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Change for a Kill

Change for a Kill

Titel: Change for a Kill
Autoren: Sonja Amatis
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Hämmernde Beats umfingen ihn. Sie ließen seine Nerven vibrieren und beschleunigten den Puls. Es war so laut, dass er sich selbst nicht mehr denken hören konnte. Zweifellos der Grund, warum Dylan ihn hierher bestellt hatte.
    Samuel pflügte sich einen Weg durch die Menschenmassen. Der Boister Club war recht neu und gehörte zu gleichen Teilen dem Felidae-Clan und der Aquila-Familie. Dementsprechend lag er genau auf der Grenze der beiden Territorien; es war der erste und einzige Club dieser Art. Für Samuel, der ein Steinadlerwandler war, wäre es lebensgefährlich, sich ohne Begleitschutz in das Gebiet der Katzenwandler zu begeben. Allerdings standen andere neutrale Treffpunkte zur Verfügung, die er bevorzugt hätte. Die Mordermittlung der Raubkatzen hatte ihn um Hilfe gebeten, Dylan sollte sein Kontaktmann sein. Der Gepardenwandler war ein erfahrener Mann, der auch unkonventionelle Methoden nutzte, sofern sie erfolgsversprechend waren. Samuel hatte von rätselhaften Mordfällen gehört, die verschiedene Raubtiergruppen betrafen – nicht ausschließlich Katzenartige. Die Ermittler tappten offenbar seit Monaten im Dunklen und hatten sich nun an ihn gewandt, um eine neue Perspektive zu gewinnen. Durchaus auch im wörtlichen Sinne – aus der Luft sah ein Tatort oft vollkommen anders aus.
    Samuel umkreiste die Bar, die sich mitten auf der Tanzfläche befand, nun bereits zum vierten Mal. Leider hatte man ihm kein Foto von Dylan geschickt. Seine Vorgesetzten hatten ihn mehr oder weniger gezwungen, in diesem Fall zu kooperieren, er hatte sich nicht vorbereiten können. Vermutlich würde er wie ein blutiger Anfänger dastehen, da er nicht einmal irgendwelche Details über die Morde kannte. Nicht auszuschließen, dass dies die Absicht der Raubkatzen gewesen war, um den blöden Piepmatz ans hintere Ende der Hierarchiekette zu verweisen. Der Hass zwischen ihren Völkern ging tief …
    Dieser Club war eine irreale Welt, die nichts mit der Wirklichkeit da draußen zu tun hatte. Die jungen Leute, die hier feierten, verhielten sich zumeist friedlich und unterschieden nicht zwischen den Rassen. Doch kein Vogelwandler durfte ohne ausdrückliche Genehmigung durch die strengstens bewachte Tür schreiten, die zur Welt der Katzen und anderen Säugetiere führte und umgekehrt. Wer ein Sexabenteuer mit einer der anderen Rassen suchte, musste das im Club erledigen – zumeist auf den Toiletten. Der Zweck dieser Angelegenheit mochte den Planern einleuchten, Samuel jedenfalls nicht.
    Wie er dieses Geschiebe und Gedränge von Körpern hasste! Samuel war bereits von oben bis unten betatscht worden, anzügliche Blicke und Hände auf seinem Hintern und zwischen den Beinen gehörten offenbar zur Normalität. Kein Wunder, dass die Katzenwandler die Tanzfläche beinahe komplett für sich hatten, die meisten von denen kannten keine Partnertreue und waren rund um die Uhr bereit für sexuelle Ausschweifungen. Ein Verhalten, das vielen Vögeln fremd war. Die Aquilas, die Familie der Adler, lebten strikt monogam.
    Allmählich verlor Samuel die Geduld. Noch eine Minute, dann würde er nach Hause fliegen. Wenn die Katzen seine Hilfe wollten, sollten sie gefälligst zu ihm kommen!
    Gereizt drehte er sich um, als er am Arm festgehalten wurde, er hatte es satt, wie Freiwild behandelt zu werden. Als er allerdings in dunkelblaue Augen blickte, vergaß er seinen Unmut und erstarrte unwillkürlich. Bei all den bernsteinfarbenen Iriden um ihn herum verwirrte ihn das tiefe Blau. Es gab immer wieder mal Katzenwandler, die dergestalt aus der Art schlugen, ungewöhnlich war es dennoch. Der Mann, der viel zu dicht vor ihm stand, war in etwa so groß wie er selbst – geschmeichelt mittelgroß – und besaß den Körper eines Tänzers. Ausgesprochen schlank und sehnig, kein Gramm Fett am Leib. Leopardenwandler waren für gewöhnlich etwas muskulöser und hatten kantigere Gesichter. Auch ihre Haare waren zumeist von einem dunkleren Blond als sein Gegenüber, dessen streng nach hinten gebundener Zopf einen feinen Sandton besaß. Ganz offensichtlich ein Gepard. Er hatte einen scharfen Blick für die feinen Details und erkannte für gewöhnlich sofort, welcher Wandlerrasse ein Mensch angehörte.
    „Dylan?“, fragte er vorsichtshalber, auch wenn er nicht zweifelte, dass dies sein Kontaktmann sein musste. Er erntete ein knappes Nicken, losgelassen wurde er nicht. Dylan musterte ihn für mindestens eine weitere Minute ebenso intensiv wie er ihn zuvor, was Samuel sich

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