollte und auch Elena die Chance gab, das Gebiet unter ihren Füßen genauer erkennen zu können. Der Blick in die gläserne Tiefe war für sie ein anderer geworden. Mehr eingeengt, denn der Bpden hatte sich auf eine besondere Art und Weise verändert.
    Er war an einer bestimmten Stelle schmaler geworden und hatte sich zusammengezogen, dadurch sah er aus wie ein großes Glas, auf dem sie nach wie vor stand.
    Wo normalerweise bei einem Glas der Griff begann, zeigte das Glas eine Verengung, um sich dahinter wieder zu wölben, um ein zweites Glas darzustellen, diesmal allerdings mit der Öffnung nach unten. Das war eine Form, sogar eine bestimmte, wie

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