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Breakfast on Pluto

Breakfast on Pluto

Titel: Breakfast on Pluto
Autoren: Patrick McCabe
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und ein altes Haarnetz zu beschaffen, das, wenn man die Haare darunterstopfte, wie eine Handvoll unordentlicher Kaninchenköttel aussah. Das alles diente einem einzigen Zweck – den Schwänzen all derer, deren Pflicht es war, das Knie zu beugen und schwarze Serge zu tragen, klarzumachen: »Heute keine Pimmel! Fort mit euch und sprecht eure Gebete, denn auf so ‘ne Mädchen steht kein kleiner Mann!« So gefühllos sich das anhören mag, aber den kleinen Steppke in diese speckbrutzelnden Damen einzuführen – also, das war einfach nicht angesagt! Das würdet ihr nicht hinkriegen, ihr Lieben! »Rein mit dir!« ruft ihr eurem Petermann zu, aber ich frage euch – schafft ihr’s wirklich?
    Wir wollen uns für einen Moment dem melancholischen Laut zuwenden, der oft in entscheidenden Momenten in Zeichentrickfilmen zu hören ist: Alle Anstrengungen Toms, des jammervollen Katers, führen trotz harter Arbeit und ganzen Sturzbächen von Schweiß zu nichts – doch, zu etwas schon, da ist er ja, sein Leib vom Scheitel bis zur Sohle zusammengepreßt, drangsaliert, seine ramponierte Seele völlig aufgelöst, und gerade als er glaubt, daß ihm kein weiteres Mißgeschick mehr widerfahren kann, findet er sich plötzlich unter einem großen Amboß wieder, der in mörderischem Tempo auf ihn herniederstürzt, um seinen armen, verwirrten Kopf plattzudrücken. Was ist das für ein Laut, den wir da vernehmen? Der genau zu dem Abschlaffen des Schwengels paßt, das Geistlichen mit Haushälterinnen landauf, landab so vertraut ist? Drei ächzende Töne, auf einem Cello gespielt – uuaah, uuaah, uuaah! – und Herr Krabbe, unser Pimmelmännchen, macht flupsch!
    Hätte man jedenfalls meinen sollen! Doch was, wenn das nicht geschieht und in der schwarzen Hose ein Aufruhr losbricht? Nein! Das kann doch nicht wahr sein! Burzel ist listig, Burzel ist dreist, aber knittrige alte Hauskittel, Schlurfpantinen und Strümpfe wie abgestandenener Tee müßten doch dafür sorgen, daß er sich benimmt und hübsch dort bleibt, wo er hingehört!
    Genau das denkt sich auch unser Held. Und denkt es auch während des Frühstücks noch, das er voller Hochgenuß verzehrt. Nur zuweilen hält er inne und bemerkt gönnerhaft: »Gott, das sind ja wirklich großartige Würstchen!« und »Für noch so ‘ne gebratene Scheibe Brot würde ich ins Gefängnis gehen!« Und denkt die ganze Zeit, welch ein Glück er hat, für die indisponierte Mrs. McGlynn so kurzfristig einen so ausgezeichneten Ersatz gefunden zu haben. »Ah, Mrs. McGlynn«, sagt Vater Ben. »Gott schütze sie! Ist vor dem Tor von Pat McCrudden ausgerutscht und hingeschlagen!« Dabei spießt er, zufrieden in sich hineinlächelnd, mit der Gabel eine Scheibe knusprigen Frühstücksspecks auf.
    Natürlich ist seine neue Haushälterin vor Freude ganz außer sich! Wie denn auch nicht? Schließlich kann sie sich von dem Zusatzverdienst nicht nur die neueste Platte von Perry Como kaufen, sondern vielleicht auch – falls Mrs. McGlynn (»Gott verzeihe mir!« flüstert sie leise) lange genug krank ist – die LP mit der kompletten Filmmusik von South Pacific! Ihr könnt euch kaum vorstellen, daß in der gewöhnlichen, unauffälligen Pfarrei eines kleinen irischen Dorfes, von dem noch nie jemand gehört hat, die Sonne aufgeht und der Gesang der Engel die Luft erfüllt, wenn jemand an etwas so Unbedeutendes denkt, doch in diesem Augenblick wäre es beinahe passiert: An ihrem ersten Vormittag in Vater Bernard McIvors Küche wedelte seine neue Haushälterin mit den Armen und sah sich, einen Strohhut auf dem Kopf, über den Sandstrand hüpfen, und Rosanno Brazzi ruft hinter ihr her: »Warte auf mich! Nun warte doch auf mich, du dummes Gör!«
    Was geschehen wäre, wenn sie sich nicht, um Vater Bernard noch ein paar Speckscheiben zu servieren, vornübergebeugt hätte – wobei ihr Hauskittel und ihr Rock ein wenig hochrutschten, nicht viel, aber doch ausreichend –, wird für immer reine Spekulation bleiben. War sie sich der rasanten Entwicklungen bewußt, die dieses kleine Versehen ihrerseits auslöste – daß im körnigen Sonnenlicht das Strumpfband eines weißen Hüfthalters schimmerte? Aber natürlich war sie’s! Weswegen sie äußerte: »Hoppla! Mein Rock und mein Hauskittel sind hochgerutscht! Lieber brechen wir diese Tätigkeit sofort ab, sonst explodiert uns noch unser Geistlicher, der dank Gott weiß wie vielen Jahren der Enthaltsamkeit die Luft mit aufgestauter sexueller Energie erfüllt!«
    O ja –

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