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Corum 04 - Das kalte Reich

Corum 04 - Das kalte Reich

Titel: Corum 04 - Das kalte Reich
Autoren: Michael Moorcock
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Prolog
    In jenen Tagen gab es Lichtermeere und Himmelsstädte und fliegendes Getier aus Bronze. Da waren Herden von brüllenden, karmesinroten Rindern, die an Größe selbst Burgen übertrafen. Und es hausten kreischende grüne Geschöpfe in den Flüssen. Es war eine Zeit, in der die Götter sich auf unserer Welt in vielfältiger Weise offenbarten; in der es Riesen gab, die über das Wasser wandelten; seelenlose Dämonen und mißgestaltete Kreaturen, die der Unbedachtsame herbeirufen mochte und nur mit einem Blutopfer wieder bannen konnte. Es war eine Zeit der magischen Geschehnisse, der Phantasmen; eine Zeit sich rasch wandelnder Natur, unglaublicher Ereignisse, verrückter Paradoxa, erfüllter Träume, fleischgewordener Ängste und Alpträume.
    Eine glanzvolle und eine finstere Zeit war es die Zeit der Schwertherrscher; als die äonenalten Erzfeinde, die Vadhagh und Nhadragh starben. Es war die Zeit, da der Mensch, der Sklave der Furcht, seinen Aufstieg begann, ohne zu ahnen, daß ein Großteil der Schrecken, die ihm widerfuhren, allein aus seiner Geburt erwuchs. Das war nur eine der vielen Ironien um das Menschengeschlecht (das seine Rasse in jenen Tagen Mabden nannte).
    Die Lebensspanne der Mabden war kurz, ihre Nachkommenschaft zahlreich. Innerhalb weniger Jahrhunderte wurden sie zur dominierenden Rasse auf dem westlichen Kontinent, der sie hervorgebracht hatte. Abergläubische Scheu hielt sie schließlich noch ein oder zwei Jahrhunderte davon ab, größere See-Expeditionen zu den Küsten der Vadhagh und den Inseln der Nhadragh zu unternehmen, doch als sich ihnen niemand in den Weg stellte, wurden sie mutiger. Neid auf die älteren Rassen erwachte in ihnen und eine wilde Grausamkeit.
    Die Vadhagh und Nhadragh ahnten nichts davon. Für sie hatte der Planet, auf dem sie seit Jahrmillionen lebten, endlich Frieden gefunden. Natürlich kannten sie die Mabden, aber sie stuften sie nicht viel höher als die anderen Tierarten ein. Abgesehen davon, daß sie den alten traditionsverwurzelten Haß aufeinander noch immer pflegten, verbrachten die Vadhagh und Nhadragh ihre langen Tage mit abstrakten Studien und künstlerischen Beschäftigungen. Sie waren logische Denker, hochentwickelt und kultiviert und in Einklang mit sich selbst, aber sie vermochten den Wandel nicht zu begreifen, den die Zeit mit sich gebracht hatte. Und so geschah es, daß die alten Rassen die warnenden Zeichen ignorierten.
    Es gab keinen Austausch an Wissen und Erfahrung zwischen den uralten Feinden, obgleich ihre letzte Schlacht schon viele Jahrhunderte zurücklag.
    Die Vadhagh lebten in Familiengruppen auf einsamen Bergen über den ganzen Kontinent verstreut, den sie Bro-an-Vadhagh nannten. Es gab kaum Verbindungen zwischen den einzelnen Familien, denn die Vadhagh hatten längst das Interesse an Reisen verloren. Die Nhadragh wohnten in ihren Städten auf der Inselgruppe nordwestlich von Broan-Vadhagh. Auch sie pflegten wenig Kontakt, selbst mit ihren nächsten Verwandten. Beide Rassen wähnten sich unangreifbar. Beide irrten.
    Das rasch wachsende Menschengeschlecht breitete sich wie eine Pestilenz über die Welt aus, und wohin es sich wandte, bedeutete es das Ende der alten Rassen. Aber nicht nur der Tod kam mit den Menschen, sondern auch blinde Gewalt. Mit einer dunklen Lust vernichteten sie das Alte und ließen nur Ruinen und bleichende Gebeine zurück. Doch ohne daß er sich dessen bewußt wurde, beschwor der Mensch psychische und übernatürliche Spannungen von einem Ausmaß herauf, das selbst über das Begreifen der großen alten Götter hinausging.
    Und zum erstenmal empfanden die großen alten Götter Furcht.
    Der Mensch aber, der Sklave der Angst, setzte arrogant in seiner Ignoranz seinen Aufstieg fort. In seiner Blindheit sah er die gewaltigen Zerstörungen nicht, die sein lächerlicher Ehrgeiz verursachte. Er besaß auch keine feineren Sinne, um von der Vielzahl der Dimensionen zu ahnen, aus denen das Multiversum geschaffen war. Anders die Vadhagh und die Nhadragh, die gelernt hatten, sich frei zwischen den Dimensionen zu bewegen, die sie die Fünf Ebenen nannten. Ihnen war es gegeben gewesen, einen tieferen Blick in das Universum zu tun und einen Blick auch in jene anderen Ebenen zu werfen, die zusammen mit den Fünf die Vielfalt des Multiversums bildeten.
    Deshalb schien es eine grausame Ungerechtigkeit, daß diese weisen Rassen durch Kreaturen, die kaum mehr als Tiere waren, ein Ende finden sollten. So als rissen Aasgeier das Fleisch aus

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