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Damon Knights Collection 7

Damon Knights Collection 7

Titel: Damon Knights Collection 7
Autoren: Damon Knight
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Jean Cox
Ruhm
     
    Lichter, einige verstreut auf der dunklen Erde, andere gleich Fackeln auf hohen Masten, wieder andere gebündelt in Scheinwerfern, die einen schlanken zylindrischen Gegenstand anstrahlen, der metallisch vor dem nächtlichen Himmel glänzt. Rufe. Das dumpfe Dröhnen von Übertragungswagen, hier und da Ausrüstungsgegenstände, Mikrophonkrane, verschlungene Kabel und Leitungen. Der Widerhall schneller Schritte. In erleuchteten Fenstern und Türen die Silhouetten von Menschen. Doch inmitten des ganzen Durcheinanders eine konzertierte Bewegung: eine Gruppe von Menschen, die das offene Gelände durchquert und um einen Mann geschart ist. Er schreitet langsam, gestikuliert. Die vor ihm sind, gehen rückwärts und blenden ihn mit Blitzlichtern, die neben ihm haben Notizblocks gezückt und schreiben eifrig mit.
    Sie alle bleiben vor einem langen, niedrigen Gebäude stehen. Er schaut hinauf zu dem metallisch glänzenden Gegenstand, und sein Blick, den er länger hält als die anderen, die der Richtung seiner Augen lediglich gefolgt sind, drückt Zuversicht und Vertrautheit aus; sein Adamsapfel bewegt sich, als schlucke er einen Kloß von Rührung hinab. Mit einer entschlossenen Bewegung öffnet er die Tür und betritt das Gebäude. Auch hier herrscht ein summendes Durcheinander: Telefone, Fernschreiber, Schreibmaschinen, ein gleichmäßiges Geklapper und Geratter. Unvermittelt schwellen die Geräusche an, als er eintritt, und es kommt einem Aufschrei gleich: »Hier ist er, Leute!« Tatsächlich hätten sensitive Ohren genau diese Worte in Dutzende von Mikrophonen gesprochen hören können und vielleicht auch noch den Namen verstanden: »Cargill«, in vielfacher Wiederholung. »Major Ralph Cargill« und dazwischen Satzfetzen wie »… waghalsigste Fahrt, die jemals unternommen wurde … zu einem anderen Planeten und zurück«, was sich dann am Ende zu ganzen Sätzen zusammenfügen mochte wie: »… hundert Jahre … die auf der Erde schwerfällig vergehen … rauschen an ihm in der Zeitspanne von nur zehn Jahren vorüber. Unsere Enkel … ihre Kinder … werden Zeuge seiner triumphalen Rückkehr sein.« Niemand aber hätte die Worte verstanden, die ein Mann in dunklem Geschäftsanzug dem Major ins Ohr flüstert. Cargill nickt und läßt den Blick forschend in die Runde streifen. Er entdeckt in der hintersten Ecke ein bekanntes Gesicht und winkt. Der Besitzer des Gesichts schiebt sich heran, und er und Cargill und der Mann in dem Geschäftsanzug verlassen den Raum durch eine Seitentür, gefolgt von Hunderten von neugierigen Blicken, nicht aber von den Besitzern dieser Augen.
    In diesem anschließenden Raum ist es stiller, und nur ein Mann befindet sich darin. Der Mann, der Cargill den Hinweis gab, erklärt: »Das ist Eastmann, der Maskenbildner. Ich brauche Sie nicht zu erinnern, daß …«
    »Ich werde fertig sein. Mr. Eastmann wird zweifellos schon dafür sorgen.« Der Mann schaut auf die Uhr und eilt hinaus. »So, Shel«, sagt Cargill, »stell dich dorthin, wo ich dich sehen kann …«
    Der Mann, den er mitgebracht hat, tut wie ihm geheißen. Er ist schmächtig, Brillenträger und hat sandfarbenes, zerzaustes Haar. Er sieht nicht besonders gut aus, wirkt aber sympathisch. Besonders aufmerksam kann er nicht sein, bei so verhangenen Augen, und auch nicht sehr lebhaft. Gut angezogen ist er ebensowenig, aber offensichtlich altmodisch genug, um noch einen Hut zu tragen, den er jetzt in den Händen dreht. Der Name im Hutband ist deutlich zu lesen: Limbert.
    Cargill setzt sich in einen Sessel neben einem Tisch voll Tiegeln und Tuben und läßt den Maskenbildner einige Minuten lang ununterbrochen sein Gesicht betupfen, ehe er das Wort ergreift.
    »Hat Harper deinen Roman schon zurückgeschickt?«
    Eine leichte Röte (die nachzumachen dem Maskenbildner schwergefallen wäre) färbt die Wangen von Limbert. »Nein. Noch nicht.«
    »Na ja, vielleicht tun sie es auch nicht«, entgegnet Cargill obenhin, um seine Taktlosigkeit zu überspielen, »vielleicht entscheiden sie sich zur Annahme.« Und dann mit einem Lachen, das ernsthaft klingt, so als sei der Moment der Wahrheit gekommen: »Vielleicht wollen sie einfach gegen den Strom schwimmen.«
    Limbert lächelt, und Cargill beobachtet ihn weiter mit belustigter Freundlichkeit, ehe er weiterspricht: »Wir kennen uns schon seit geraumer Zeit, nicht wahr?«
    »Seit unserem fünften Lebensjahr.«
    »Genau.« Als wäre es eine gewichtige Prüfungsfrage, bei der Limbert recht

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