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Breakfast on Pluto

Breakfast on Pluto

Titel: Breakfast on Pluto
Autoren: Patrick McCabe
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kriegte ich davon nichts mit, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt war, mich mit Schnurres’ Lippenstift anzumalen (ob ihr’s glaubt oder nicht, Cutex Korallenrot!), dem Spiegel »Hallo, Patricia!« zuzuflöten und so zu tun, als würde ich mit Efrem Zimbalist jr. tanzen!
    Den ich natürlich kaum kannte, außer, daß ich ihn ein- oder zweimal in Modern Screen gesehen hatte und mir sein Anblick gefiel – außerdem fand ich den Namen voll original! Und sagte hocherfreut: »O ja!«, als er mit rauher Stimme stöhnte: »Ein Tänzchen gefällig, süße Patricia?«
    Als wir im Takt zu meinem Lieblingssong Son of a Preacher Man – was denn sonst, ihr Lieben? – herumwirbelten und Efrem säuselte: »The only one who could ever teach me was the…« – genau in dem Moment wurde die Tür aufgerissen (die mußten gehört haben, wie ich mitträllerte!), und wer steht da? Niemand anders als Caroline, die jammert: »Mein Kleid! Der hat mein Lieblingskleid an!« und ‘ne ganz schöne Show abzieht, ich muß schon sagen (Achtung, Efrem! Wir habend hier mit einer oscarreifen Vorstellung zu tun!), und Schnurres packt mich, fängt an zu keifen und mich, ob ihr’s glaubt oder nicht, zu verprügeln, und sagt, jetzt reicht’s aber, jetzt ist endgültig Schluß – und dann bricht sie doch, könnt ihr euch das vorstellen?, hemmungslos in Tränen aus!

Viertes Kapitel
    Mrs. O’Hares Unterwäsche
     
     
     
    Eine Situation, die, wie ich zugeben muß – und ich bin überhaupt nicht stolz darauf –, nicht dadurch besser wurde, daß ich versprach, es nie wieder zu tun, weil das Carolines Sachen waren und ich kein Recht hatte, sie anzuziehen, mich jedoch ein paar Tage später hinausschlich und Mrs. O’Hares Unterwäsche von der Wäscheleine stibitzte, und zwar weil ich mit Lome Greene aus Bonanza tanzen wollte! Fragt mich nicht, weshalb ausgerechnet mit dem, ob’s sein elegantes graumeliertes Haar war oder was, ich weiß es nicht – ich weiß nur, daß jemand mich gesehen hatte, wie ich über den Zaun in ihren Garten kletterte, und im nächsten Moment steht O’Hare in der Küche, schüttelt die Fäuste und droht mit der Polizei. Natürlich war das dumm von mir – ich meine, ihr könnt euch vorstellen, wie ich in diesen riesigen Monstrositäten ausgesehen habe! (O’Hare war ein Koloß!) Aber ich war so frustriert – brannte so sehr darauf, mit Efrem zu tanzen, daß ich einfach an nichts anderes denken konnte!
    Natürlich dauerte es nicht lange, bis die ganze Stadt Bescheid wußte, und wenn ich die Straße entlangging, hieß es: »Uh! Ein ganz Ausgekochter!« und »Was für ein niedliches Kerlchen!« Es war sinnlos, denen zu erklären, daß ich überhaupt kein Interesse an Sex hatte und nur wollte, daß Lome oder Efrem zu mir sagten: Siehst du die Ranch? Gehört alles dir! Über die Tür kommt dein Name, Patrick! Von jetzt an gehört alles dir!
    So manche Nacht lag ich da und sann darüber nach, und dann sah ich – fragt mich bloß nicht, warum! – Caroline und Schnurres patschnaß draußen im Regen stehen, und sie fragten: »Können wir reinkommen?«
    Woraufhin ich ein bißchen kicherte, sie betrachtete, die Achseln zuckte und antwortete: »Tut mir leid, Leute! Leider geschlossen!«
    Ach, die arme, alte Schnurres! Was hat sie sich da grün und gelb geärgert!

Fünftes Kapitel
    Willkommen bei der Jukebox-Jury!
     
     
     
    Gewisse andere Leute hingegen wurden sofort in meine gemütliche Behausung eingelassen, kamen hereingestapft und staunten: »Junge, Junge, Braden! Was für eine Bude!«, und ich rief aus: »Hallo, ihr Süßen! Willkommen in meiner Burg, Irwin Kerr und Charlie, liebe Freunde!« und dachte mir immer mehr vornehmen Unsinn aus, bei dem sie mitmachen konnten – und warum? Weil wir nun mal so redeten, hatten wir schon immer. Solange ich zurückdenken konnte, waren sie in der Hundehüttensiedlung vorbeigekommen und hatten Schnurres zur Weißglut gebracht mit ihrer Frage, ob ich zum Spielen rauskomme – Cowboys und Soldaten. Irwin lernte ich kennen, als er um seinen Bruder trauerte, der im Kongo von Balubas verspeist worden war. Tränenüberströmt kam er über den Platz gerannt und wimmerte: »Die Hunde! Die verdammten Sauhunde!« und sagte, jeder von denen müsse sterben. Nur, daß sein Bruder drei Tage später aus Afrika zurückkam und jedem in der Straße einen Elefanten aus Ebenholz mitbrachte. Genauso sorglos wie an dem Tag, als er mit seinem Seesack losgezogen war. »Er war in einer Schlacht, aber…«

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