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Codename: Sparta - 5 - Der Jupiter-Diamant

Codename: Sparta - 5 - Der Jupiter-Diamant

Titel: Codename: Sparta - 5 - Der Jupiter-Diamant
Autoren: Paul Preuss
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PROLOG
    Auf der gesamten nördlichen Halbkugel der Erde regnete es.
    Vierzig Minuten bevor die letzte Episode von ›Overmind‹ im gesamten Sonnensystem über die öffentlichen Kanäle gesendet werden sollte, erschien Sir Randolph Mays im Londoner Sendezentrum. Von seinem Burberry troff das Wasser. Er tauchte aus dem Dunkel der Nacht auf und bestand darauf, die Anfangsszene dieser Episode neu aufzuzeichnen.
    Ein von seinem Dinner im zwei Straßen weiter gelegenen Club aufgescheuchter, aufgebrachter Programmdirektor stellte die interplanetarische Berühmtheit zur Rede. »Sir Randolph, das ist doch hoffentlich nicht Ihr Ernst. Wir haben den fertigen Chip schon zur automatischen Übermittlung eingegeben.«
    Mays zog eine blaugebundene Mappe aus seiner Ledertasche und wedelte mit seiner riesigen rechten Hand. »Wenn Sie vielleicht die Güte hätten, sich Abschnitt 33, Absatz 2 unseres Vertrages anzusehen«, erwiderte er. »Im weiteren werden die Strafen aufgeführt, die die British Broadcasting Corporation zahlen muß, sollte man mir nicht die absolute und uneingeschränkte redaktionelle Kontrolle über den Inhalt der Serie einräumen.«
    »Ja, sicher, aber Sie haben sich auch bereit erklärt, einen fertigen und nach einem von uns abgesegneten Script verfaßten Chip zu einem rechtzeitigen Termin abzuliefern.« Der Direktor brauchte nicht im Vertrag nachzulesen; es handelte sich um eine Standardklausel. Er ließ seine altmodische Stahlbrille über seine lange Nase nach unten gleiten, um Mays noch unnachgiebiger ansehen zu können. »Und das haben Sie bereits getan. Und wenn Sie jetzt noch eine Änderung vornehmen wollen, kann von rechtzeitig wohl kaum noch die Rede sein.«
    »Sie können gerne Gegenklage erheben. Wenn Sie aber die im Vertrag spezifizierten Geldstrafen gegeneinander abwägen, werden Sie mir wohl zustimmen, daß ein simpler Austausch der ersten zwei Minuten des heutigen Programms die angenehmere Lösung darstellt.«
    »Ich brauche einen Augenblick, um …«
    »Hier ist das rechtzeitige Script für den neuen Anfang. Das Bildmaterial, das ausgetauscht werden muß, befindet sich auf diesem Chip.«
    Der Direktor schob sich seine Brille wieder nach oben. »Also … dann lassen Sie mich mal sehen.«
    Bereits fünf Minuten später geleitete man Mays in einen Schneideraum, wo er sich vor einen Bildschirm setzte, der gegenüber einer winzigen Videokamera stand, und ein halbes Dutzend Zeilen Kommentar in seinem unverwechselbaren Tonfall ablas.
    Wiederum fünf Minuten später machte er es sich in einem vornehmen Redaktionsstudio bequem und blickte einem eilig herbeigerufenen Redakteur über die Schulter.
    Der Redakteur war ein blasser, dürrer junger Mann mit glänzenden, schulterlangen braunen Locken. Nachdem er eine Zeitlang mit seinen zarten Fingern über die Tastatur gehuscht war, sagte er: »Alles bereit, Sir. Das alte Master ist auf eins, der Einfügechip auf zwei, der nicht synchronisierte Text auf Kanal 30, von wo er auf das neue Master auf drei überspielt wird.«
    »Ich würde gerne sehen, ob wir es in Echtzeit machen können. Live direkt auf den Chip, sozusagen.«
    »In Ordnung, Sir. Geben Sie mir das Zeichen.«
    »Sie können jederzeit beginnen. Fangen Sie mit zwei an.«
    Auf dem Monitor erschien das vertraute, aber immer noch majestätische Bild der Jupiterwolken, die den ganzen Bildschirm ausfüllten. Sie drehten sich in einem feinen Gerinnsel aus Gelb, Orange, Rot und Braun – und im Vordergrund war der winzige, leuchtendhelle Punkt eines rasch kreisenden Mondes zu erkennen.
    »Text«, sagte Mays.
    Der Redakteur tippte wieder etwas ein; Mays’ Stimme vom Band, ein rauhes Flüstern erfüllte den Raum.
    Der Jupitermond Amalthea; seit mehr als einem halben Jahr stellt er den ungewöhnlichsten Körper unseres Sonnensystems dar – und den Schlüssel zu seinem zentralen Rätsel.
    Der Ausschnitt wurde größer. Rasch rückte Amalthea näher, so daß man erkennen konnte, daß es sich um einen unregelmäßigen Eisklumpen von einigen Kilometern Länge handelte, dessen Hauptachse auf den nahen Jupiter gerichtet war. Amalthea war zu klein, um den internen Schub und Sog der Gezeiten und die daraus resultierende Reibungshitze zu verspüren – und viel zu klein, eine Atmosphäre zu halten –, trotzdem war er in dünnen Nebel gehüllt, den er hinter sich herzog und der von einem unsichtbaren Strahlenhagel in Fetzen gerissen wurde.
    »Gutes Bild«, bemerkte der Redakteur.
    Mays brummte nur. Genau diese Einstellung

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