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Conan-Saga 54 - Conan der Gnadenlose

Conan-Saga 54 - Conan der Gnadenlose

Titel: Conan-Saga 54 - Conan der Gnadenlose
Autoren: Roland Green
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P ROLOG
     
     
    Die Nacht in der Wildnis des Grenzreichs bedeutete nicht nur die Abwesenheit des Lichts. Die Dunkelheit nahm gleichsam Gestalt an, die nach dem Menschen griff, um ihn aufzusaugen, bis er niemals wieder in die Welt des Lichts zurückkehren konnte.
    In dieser Dunkelheit wachte der Mann, der sich Lord Aybas nannte, langsam und widerstrebend auf. In einem anderen Leben unter einem anderen Namen, war er imstande gewesen, zu trinken und zu huren, bis der Morgen den Himmel rötete und dann mühelos aufzustehen, um sein Tagewerk zu verrichten.
    Jetzt war er älter. Sein Name lautete anders. Auch der Häuptling, dessen Befehl er unterstand, war ein anderer und schroffer als irgendein anderer, dem Aybas damals in Aquilonien gedient hatte. Ferner musste Aybas hier in der Wildnis öfter, als ihm lieb war, auf Lagern aus Zweigen oder Schilfrohr oder sogar nur Laub schlafen, das er auf hartem Felsgrund in den Bergen zusammentrug.
    Doch der wahre Grund für Aybas' langsames Erwachen war ein anderer. Es waren die Geräusche, die der Nachtwind herbeitrug, als galoppiere eine Abteilung Kavallerie in einen gepflasterten Hof. Er wusste, was diesen Lauten unmittelbar folgte. Im Schlaf würde er nichts hören, und die Erinnerungen an das Gehörte, würden seine Träume nicht heimsuchen.
    Die Geräusche wurden lauter. Es war kein Gebrüll, es war kein Knurren oder Zischen, auch kein Knirschen wie ein mahlender Mühlstein. Es glich allen diesen Lauten, hatte aber auch etwas Eigenständiges.
    Vieles dabei stammte nicht von der rechtmäßigen Erde oder ihren Göttern. Hätte Aybas diese unirdischen Laute benennen sollen, hätte er sie als Schlabbern oder Saugen beschrieben.
    Auch hätte er zu den Göttern gebetet, nicht mehr darüber sagen zu müssen. Das vermochte er nicht, ohne zu enthüllen, dass er wusste, was diese Laute bedeuteten. Dieses Wissen war von Göttern und Menschen verflucht, denen es völlig gleichgültig zu sein schien, was in dieser Wildnis geschah.
    Schließlich warf Aybas das Schaffell ab und erhob sich. In dieser Nacht würde er nicht mehr schlafen, es sei denn, die Verursacher der Laute würden schlafen. Vielleicht schickten die Magier sie vor Tagesanbruch zurück in den Schlaf oder brachten sie zumindest zum Verstummen. Doch es war möglich, dass sie sie wach hielten und werken ließen, bis die Sonnenstrahlen auch die abgelegensten Teile der Schlucht erreichten.
    Selbst wenn Aybas trotz der unheimlichen Geräusche hätte schlafen können, wäre sein Schlaf nicht ungestört geblieben. Er hatte zu oft zu viel gesehen, was diese Laute bedeuteten. Aybas' Erinnerungen daran, was er gesehen hatte, seit er dem Stamm der Pougoi begegnet war, würden erst mit ihm sterben.
    Doch er suchte den Tod nicht, selbst wenn dieser seine Gedanken reinigen würde. Um ihm zu entgehen, war er aus seiner Heimat Aquilonien geflohen, hatte den Namen geändert, Schwert, Ehre und alles andere verkauft, wofür er einen Käufer fand, und war jetzt hier im Königreich an der Grenze gelandet.
    In den Geschichten, die man aquilonischen Kindern erzählte, war das Grenzreich ein beinahe so übler Ort wie Stygien, wo alles geschehen konnte, das nicht sauber oder gesetzmäßig war. Aybas hatte schon vor langer Zeit gelernt, dass die Geschichten über Stygien nur allzu viel Wahrheit bargen. Jetzt fand er heraus, dass dies auch aufs Grenzreich zutraf.
    Bohlen knarrten, als Aybas zur Tür seiner Hütte ging. Wie die meisten Hütten im Dorf war auch die seine auf einem so steilen Hang errichtet, dass dicke Baumstämme sie an einer Seite stützen mussten, sonst wäre alles, was auf dem Boden lag, fröhlich auf die tiefer liegende Seite gerollt. Vielleicht würde die ganze Hütte nachts einmal den Berghang hinabstürzen und zerschellen.
    Die Tür mit den Lederangeln quietschte, als er sie öffnete. Aybas trat auf die Hauptstraße des Dorfs. Eigentlich glich diese Straße mehr einer langen Treppe; einige Stufen waren aus dem Fels herausgehauen, andere bestanden aus rohen Planken. Das einzige ebene Land des Stamms lag auf dem Talboden am Fuß des Hangs. Es war sehr fruchtbar und daher zu kostbar, als dass man Hütten oder Scheunen darauf baute.
    Aybas war schon vor geraumer Zeit zu der Einsicht gelangt, dass er sich einen langen Schwanz zulegen sollte, falls er länger bei den Pougoi blieb, um leichter auf die Bäume und Berge zu klettern. Falls er den Dienst bei seinem gegenwärtigen Herrn überlebte, würde er als Affe bei den kushitischen

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