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Celaenas Geschichte 02 - Throne of Glass

Celaenas Geschichte 02 - Throne of Glass

Titel: Celaenas Geschichte 02 - Throne of Glass
Autoren: Sarah Maas
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1
    V on der Welt war nichts mehr übrig außer Sand und Wind.
    So kam es Celaena Sardothien zumindest vor, als sie auf der purpurroten Düne stand und über die Wüste blickte. Trotz des Windes war es drückend heiß und ihre aus vielen Lagen Stoff bestehende Kleidung klebte ihr am Leib. Aber Schwitzen war gut, denn es erinnerte einen ans Trinken, hatte ihr Nomadenführer gesagt – tödlich werde die Red Desert nur, wenn der Schweiß sofort in der Hitze verdunstete. Dann konnte man austrocknen, ohne es zu merken.
    Oh, diese furchtbare Hitze. Sie kroch ihr in jede Pore, hämmerte in ihrem Kopf und schmerzte in ihren Knochen. Verglichen damit war das feuchtheiße Klima in Skull’s Bay gar nichts gewesen. Was hätte sie nicht alles für eine winzige kühle Brise gegeben!
    Neben ihr deutete ihr Nomadenführer nach Südwesten. »Die Sessiz Suikast leben da drüben.« Sessiz Suikast . Die Schweigenden Assassinen – der legendäre Orden, bei dem sie nun trainieren sollte.
    »Damit du Gehorsam und Disziplin lernst«, hatte Arobynn Hamel gesagt, ohne hinzuzufügen: im Hochsommer in der Red Desert . Das hier war eine Strafe. Vor zwei Monaten hatte Arobynn sie zusammen mit Sam Cortland unter einem Vorwand nach Skull’s Bay geschickt. Bald mussten sie herausfinden, dass es dabei um Sklavenhandel ging. Das war für Celaena und Sam, obwohl sie Assassinenwaren, natürlich völlig inakzeptabel gewesen. Also hatten sie sich entschieden, die Sklaven zu befreien und die Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Aber jetzt … Von allen denkbaren Bestrafungen war das hier wahrscheinlich die schlimmste. Und das wollte etwas heißen, denn schließlich hatte Arobynn sie eigenhändig verprügelt und die Blutergüsse und Schrammen in ihrem Gesicht waren auch nach einem Monat noch nicht verheilt.
    Celaenas Miene hatte sich verdüstert. Sie zog ihr Halstuch ein Stück höher über Mund und Nase, bevor sie einen Schritt die Düne hinab machte. Der Sand unter ihren Füßen geriet ins Rutschen und sie musste sich dagegenstemmen. Trotzdem fühlte es sich nach dem qualvollen Marsch durch die Singing Sands wie eine Befreiung an. Dort hatte jedes Sandkorn gesummt und gewimmert und geächzt, sodass sie den ganzen Tag bei jedem Schritt darauf hatten achten müssen, diese ganz eigene Harmonie nicht zu zerstören. Sonst, so hatte der Nomade gesagt, konnte der Untergrund sich in Treibsand verwandeln.
    Celaena lief die Düne hinab, blieb aber stehen, als sie die Schritte ihres Begleiters nicht mehr hörte. »Kommst du nicht?«
    Der Nomade war oben geblieben und deutete wieder auf den Horizont. »Drei Kilometer in diese Richtung.« Sein Adarlan war zwar ein wenig holprig, aber gut zu verstehen.
    Celaena zog das Tuch vom Mund. Sofort peitschte der Wind ihr Sand ins schweißnasse Gesicht. »Ich bezahle dich, damit du mich bis vor die Tür bringst.«
    »Drei Kilometer«, sagte er noch einmal, bevor er das große Bündel ablegte. Obwohl das Tuch um seinen Kopf sein braun gebranntes Gesicht fast ganz verdeckte, konnte Celaena die Angst in seinen Augen sehen.
    O ja, die Sessiz Suikast waren in der Wüste gleichermaßen geachtet und gefürchtet. Nur durch ein Wunder hatte sie jemanden gefunden,der überhaupt bereit war, sie so nah an ihre Festung zu führen. Dass sie als Gegenleistung Gold bot, hatte natürlich geholfen. Aber die Nomaden sahen in den Sessiz Suikast so etwas wie Schatten des Todes – und ihr Begleiter wollte sich ihnen offenbar nicht noch weiter nähern.
    Celaena ließ den Blick nach Südwesten wandern. Außer Dünen und Sand, dessen gekräuselte Oberfläche an das windgepeitschte Meer erinnerte, konnte sie nichts entdecken.
    »Drei Kilometer«, sagte der Nomade hinter ihr. »Sie werden Euch finden.«
    Celaena wollte ihn noch etwas fragen und drehte sich um, aber er war bereits hinter der Düne verschwunden. Fluchend versuchte sie zu schlucken. Vergeblich, ihre Kehle war zu ausgetrocknet. Sie sollte sofort weitergehen, damit sie die erbarmungslose Mittagshitze nicht schlafend im Zelt überbrücken musste.
    Drei Kilometer. Wie lange konnte sie dafür brauchen?
    Nach einem Schlückchen aus ihrem beängstigend leichten Trinkschlauch zog Celaena das Tuch wieder über Mund und Nase, schulterte ihr Bündel und machte sich auf den Weg.
    Das einzige Geräusch, das sie begleitete, war das Zischen des Windes im Sand.
    Stunden später musste Celaena ihre ganze Selbstbeherrschung aufbieten, um im Innenhof nicht in eins der Wasserbecken zu springen oder sich an

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