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Conan-Saga 51 - Conan und die Amazone

Conan-Saga 51 - Conan und die Amazone

Titel: Conan-Saga 51 - Conan und die Amazone
Autoren: John Maddox Roberts
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E INS
     
     
    Die Stadt hieß Leng. Sie lag im Bergland im Osten Brythuniens, nahe den Grenzen zu Corinthien und Nemedien, wo sich die beiden Pässe trafen, die Zugang zu den Hochebenen im Osten, Westen und Süden ermöglichten. Einst hatte auf diesen Pässen reger Verkehr geherrscht, und Leng war eine blühende Stadt gewesen. Doch dann hatten sich die Verkehrswege verlagert, und viele Jahre lang war die Stadt verlassen gewesen. Ein Ort, in dem ab und zu eine Karawane Unterschlupf vor dem Wind suchte, der unablässig durch die Berge pfiff, und die Hirten ließen ihre Kühe und Schafe auf Weiden grasen, die früher die prachtvollen Gärten reicher Kaufleute in Leng gewesen waren.
    Doch jetzt belebte sich die Stadt allmählich wieder. Kleinere und größere Gruppen kamen aus allen Richtungen in die Stadt. Etliche Besucher waren beritten, andere gingen zu Fuß – darunter waren nicht wenige Sklaven, die durch Ketten und Halsringe aneinander geschmiedet waren. Die meisten der Neusiedler waren Männer. Frauen waren eher selten.
    Es war bereits später Nachmittag, als ein Wanderer über den letzten Bergkamm schritt und auf die sich dahinschlängelnde staubige Straße nach Leng hinabschaute. Die rote Abendsonne warf lange Schatten und färbte die Westseite der höheren Gebäude karmesinrot. In Leng waren die Mauern niedrig und aus roh behauenen Quadern errichtet. Viele Blöcke waren aber herabgefallen und hatten beträchtliche Breschen hinterlassen. Die schweren Stadttore waren längst verfault, so daß die Stadt jedem offen stand, der eintreten wollte.
    Die meisten noch bestehenden Häuser waren sehr niedrig, nur gelegentlich erhoben sich vier- oder fünfstöckige Wohntürme – einst die Festungen reicher Familien. Aus einigen Häusern stiegen Rauchfahnen zum Himmel hinauf. Conan sah, wie mehrere Reisende trotz der späten Stunde die Stadt ungehindert betraten.
    Der Mann auf dem Bergkamm war ein Hüne, mit muskulösen Gliedmaßen. Achtlos bot er seinen mit Narben übersäten nackten Oberkörper dem schneidenden Wind dar. Er trug hohe, mit Pelz verbrämte Stiefel und einen Lendenschurz aus Wolfsfell. Über den breiten Schultern lag ein Umhang aus zottigem Ziegenfell, als einziges Zugeständnis an das rauhe Wetter. Die Handgelenke und Unterarme waren mit bronzebesetzten Lederbändern geschützt. Dazu trug er den passenden Gürtel, an dem ein Langschwert und ein Dolch mit gerader breiter Klinge hingen.
    Der Wind blies dem Wanderer die blauschwarze Mähne ins Gesicht, das kantig war und wie der Oberkörper Narben zeigte. Es war auch ebenso sonnengebräunt und wettergegerbt. Nur die strahlend blauen Augen bewegten sich, als er auf die Stadt hinabblickte. Dann schritt er entschlossen auf Leng zu.
    Hundert Schritte vor der Stadt traf der Hüne mit der schwarzen Mähne, der aus dem Norden gekommen war, auf eine Gruppe Männer, die von Osten herbeimarschierten. Sie waren gut bewaffnet und wirkten wie Räuber, musterten ihn jedoch friedlich.
    »Sei gegrüßt, Fremder«, rief der Anführer. Der Mann trug Tunika und Hosen aus Steppseide. Beide, Kleidung und Mann hatten offenbar schon bessere Zeiten gesehen, doch wirkte er äußerst selbstsicher. »Ich sehe, daß noch ein abgerissener Abenteurer sich nach den Freuden Lengs sehnt!« Seine Gesichtszüge waren etwas orientalisch. Er hatte einen hängenden Schnurrbart, aber braune Haare und hellgrüne Augen.
    »Mir ist zu Ohren gekommen, daß in Leng ein Mann ohne Sippe oder Nation schlafen kann, ohne Gefahr zu laufen, ins Gefängnis geworfen oder am nächsten Morgen gehängt zu werden«, sagte der Hüne. »Ansonsten sehe ich, daß nicht allzuviel für das Nest spricht.« Er ging neben dem Anführer weiter. »Ist es im Osten jetzt auch so schlimm wie im Norden?«
    »Sieht so aus. Ich bin Kye-Dee, Hyrkanier aus dem Nordosten, Schildkröten-Clan. Unser neuer Kagan hat ein Dekret erlassen, wonach Banditen ausgerottet werden sollen. Das hat meinen Clan getroffen, der sich nie mit niedriger Arbeit befaßt hat. Wir haben jenseits der Berge von Leng gehört. Es soll ein Ort sein, wo ein Mann sich ruhig niederlassen kann, ganz gleich, wie bewegt seine Vergangenheit war. Ich mag Städte nicht, aber der Winter steht vor der Tür, und selbst ein Bandit braucht ein Dach über dem Kopf.«
    »Ich bin Conan aus Cimmerien«, stellte sich der Mann mit der schwarzen Mähne vor. »Ich bin ein Söldner. Zuletzt stand ich im Dienst eines Herrn an der brythunischen Grenze. Er fing eine Rebellion gegen seinen

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