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Coruum Vol. 3

Coruum Vol. 3

Titel: Coruum Vol. 3
Autoren: Michael R. Baier
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konzentrieren – die Wucht an neuen Eindrücken um sie herum drohte sie fast zu überwältigen. In den letzten drei Tagen hatte sie ihren Aktionsradius nur sehr langsam und vorsichtig erweitert. Das Schiff, auf dem sie sich befand, musste gigantisch sein. Sie hatte mit Karen ein paar Spaziergänge unternommen und war nie an irgendwelche verschlossenen Tore gekommen. Es war immer weiter gegangen, es hatte immer neue Flure, Hallen oder Räume gegeben. Nur selten waren sie Besatzungsmitgliedern begegnet, während Karen ihr von den Ereignissen erzählte, die Sinistra im Regenerationstank verschlafen hatte.
    Dann – am zweiten Tag – hatte sie von Hud Pasuun ihr persönliches Visier erhalten. Eine Art enganliegende Halskette mit einem Anhänger, der im Nacken getragen wurde und bei Berührung einen elastischen Bügel eines superflexiblen Materials über ihre Augen führte. Mikroskopisch kleine Projektoren im Bügel erzeugten ein lebensechtes Bild auf der Netzhaut, das sie anfangs nicht von wirklichen Seherlebnissen zu unterscheiden vermocht hatte. Mit diesem Kommunikationsvisier hatte Sinistra den Zugang zu allen Informationen über Coruum, den Ereignissen im Sonnensystem, den neuen Funden im Archiv über die Sole-Sourcer erhalten und konnte zu jeder Zeit mit Karen oder Hud Pasuun in Kontakt treten.
    Zusätzlich hatte sie in den Übertragungen der Berichte überrascht zur Kenntnis genommen, dass sie die Sprache der Besucher flüssig verstand und auch selbst sprechen konnte. Hud Pasuun hatte nach ihrer Genesung zuerst Englisch mit ihr gesprochen, um sie nicht unnötig zu verwirren. Du hast einiges gelernt, während du im Regenerationstank gewesen bist, Kleines – auch wenn es dir so vorgekommen sein mag – verschlafen hast du nichts!
    Seitdem hatte sie kaum geruht. Gierig war sie über die bescheidenen, verfügbaren Aufzeichnungen der Sole-Sourcer hergefallen und hatte sich das Material gemeinsam mit Karen immer und immer wieder angesehen. Während Karen sich nach einigen Stunden ausruhen musste, hatte Sinistra zuerst die simulierte Position der Kontinentalplatten vor 120.000 Jahren betrachtet, sämtliche Koordinaten aus den Aufzeichnungen der Sole-Sourcer dorthin übertragen und die Zeit wieder bis zur Gegenwart vorlaufen lassen.
    Die Antwort auf die Frage, warum bislang keine Spuren dieser Zivilisation gefunden worden waren, hatte sich klar offenbart.
    95 Prozent der fliegenden Strukturen der Sole-Sourcer über dem Erdäquator hatten sich zum Zeitpunkt des ersten Potentialkollapses über Wasserflächen befunden. Was von ihnen nach dem Absturz nicht in der Atmosphäre verglüht war, würde seit mehr als 100.000 Jahren in den tiefsten Tiefen von Atlantik, Pazifik und Indischem Ozean ruhen. Natürlich hatte man davon bisher durch Zufall nichts finden können.
    Mit einer Ausnahme.
    Die Position der in den Aufzeichnungen zerstörten Sole-Sourcer-Metropole im nördlichen Afrika befand sich auch heute in einem gut zugänglichen Bereich – sah man von der angespannten politischen Landschaft des Kontinents einmal ab. Karen und Donavon waren mit einem Shuttle der Besucher dorthin unterwegs – die Bilder hatte sie eben gesehen.
    Sinistra warf sich erschöpft auf das große Bett, drehte sich auf den Rücken, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und strich über den Sensor ihres Visiers.
    »O.k., ich bin ausgeruht!«, meldete sie sich zurück. »Seid ihr sicher, dass ihr an der richtigen Stelle sucht?«
    Sie sah Karen die Lippe hochziehen und eine Grimasse schneiden. »Ja, Kleines, ich denke schon. Das hier ist doch Miami Beach – oder?«
    Die Perspektive der Kamera an Bord des Shuttles veränderte sich. Karen war ausgestiegen und Sinistra blickte jetzt auf einen fantastischen Sonnenuntergang hinter den sich endlos zum Horizont fortsetzenden Sanddünen. Ein Mann in einem himmelblauen Overall drehte sich zu ihr um und winkte.
    »Ist sie online?« fragte er Karen. Das Nicken konnte Sinistra nicht sehen, wohl aber die neue Antwort von Donavon hören.
    »Du verpasst etwas, Sinistra, das nächste Mal musst du unbedingt mitkommen«, sagte er und wies mit der rechten Hand in die Landschaft. Dann kniete er nieder und strich mit der Hand über den feinen Sand. »Hier drunter?« Donavons Blick suchte die winzige Kamera, seine Stimme war plötzlich ernst geworden. »Wie tief?«
    Sinistra fokussierte die Stelle, an der er hockte, und wartete einen kurzen Augenblick, bis sich die Zusatzinformationen einblendeten.
    »545 Meter über dem

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