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Coruum Vol. 3

Coruum Vol. 3

Titel: Coruum Vol. 3
Autoren: Michael R. Baier
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1 Erde
Erdorbit, Flaggschiff des Schildverbandes
27. Oktober 2014
30397/1/24 SGC
     
     
Sinistra
     
    Sand, nichts als Sand!
    Eine wenigstens 600 Meter dicke Schicht feinsten rötlichen Sahara-Sands über Kilometern undurchdringlichen Felsens der afrikanischen Festlandplatte. Die Sandschichten waren in den unteren Lagen gut 100.000 Jahre alt. Einen besseren Schutz für die noch 20.000 Jahre älteren Ruinen der einstigen Sole-Sourcer-Stadt – sofern diese Lokation die Richtige war – konnte es nicht geben.
    Sinistra raufte sich die kurzen, schwarzen Haare.
    Coruum auszugraben war ein Kinderspiel dagegen gewesen.
    Der Bildausschnitt ihres Holodisplays erweiterte sich. Daten des Tiefenradars überlagerten das visuelle Bild der eintretenden Dämmerung über der südlichen Sahara Libyens. Messerscharfe Dünenkämme teilten das Licht in weiches Dunkelrot und tiefstes Schwarz. Wo immer sie ihren Blick fixierte, überlagerten weitere Geografie-Informationen das Bild, um sich sofort wieder aufzulösen, wenn sie einen anderen Ausschnitt betrachtete. Feldlinien erschienen – ohne Auffälligkeiten verliefen sie parallel zum Erdmagnetfeld – keine noch so kleinen Störungen, nichts!
    Sie erhob sich aus dem bequemen Sessel und wäre fast über einen Hocker gestolpert, den sie durch die nahezu lebensechte Darstellung der Bilder in ihrem persönlichen Holodisplay übersehen hatte.
    »Ich ruhe mich einen Moment aus«, sprach sie in das integrierte Mikrofon.
    Ohne eine Antwort abzuwarten, tippte sie sich mit einer gereizten Handbewegung an den Nacken auf die Bedieneinheit des Visiers, das sich elegant zusammenfaltete, und beendete die Übertragung.
    Ihre weitläufige Zimmerflucht lag wie immer im Dämmerlicht einiger indirekter Lichtquellen. Für sie genügte das völlig. Erstaunt hatte Karen vor drei Tagen – als Sinistra den Regenerationstank endlich verlassen und das Makrobot-Gel aus ihren Lungen verbannen konnte – ihre veränderten Sinnesleistungen zur Kenntnis genommen. Die Steigerung ihres Sehvermögens war der offensichtliche Teil, nachdem Karen sich das Schienbein im Dunkeln gestoßen hatte und es Sinistra nicht einmal aufgefallen war, dass sie kein Licht beim Betreten ihres Wohnbereichs eingeschaltet hatte.
    Sie hörte besser – feiner, sie fühlte differenzierter, alles schmeckte ungewohnt. Ihre Konzentrationsfähigkeit war wesentlich besser geworden. Karen hatte immer noch Schwierigkeiten, mit den langen Tagen an Bord zurechtzukommen. In Standard Guild Calendar Time (SGC) betrug die Länge eines Erd-Tages lediglich 14 Standard-Stunden, wohingegen ein Standard-Tag auf dem Schiff gut 33 Erd-Stunden dauerte. Karen schlief zweimal während eines solchen Tages, sie selbst benötigte nicht einmal drei Stunden (SGC) Ruhe.
    Die Schmerzen waren verschwunden, aus ihrem Rücken, aus den Beinen, der Lunge. Dafür hatte sie eine neue Art von Schmerz kennengelernt. Bestätigungsschmerz hatte Hud Pasuun es genannt – es vergeht – pflegte sie zu sagen, wenn Sinistra wieder einmal zusammenzuckte. Das ist die erste Lernphase deiner Makrobots, Kleines – Hud Pasuun hatte diese Anrede für sie von Karen übernommen – du musst den Schmerz gedanklich quittieren. Konzentrier’ dich auf die betroffene Stelle in deinem Körper. Es bilden sich neue Nervenverknüpfungen, die deinem Organismus die Koexistenz mit den Makrobots erleichtern.
    Die zweite Lernphase hatte heute begonnen. Aktives Biofeedback vor einem raumhohen spiegelähnlichen Holodisplay. Für drei Stunden (SGC) zu je 60 Minuten à 100 Sekunden, was ziemlich genau fünf Stunden ihrer gewohnten Zeit entsprach – hatte Hud Pasuun sie unbekleidet trainieren und dabei ständig von mehreren kirschgroßen Drohnen überwachen lassen. Sinistra musste versuchen, plötzlich auftretende Bestätigungsschmerzen in ihrem Körper lediglich dadurch abzustellen, dass sie die betreffende Stelle konzentriert im Spiegel betrachtete.
    Die Zeit war ihr endlos erschienen und als es ihr endlich gelungen war, die Schmerzpunkte zielsicher in wenigen Augenblicken zu unterdrücken, war sie nicht sicher gewesen, ob es sich nicht nur um ein Resultat ihrer vollkommenen Erschöpfung gehandelt hatte.
    Du machst Fortschritte, Kleines. Arbeite jetzt ein wenig, ich komme nachher und hole dich zu einem Rundgang durchs Schiff ab, hatte die schlanke Wissenschaftlerin mit einem aufmunternden Lächeln erklärt und sie in ihren Wohnbereich zurückbegleitet.
    Arbeiten! Wie sollte sie sich nur darauf

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