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BY706 - Im Magoon-Club saß mein Henker

BY706 - Im Magoon-Club saß mein Henker

Titel: BY706 - Im Magoon-Club saß mein Henker
Autoren: Im Magoon-Club saß mein Henker
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flammte das Licht im Flur auf. Im Hintergrund sah Phil das Pärchen, das im Restaurant am Nebentisch gesessen hatte. Die Frau, sie war es offenbar, die geschrien hatte, lächelte ihn an. Doch dieses Lächeln war gemein.
    »Hallo, Decker! Wir haben Sie also doch erwischt. Und Sie wollten so furchtbar schlau sein. Genau wie Ihr Freund Cotton!«
    Phil drehte sich um. An der Wand standen die zwei Gestalten, die ihn vom Flugplatz abgeholt hatten. Ihre Pistolen zielten genau auf seinen Bauch.
    Der eine trat an ihn heran. Die Pistole kam näher und näher, bis sie dicht vor seinem Gesicht verhielt.
    »Das ist die Quittung«, zischte der Kerl und schlug ihm den Lauf ins Gesicht. Er riß eine blutige Spur über Phils linke Wange.
    Phil zuckte nur leicht zusammen. Er wollte dem anderen keine Gelegenheit geben, den Stecher durchzuziehen.
    »Wie schmeckt dir das, G-man?« höhnte der Kerl. »Das ist nur der Anfang. Wir sollen dich zum Boß bringen, und der ist verdammt unangenehm, wenn man ihm ins Handwerk pfuscht. Übrigens, dein Freund Cotton freut sich schon auf das Wiedersehen mit dir.«
    Phils Gesicht blieb unbewegt. Die Wunde brannte wie Feuer, und das Blut tropfte auf den Weißen Hemdkragen.
    »Gehen wir«, sagte der Mann, der Phil die Pistole durchs Gesicht gezogen hatte. »Im Magoon-Club wartet man schon auf uns.«
    ***
    Als ich die Augen öffnete, packte mich der grelle Schein der Lampe wie tausend Nadeln. Ich mußte die Augen sofort wieder schließen.
    Ich saß auf einem Stuhl. Meine Arme und Beine konnte ich nicht bewegen. Sie waren gefühllos. Ich spürte die Stricke nicht, mit denen man mich festgebunden hatte.
    Der Lichtkegel schwenkte herum und verlöschte ganz. Ich war so blind wie eine neugeborene Katze. Erst langsam gewöhnte ich mich an das gespenstische Halbdunkel, in dem ich allmählich Umrisse erkennen konnte. Ich sah einen mächtigen Schreibtisch und dahinter, auf einem breiten Sessel sitzend, eine schmale, sehr hohe Gestalt.
    Der Mann trug einen Smoking. Sein Gesicht wurde von einer Halbmaske bedeckt. Nur der schmallippige Mund und das weit vorstehende Kinn waren frei.
    Seine Augen funkelten mich kalt an. Wie eine Kobra, die darauf wartet, zuzuschlagen.
    Sonst schien niemand im Raum zu sein, dessen Wände mit dunklen Tüchern verhängt waren.
    »Guten Abend, Mr. Cotton«, sagte er mit tiefer, aber krächzender Stimme. »Ich freue mich, die Bekanntschaft eines so bekannten Mannes zu machen.«
    »Das Kompliment kann ich Ihnen nicht zurückgeben«, entgegnete ich.
    »Das macht nichts. Mir ist es lieber, wenn Sie nicht wissen, wer Ihnen gegenübersitzt. Ich habe nämlich nicht vor, Sie zu beseitigen. Ich weiß, daß das FBI eine Treibjagd veranstalten würde, um Ihren Tod zu rächen. Und soviel Trubel und Unordnung ist meinen Plänen nicht zuträglich. Ich werde Ihnen nur das Rückgrat brechen, Mr. Cotton.«
    »Darauf bin ich ungemein gespannt.«
    Sein Mund verzog sich zu einem zynischen Lächeln. »Das ist selbstverständlich nur bildlich gemeint. Aber wenn Sie aus meiner Kur entlassen werden, sind Sie nur noch ein halber Mann. Sie werden niemandem mehr gefährlich werden. Vorher möchte ich mich mit Ihnen unterhalten. Und damit wir uns gleich verstehen, anlügen lasse ich mich nicht. Ihr verehrter Freund Decker befindet sich ebenfalls in meiner Gewalt. Ich habe also Gelegenheit, die Übereinstimmung Ihrer Aussagen zu überprüfen. Vergessen Sie das nicht, Mr. Cotton!«
    Ich achtete nicht auf sein selbstherrliches Gerede. Schwätzer machen nur selten das wahr, was sie ihren Gegnern androhen. Ich wollte jedoch herausbringen, ob sich Phil tatsächlich in seiner Gewalt befand. Denn dann war unsere Situation nicht gerade beneidenswert.
    Der Maskierte mußte meine Gedanken erraten haben. »Sie standen von Anfang an unter Bewachung. Vielleicht erinnern Sie sich an das reizende Pärchen am Nebentisch? Im Schwimmbadrestaurant?«
    Ich verriet durch kein Mienenspiel, wie sehr mich diese Nachricht traf. Dieser Mann war trotz seiner Schwatzhaftigkeit ein gefährlicher Gegner. Wir alle, Mr. High und Collins eingeschlossen, hatten ihn unterschätzt.
    Allmählich gewöhnten sich meine Augen an das Halbdunkel. Ich versuchte, soviel wie möglich von diesem Mann am Schreibtisch zu erkennen. Seine Hände zum Beispiel. Sie waren lang und schmal und von der Blässe eines Menschen, der nie an die Luft kam. An beiden Händen, jeweils am Mittelfinger, was ungewöhnlich war, trug er schwere Ringe, die wertvoll sein mußten. Der

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