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Catullus - Der Tote im Ghetto - Eine Science Fiction Serie 1 (German Edition)

Catullus - Der Tote im Ghetto - Eine Science Fiction Serie 1 (German Edition)

Titel: Catullus - Der Tote im Ghetto - Eine Science Fiction Serie 1 (German Edition)
Autoren: Renée Corrilla
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Loch in die Kapsel
    - Geil.
    - Geil?
    - Absolut geil.
    - Sein Vater sagt, er wäre vor drei Jahren einer chinesischen Schamanensekte beigetreten, die Reisen in parallele Universen versprich.
    - Schamane Banane, Jesus, dieser Esoterikschwachsinn ist schlimmer als n Furunkel am After. Und ich mein n richtig fettes Furunkel.
    - Man kann viel erleben auf so einer Reise, Peter, aber ich erwarte mir kein Verständnis von jemandem wie dir.
    - Jemandem wie mir?
    - Du musst ja immer tough sein. Abgebrüht.
    - Ich bin n Mann, keine Esoteriktante.
    - Lass mich bitte weitererzählen.
    Der Mann, der nichts liest, nichts hört, nichts spricht, ist Ende 20. Beer hat keine ID-Brille, Beer hat - wie jeder Polizist seines Ranges - Kontaktlinsen, die dieselbe Funktion haben wie die Brille, jedoch bequemer sind. Trotzdem bekommt Beer keine Information über den Mann. Also ist er entweder ein gerissener Gangster, ein hohes Vieh im Geheimdienst oder aber einer der Superreichen, die mit mehreren gefälschten oder gar gelöschten IDs unterwegs sind. Beer unterbricht Doris' Redefluss.
    - Lass uns aussteigen.
    - Was?
    - Aussteigen. Sofort.
    - HIER?! Ich hab keinen Bock auf diese Spielchen jetzt, Peter!
    - Hier oder nie.
    - Das ist Niemandsland! Wir müssen zur Endstation!
    Beer steht auf, packt Doris am Arm und geht Richtung Toiletten. In den Toiletten setzen sie die Helme auf, aktivieren die Sauerstoffzufuhr. Sie verlassen den Moon-Bus OU 234 über den Notausstieg, befestigen sich an der Plattform und warten, bis der Bus sich weiter Richtung Mond bewegt.
    - Fuck me.
    - Wirklich?
    - Was ist in dich gefahren?!
    - Der Chinese lässt uns abholen, keine Angst.
    - Der Chinese ist reich, aber er hat keine halbe Million, um uns ein Space-Taxi zu schicken.
    - Gibt es den Typen überhaupt?
    - Weshalb fragst du?
    - Deshalb.
    Die Explosion des Moon-Bus OU234 wird noch am selben Tag von der Regierung der Eurasischen Konföderation als Terrorakt ROT eingestuft. Die üblichen Verdächtigen werden genannt, die obligatorischen Hausdurchsuchungen bei Anarchisten, Sympathisanten des verstorbenen Rebellen Catullus und fanatischen Anhängern der Vereinigten Islamischen Republik durchgeführt, die altbekannten Gesetzesverschärfungen gefordert, ein paar von ihnen im Eilverfahren beschlosssen. Keiner der Passagiere an Bord überlebt. Beer - erst Verdächtiger, weil er den Bus verlassen hat, dann wichtigster Zeuge - gibt widerwillig viele Interviews, weigert sich aber, sich an den Spekulationen zu beteiligen. 24 Stunden später besuchen Doris und Beer den Chinesen in seiner Mondvilla. Beers Tochter war unterdessen, alarmiert von der Ankunft ihres Vaters, zurück auf die Erde geflüchtet.
     
    ***
    Beer sieht aus dem Fenster, sieht den blauen Planeten und ihn überkommt wieder diese Sehnsucht, die ihn immer erfasst, wenn er auf dem verfluchten Mond hockt.
    - Glauben Sie an Gott, Herr Beer?
    - Nein. Warum? Sind Sie etwa Gott? Dann werde ich mich sofort taufen lassen. Wir sind so knapp dem Tod entgangen, da muss ich Ihnen doch zumindest die Füße waschen.
    Doris seufzt.
    - Peter, bitte.
    Der Chinese lächelt und macht mit den Händen eine beschwichtigende Geste.
    - Keine Angst, Frau Dorner. Ich bin gewarnt worden.
    Beer sieht zu Roboterwesen, die in Reih und Glied bereit stehen, um all die Arbeiten zu verrichten, die man als Normalbürger vor hundert Jahren noch selbst verrichten hatte müssen. Dass es nun schon Roboter gab, die einem auf der Toilette den Hintern wischten, fand Beer abartig.
    - Kommen wir zum Punkt, Herr Hong. Ihr Sohn ist verschollen. Wann und wo wurde er zuletzt gesehen? Mit wem war er unterwegs? Was sagt sein Router? Wurde seine ID-Brille gefunden? Kein Mensch kann heutzutage noch verschwinden, es sei denn in einem Tunnel im Ghetto, wenn die Ratten ihn schnell genug aufgefressen haben, aber das erwarte ich mir nicht - ich mein, dass Ihr Sohn öfters im Tunnel war. Bei den Ratten.
    Hong atmet tief ein, tief aus, seine Miene bleibt ungerührt.
    - Alex liebte das Ghetto. Er sagte, die letzten, nein, er sagte: die WAHREN Menschen wären dort. Und nur dort.
    - Oh ja, dort wird noch vergewaltigt und mit altmodischen Schusswaffen rumgeballert, die einem Löcher in die Leiber schießen.
    - Hat Frau Dorner Sie nicht über die Details unterrichtet?
    - Klar, sie ist ne gute Sekretärin, aber ich möchte es noch einmal von Ihnen hören, Herr Hong. Nur um sicher zu gehen, Sie verstehen?
    Doris verzieht das Gesicht, als Beer sie eine Sekretärin nennt, aber sie

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