Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
BY706 - Im Magoon-Club saß mein Henker

BY706 - Im Magoon-Club saß mein Henker

Titel: BY706 - Im Magoon-Club saß mein Henker
Autoren: Im Magoon-Club saß mein Henker
Ads
spürte, wie sein Atem pfeifend aus den Lungen entwich.
    Und dann war er heran.
    »Versuche, an den Saum meines Jacketts heranzukommen«, zischte er leise.
    Meine Finger waren gefühllos. Schweiß stand auf meiner Stirn. Ich wußte überhaupt nicht mehr, daß ich noch Hände besaß. Die Lehnen unserer Rollstühle berührten sich. Ich spürte ein leises Kribbeln in den Fingerspitzen. Ein Zeichen, daß das Blut wieder zirkulierte.
    »Sie bewegen sich«, sagte Phil. »Sie bewegen sich wirklich…«
    »Wer?«
    »Deine Finger! Was sonst? Paß auf, du bist gleich an der richtigen Stelle. Innen ist ein Faden. Wenn du vorsichtig ziehst, trennst du die Naht auf. Aber gib acht, daß es nicht auf den Boden fällt!«
    »Was soll nicht fallen?«
    Phil verdrehte die Augen. »Das Federmesser. Erinnerst du dich an das kleine rasiermesserscharfe Ding, das du mir mal geschenkt hast?«
    »Das japanische?«
    Phil nickte. »Langsam scheint es bei dir zu dämmern. Als ich ohne Waffen den Job in Washington antreten mußte, habe ich mir das Federmesser wenigstens eingenäht.«
    »Wenn ich es tatsächlich erwische, melde ich dich zum Patent an.«
    »Du erwischst es! Du erwischst es«, stieß er hastig hervor. »Du hast bereits den Faden. Nur vorsichtig jetzt, Jerry. Warte noch einen Augenblick. Sind die Finger okay?«
    »Ich weiß es nicht«, gab ich wahrheitsgemäß zurück . »Es kribbelt wie in einem Ameisenhaufen.«
    »Das ist gut, mein Alter. Immer bewegen. Wie beim Yoga. Wenn man nur will, geht alles.«
    Phil hatte recht. Auf einmal spürte ich den Faden. Vorsichtig zog ich daran. Und dann spürte ich auch etwas Festes: das Federmesser.
    Sicherheitshalber zog ich die Naht nicht weiter auf, sondern versuchte, durch die kleine Öffnung heranzukommen. Auf diese Art konnte ich das Federmesser wenigstens nicht fallen lassen.
    Meine Finger wurden beweglicher. Ich spürte bereits, daß ich etwas Metallenes faßte.
    »An der Seite ist ein winziger Knopf«, erklärte Phil. »Wenn du ihn eindrückst, schnellt die Klinge hervor.«
    »Ich habe ihn«, sagte ich leise. Dann drückte ich ihn nach innen. Es gab einen leichten Ruck. Hätte ich das Messer bereits aus dem Saum gezogen, hätte der Ruck genügt, um es mir aus den Fingern zu schnellen. So aber konnte ich es langsam hervorziehen.
    Ich nahm es zwischen Daumen und Zeigefinger und begann an Phils Handfesseln zu arbeiten. Es war tatsächlich so scharf, daß es kaum eines Drucks bedurfte, den Hanf zu zerschneiden.
    Als Phil die Rechte freibekam, war alles weitere ein Kinderspiel. In knapp einer Minute waren die Stricke durchschnitten. Schnell machten wir ein paar Freiübungen und Kniebeugen, um den Blutkreislauf anzuregen.
    »Und was nun?« fragte Phil. »Es ist kaum anzunehmen, daß der Zwerg allein kommt«
    Ich ging an die Tür. Wir hätten sie sprengen müssen, um die fugendicht schließende Tür aufzubekommen.
    Phil suchte den Boden ab. Unser Bemühen war vergeblich. Der Raum war wie eine Zelle ausgestattet, in der man Menschen beruhigte, die man als Verrückte bezeichnete.
    »Nichts«, sagte Phil.
    »Still!« Mir kam es so vor, als ob sich jemand von außen an der Tür zu schaffen machte. Ohne uns zu verständigen, bauten wir uns rechts und links vom Eingang auf und preßten uns dicht an die Wand.
    Phil rannte noch schnell auf die beiden Rollstühle zu und stieß sie in die rechte Ecke, so daß sie dem Eintretenden nicht gleich auffallen konnten.
    Dann sprang er auf seinen Platz zurück.
    Keine Sekunde zu früh! Plötzlich bewegte sich die Tür. Erst war es nur ein Spalt. Dann glitt sie immer schneller in die Wand zurück.
    Wir sahen die dunkle Öffnung vor uns. Nichts geschah. Alles blieb still.
    Wir wagten kaum zu atmen. Wer immer die Tür geöffnet hatte, dieser Jemand mußte sehr vorsichtig sein.
    Und dann waren wir starr vor Erstaunen.
    ***
    Die Delegation der Südamerikaner bestand aus zwei Herren. Temperamentvoll begrüßten sie die Abgesandten des Ministeriums, die sie auf dem Flugplatz empfingen.
    Es war kein großartiger Empfang, nur ein sogenannter kleiner, genauer gesagt, ein winzig kleiner »Bahnhof«. Denn schon seit Jahren gaben sich Vertreter vieler Entwicklungsländer in Washington die Klinke in die Hand. Sie hatten alle das gleiche Anliegen: Geld!
    Abseits des Empfangskomitees standen drei Männer. Interessiert beobachteten sie, wie die Südamerikaner in einer Pullman-Limousine davonrollten.
    Kaum waren sie verschwunden, bestiegen die drei Männer, die den Empfang

Weitere Kostenlose Bücher

So finster, so kalt
So finster, so kalt von Diana Menschig
Wellentraum
Wellentraum von Virginia Kantra
Kaltgestellt
Kaltgestellt von Colin Forbes
In One Person
In One Person von J Irving