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Bride Trilogie 01 - Bluete der Zaertlichkeit

Bride Trilogie 01 - Bluete der Zaertlichkeit

Titel: Bride Trilogie 01 - Bluete der Zaertlichkeit
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PROLOG
     
    Als die beiden Männer die Stufen im Hotel Grillon hinaufgingen, eilte der kleinere von beiden ungeduldig voran. Sein Begleiter fasste ihn warnend am Arm. »Das kann nicht das richtige Mädchen sein, Amworth.«
    »Natürlich ist es Meriel«, erwiderte Lord Amworth. »Wie viele vermisste blonde englische Mädchen wird es wohl in Nordindien geben?«
    Die Furchen in Lord Grahames wettergegerbtem Gesicht vertieften sich. »Ich habe die Ruinen in Alwari gesehen, als sie noch rauchten, Amworth. Keiner, noch weniger ein fünfjähriges Kind, konnte das Massaker und das Feuer überlebt haben.«
    Der andere Mann zog die Stirn in Falten. »Wir werden es früh genug erfahren.«
    Sie erreichten den oberen Flur und gingen zu dem Zimmer, in dem sich die neu angekommenen Gäste einquartiert hatten. Auf ein energisches Klopfen hin öffnete ihnen eine untersetzte ältere Frau.
    »Ich bin Mrs. Madison, Ihre Lordschaften. Danke, dass Sie so schnell gekommen sind.«
    »Und wir danken Ihnen, dass Sie das Kind aus Indien zurückbegleitet haben, Mrs. Madison.« Nervös schaute sich Grahame in dem Empfangszimmer um. »Wo ist das Mädchen?«
    »Im Schlafzimmer, Mylord.« Mrs. Madison machte eine andeutende Geste.
    Sie durchquerten das Zimmer und blickten durch die offene Tür. Auf dem Bett saß ein kleines, zartes Mädchen und ordnete mit feierlichem Ernst ein Wirrwarr von Blumen zu einem Strauß. Blonde Haare, so hell, dass sie fast weiß wirkten, fielen ihr in das Gesicht. Beim Aufblicken wurden elfenhafte Züge und ein weit auseinander stehendes Augenpaar sichtbar. Ein kaum merkliches kleines Aufleuchten war in den blassgrünen Augen zu sehen, bevor sie die Augen wieder auf die Blumen richtete.
    »Ein Jammer, was mit ihr passiert ist, aber sie fällt nie zur Last«, berichtete Mrs. Madison unaufgefordert. »Ist sie Ihre Nichte?«
    »Es ist Meriel!«, rief Amworth aus. »Das Abbild meiner Schwester in diesem Alter.« Neben dem Bett fiel er auf die Knie. »Meriel, erinnerst du dich an mich? An deinen Onkel Oliver?«
    Sie beachtete ihn nicht. Er blickte zu Mrs. Madison. »Ist sie taub geworden?«
    »Nicht taub, aber der Verstand hat sie verlassen. Die Schrecknisse der Gefangenschaft haben ihn zerstört. Die Ärzte, die sie in Indien untersucht haben, waren der Meinung, dass sie für immer ein Kind bleiben würde.«
    »Vielleicht wird sie mich erkennen. Sie war noch ein Säugling, als ihre Eltern England verließen, aber sie kannte mich, als sie fünf war.« Grahame kniete sich jetzt ebenfalls im Blickwinkel des Kindes nieder. Er nahm eine winzige Hand und sagte eindringlich: »Meriel, ich bin es, dein Onkel Francis, der Bruder deines Vaters. Erinnerst du dich noch an die Ausritte mit dem Pony im Park von Cambay?« Sie entzog ihm ihre Hand und steckte eine Lilie sorgsam neben eine gelbe Rose. Sie schien die Blüten nach Farbe und Größe zu ordnen. »Verhält sie sich immer so?«, stieß Grahame etwas grob hervor.
    »Kamal nimmt sie ab und zu wahr, aber sonst niemanden. Sie lebt in ihrer eigenen Welt.« Mrs. Madison nickte zu einer Ecke des Raumes, in der ein bärtiger junger Inder mit Turban schweigend dem Geschehen zusah. Als die englischen Lords in seine Richtung blickten, drückte er die Hände vor der Brust zusammen und verbeugte sich, aber er blieb ebenso stumm wie Meriel.
    Flüsternd, aber mit deutlicher Stimme erklärte Mrs. Madison: »Er ist ein Eunuch. Ein Haremswächter. Der Maharadscha wählte ihn aus, damit er Lady Meriel nach Cambay begleite. Da sie sich von dem jungen Mann nicht trennen wollte, beschloss man, ihn nach England mitzunehmen. Er hat sich außerdem als sehr nützlich und hilfreich erwiesen.«
    Lord Amworth war so bestürzt, dass er sich von Lord Grahame in den Salon zurückführen ließ. »Großer Gott, eine Tragödie! Was war sie für ein aufgewecktes, entzückendes Kind! Ihre Eltern vergötterten sie. Vielleicht ... vielleicht kommt sie eines Tages wieder zu sich.«
    »Seit dem Tode ihrer Eltern sind jetzt zwei Jahre vergangen und seit fast einem Jahr befindet sie sich in der Obhut von Engländern. Wenn sie sich jemals von dem Schock erholen sollte, dann müsste es bereits einige Anzeichen dafür geben.« Grahames Gesicht war beinahe so weiß wie das von Amworth. »Eine Anstalt...«
    »Niemals!«, entgegnete Amworth. »Wir können sie doch nicht in eine dieser schmutzigen Irrenanstalten sperren. Wir müssen ihr eine Wohnung in Warfield einrichten und eine freundliche Witwe aus dem Freundeskreis der

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