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Broadway-Grusical

Broadway-Grusical

Titel: Broadway-Grusical
Autoren: Jason Dark
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Die Finsternis war dicht wie schwarze Watte. Sie klebte in den Gesichtern, an den Körpern und drang bei jedem Atemzug in die Münder der im Dunkeln wartenden Menschen.
    Sie alle atmeten den typischen Geruch der Bühne ein. Eine Mischung aus Schminke, Staub, Parfüm und Schweiß. Noch warteten sie, aber sie wussten auch, dass die Zeit bald vorbei war, dann würde der Regisseur erscheinen um mitzuteilen, wen er engagieren wollte. Ein Supererfolg sollte das Grusical werden, und nur die Besten wurden genommen.
    Grusical! Bewusst hatte man es so genannt. Schrecken, Horror, Tanz, Gesang und Liebe vereinigten sich zu dieser Mischung, für die man den Begriff Grusical kreiert hatte.
    Der Broadway war wild nach etwas Neuem. New York kochte. Die Menschen wollten sich wieder amüsieren und etwas erleben. Je mieser die Zeiten, um so größer die Sucht nach Abwechslung. Und Abwechslung hatte der Regisseur versprochen, wenn auch auf etwas ungewöhnliche Art und Weise.
    Die Sänger und Schauspieler standen fest. An dieser Besetzungsliste wurde auch nichts mehr geändert. Aber die Tänzer mussten noch ausgesucht werden. Akteure, die hinter einer bestimmten Linie, der Chorus Line, standen und diese nicht übertreten durften. Das war das Gesetz der Bühne. Die vordere Hälfte gehörte den Sängern und Schauspielern. Die Tänzer blieben im Hintergrund, und doch bildeten sie die große Staffage im Spiel um Tanz, Gesang und Action. Jeder Tänzer hoffte auf eine Chance. Wer am Broadway debütiert hatte, der war schon etwas. Aber sie warteten. Sie hatten immer nur gewartet, bis der Halbgott, der Regisseur, seine Auswahl traf. Das war gnadenlos, da nahm er keine Rücksicht, und meistens genossen diese Leute ihre Macht. Sie blieben im Hintergrund, saßen im Dunkeln, wenn andere vortanzten, und wurden von den Akteuren oftmals nur bei der ersten großen Probe gesehen.
    Allmählich breitete sich Unruhe unter den Wartenden aus. Sie beschwerten sich nicht, das traute sich keiner von ihnen. Die geringste Disziplinlosigkeit wurde mit dem Rausschmiss bestraft. Trotzdem breiteten sich Unruhe und Nervosität unter ihnen aus. Das Scharren der Füße auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten, das manchmal leise Stöhnen oder das schwere Atmen und das Flüstern der Tänzer untereinander waren eine nicht zu überhörende Geräuschkulisse. Wenn jemand sprach, dann so leise wie möglich. Schließlich wollten sie nicht gehört werden. In diesem Theater hatte alles Ohren. Der Vorhang war nicht geschlossen. Für die auf der Bühne stehenden Männer und Frauen war der Zuschauerraum trotzdem nur zu ahnen, und hätte tief in seinem Innern, fast an der letzten Reihe, nicht das bläulich schimmernde Licht gebrannt, hätten sie überhaupt nichts gesehen. Es war ihnen auch unmöglich, ruhig stehen zu bleiben. Sie bewegten sich, stießen sich gegenseitig an.
    »Man hält uns hier fest, verdammt!« Jemand hatte ziemlich laut gesprochen.
    »Na und?«
    »Ich will endlich wissen, was geschieht.«
    »Sei ruhig. Freu dich, dass man dir eine Chance gibt.«
    »Ja, aber wie.«
    »Die Arbeit ist hart.«
    »Und das Leben beschissen!«
    »Wer beschwert sich denn da?«
    Hart und kratzig klang die durch das Megaphon verzerrte Stimme des Fragers auf. Es war keiner da, der bei dieser Stimme nicht zusammengezuckt wäre, denn sie gehörte Hammond D. Myers, dem Regisseur, dem Halbgott, der fast ebenso viel zu sagen hatte wie der Produzent, der das Geld vorstreckte.
    Keiner meldete sich. Die Stille war greifbar. Sie lastete schwer auf den Brettern der Bühne, und jeder Tänzer war zusammengezuckt, als hätte er einen Peitschenschlag bekommen.
    »Erhalte ich keine Antwort?«
    »Melde dich!« flüsterten mehrere Stimmen. »Jetzt sei nicht feige, verflucht. Du machst uns alles kaputt.«
    Ein Mann trat vor. Es war ein Schwarzer, der ein Trikot über seinen geschmeidigen Körper gestreift hatte und eine enge Strumpfhose trug.
    »Ich habe es gesagt.«
    Er hatte kaum ausgesprochen, als im Zuschauerraum ein Scheinwerfer aufflammte und die Gestalt des Mannes hervorhob. Der Schwarze stand fast am Rand der Bühne. Mit dem angewinkelten rechten Arm schützte er seine Augen vor dem grellen Licht.
    »Wie heißt du?«
    »Zion Weber!«
    »Ein schöner Name. Fast broadwayreif, aber wir mögen es nicht, wenn Tänzer keine Geduld zeigen. Das ist nicht gut für das Stück, verstehst du?«
    »Ja, Sir.«
    »Und was nicht gut für das Stück ist«, klang wieder die Stimme des Regisseurs auf, »wird

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