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Breeds: Dashs Bestimmung (German Edition)

Breeds: Dashs Bestimmung (German Edition)

Titel: Breeds: Dashs Bestimmung (German Edition)
Autoren: Lora Leigh
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Prolog
    Der Brief erreichte ihn zu einem Zeitpunkt in seinem Leben, als der Ausgang des Kampfes, der in seinem Herzen tobte, noch völlig offen war.
    Der Krieg gegen den Terrorismus war nach wie vor in vollem Gang, und das schon seit vielen Jahren. In bestimmten Gebieten des Nahen Ostens war immer noch die Hölle los. Die Einheit der Special Forces, in der Dash Sinclair diente, war inzwischen seit einem Jahr dort. Die acht Männer waren eine verschworene Gemeinschaft und vertrauten einander ihr Leben an. Sie teilten alles. Bis zu dem Tag, als eine gezielt abgefeuerte Rakete ihren Hubschrauber traf. Die anderen sieben waren auf der Stelle tot, und auch Dashs Leben hing nur noch am seidenen Faden, als die Rettungskräfte ihn erreichten. Damals hatte er nicht begriffen, warum ausgerechnet er noch am Leben war. Er fühlte sich müde, war es leid zu kämpfen, sich zu verstecken, und hatte das Leben in Einsamkeit einfach satt. Diese sieben Männer hatten ihm so nahegestanden wie noch kein Mensch zuvor, und nun waren sie einfach weg, und ihm blieb nur die schmerzliche Erkenntnis, dass sein Leben eine trostlose Einöde geworden war.
    Noch Wochen später haderte er mit dem Leben, die Augen verbunden und völlig benommen von all den Medikamenten, die er bekam. Seine Wunden heilten nur langsam, und in seinem Herzen, das sich niemals einfach ergab und immer ums Überleben kämpfen würde, brodelte die Wut. Warum atmete er noch, wenn die anderen doch schon gegangen waren?
    Doch dann kam sein befehlshabender Offizier zu ihm.
    »Sie haben einen Fan.« Irgendetwas in ihm, ein Urinstinkt, übernahm plötzlich die Kontrolle. Er verdrängte den Schmerz, die Erinnerungen an all das Blut und den Tod – seine Aufmerksamkeit war geweckt. Aber auch sein Misstrauen.
    Er besaß weder Familie noch Freunde und erst recht keine Fans. Seine Kameraden hatte er verloren. Warum konnte man ihn nicht einfach schlafen lassen? Doch nun war diese kleine Stimme in seinem Hinterkopf wieder da, die er immer versucht hatte zu überhören. Instinktiv wusste er, dass ihm sein größter Kampf erst noch bevorstand.
    »Es ist ein nettes kleines Mädchen namens Cassidy Colder. Lassen Sie mich Ihnen den Brief schnell vorlesen. Ich werde ihr zurückschreiben, bis Sie wieder so weit hergestellt sind, dass Sie es selbst tun können. Aber ich habe das Gefühl, das kleine Mädchen wäre ziemlich enttäuscht, wenn Sie ihm nicht irgendwann antworten würden…«
    Als der Lehrer uns die Liste gab, gefiel mir Ihr Name am besten. Dash Sinclair. Ich finde ihn sehr schön. Mama meinte, er klingt sehr tapfer und schön, und sie würden es sicher auch sein. Ich finde, er klingt wie der Name eines Daddys. Ich wette, Sie haben jede Menge kleiner Töchter. Und ich wette auch, Sie sind sehr stolz auf Ihren Namen. Ich habe keinen Daddy, aber wenn ich einen hätte, fände ich es schön, wenn er solch einen Namen hätte.
    Dash hatte seinen Namen selbst erfunden. Vor langer Zeit. Er hatte gehofft, dass der Name von seiner Vergangenheit ablenken würde. Dann hatte er darum gekämpft, sich selbst zu verändern. Allerdings besaß er keine Töchter, war alles andere als ein liebender Vater. Die Zeilen, die sein Vorgesetzter ihm vorlas, sickerten langsam in sein Hirn, und er spürte, wie er unruhig wurde.
    Meine Mama heißt Elizabeth. Sie hat braunes Haar, genau wie ich, und hübsche blaue Augen. Meine sind ganz ähnlich. Ich habe eine sehr hübsche Mama, Dash. Sie backt mir immer Kekse und findet es in Ordnung, dass ich mich mit der Fee unterhalte, die mit mir in meinem Zimmer wohnt. Meine Mama ist echt lieb.
    Meine Mama sagt, Sie sind ein sehr tapferer Mann und dass Sie kämpfen, damit bei uns zu Hause alles sicher ist. Ich wünschte, Sie wären hier bei uns, Dash, denn manchmal ist meine Mama sehr müde.
    Trotz der Schmerzen und obwohl er kaum richtig bei Bewusstsein war, durchfuhr ihn ein Schreck. In diesem einen Satz schwang so viel Angst mit. Es war ein Hilferuf. Und auf einmal war ihm klar, dass er leben musste. Er musste Cassidy und ihre Mutter beschützen.
    Er sah das Mädchen geradezu vor sich, klein und zart, wie es vor Angst wimmerte. Ebenso seine Mutter, verzweifelt, verängstigt, die sich angriffsbereit vor ihre Tochter stellte, knurrend, einer wütenden Wölfin gleich.
    Aber warum sah er das alles? Und warum ließ ihn dieses Bild nicht mehr los?
    In anderen Momenten wurde er die qualvolle Fantasie nicht los, wie die Mutter ihn voller Lust unter halb geschlossenen Lidern

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