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Böser Engel

Böser Engel

Titel: Böser Engel
Autoren: George Wethern
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Vorwort
Das Ende der Strasse
    U kiah, Kalifornien, 30. Oktober 1972. Um sechs Uhr morgens umzingelten etwa drei Dutzend Polizisten ein einstöckiges Holzhaus am Fuße eines bewaldeten Berges. Sie kauerten hinter Autos und pressten sich an Baumstämme, legten Pistolen, Gewehre und Flinten an, doch in dem Haus rührte sich nichts – abgesehen von der Rauchfahne, die aus dem Kamin stieg. Also warteten und lauschten sie.
    Als auf einmal schlurfende Schritte im Haus zu hören waren, hob ein Beamter sein Megafon:
    » KOMMEN SIE MIT ERHOBENEN HÄNDEN HERAUS! «
    Die erste Reaktion war ein Papierbeutel, der durch die Tür flog. Dann trampelte ein über 120 Kilo schwerer Mann mit hochgestreckten Händen auf die Veranda. »Nicht schießen!«, schrie er. »Meine Familie ist dort drin.«
    George Wethern trat schwerfällig ein paar Schritte vor. Einen Augenblick später stand seine Frau Helen, eine zierliche Person mit Elfengesicht und kurzem, blondem Haar, in seinem Schatten, neben ihr ein pummeliger 9-jähriger Junge und ein 13-jähriges Mädchen. Bundespolizisten sowie Beamte des Bundesstaates und der Stadt umringten sie mit gezogenen Waffen.
    Sie legten den Eltern Handschellen an, dann verlas Jack Nehr von der Drogenbehörde einen Durchsuchungsbefehl, in dem von Drogen, Waffen, Sprengstoff und »Überresten menschlicher Skelette« die Rede war.
    Während seine Familie bewacht wurde und ein Dutzend Polizisten über seine 62 Hektar große Ranch schwärmten, führte Wethern Bombenexperten und einige andere Beamte durch das Haus. Zwei gestohlene Gewehre Kaliber .30 und sieben legale Waffen wurden beschlagnahmt, zusammen mit dem Inhalt der Papiertüte: etwa fünfzig Gramm Metamphetamin, ein Pfund Marihuana, ein paar Seconal 1 -Tabletten und andere Medikamente.
    Später wurde Wethern in das wenige Kilometer entfernte Gefängnis des Bezirks Mendocino gefahren und von Nehr, Bruce True und anderen Beamten verhört. Er gab zu, ein ehemaliges Mitglied des Motorradclubs Hells Angels zu sein, hielt sich jedoch an das Schweigegebot des Clubs und wich Fragen mit Wortspielen und weitschweifigen Erklärungen aus.
    Die Fragen ließen allerdings darauf schließen, dass ein Clubmitglied ihn verraten hatte und ihn ans Messer liefern wollte. Er schnappte nach Luft, als Nehr ganz nüchtern sagte: »Wissen Sie, Tiny ist tot ... Hat seine letzte Bootsfahrt hinter sich. Wurde von Neun-Millimeter-Kugeln durchsiebt. Er hat gequiekt wie ein Schwein.«
    »Tiny« war Michael Walter, ein guter Freund von Wethern und die Nummer zwei der Oakland-Angels. Er war im vorigen Monat verschwunden, hatte aber sein Motorrad und seine gesamte persönliche Habe zurückgelassen. Der Polizeibeamte stellte als Tatsache hin, was er eigentlich nur gehört hatte, aber das wusste Wethern nicht. Dieser war davon überzeugt, dass man ihm einen Mord anhängen wollte, obwohl sein einziges Vergehen darin bestanden hatte, dass er »Sonny« Barger, dem Chef der Angels, einen Gefallen tat, indem er ihm zwei leere Gruben zur Verfügung stellte. Er wusste nicht einmal, wie die Toten hießen, die auf seiner Ranch begraben lagen.
    »Davon weiß ich nichts«, sagte er.
    Als der Beamte nachhakte und ihn fragte, ob es auf seiner Ranch Brunnenschächte gebe, war ihm klar, dass die Polizei von den Leichen wusste. Wetherns Familie und sein Leben standen auf dem Spiel. So gab er ein paar Informationen preis ohne Rücksicht darauf, welche Folgen ein Bruch der Schweigepflicht haben konnte. Er holte tief Luft und sagte: »Ich zeige Ihnen die Brunnen.«
    Als sie zur Ranch zurückkehrten, waren bereits Bagger und weitere Maschinen vor dem Haus aufgefahren und hatten zu graben begonnen. Ein Informant hatte der Polizei die Stellen gezeigt. Wethern deutete auf einen Fleck, der 7,5 Meter von der Grube entfernt war, und führte die Beamten nach einigem Herumdrucksen in einen Blumengarten, der nicht weit vom Haus entfernt war.
    Zwei klaffenden Löchern im Boden entstieg der Gestank verwesenden Fleisches. Aus einem 6,70 Meter tiefen, mit Erde gefüllten Schacht wurden die Skelette zweier Männer ausgegraben. Im zweiten Loch befand sich der teilweise mumifizierte Körper einer rothaarigen Frau. Ein Informant hatte berichtet, Tom Shull und Charlie Baker – zwei Biker aus Georgia, die seit über einem Jahr vermisst wurden – seien auf der Ranch begraben worden. Die zwei männlichen Leichen entsprachen exakt der Beschreibung, die nicht identifizierte Frauenleiche dagegen überraschte die Polizisten.
    Die

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