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Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Titel: Blutsverwandte: Thriller (German Edition)
Autoren: Jan Burke
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misstraut.
    Trotzdem konnte er lediglich minimalen Widerstand leisten, als ihn Cleo zum Schreibtisch zurückdrängte. Danach überfiel Richard eine zweite Woge der Beklommenheit, doch dann setzte die Wirkung des Mittels voll ein, und er verlor das Bewusstsein, als er aufstehen wollte. Es war Richards letzter Akt der Höflichkeit – so brauchte sie ihn nicht umzulagern.
    Also. Ein gewisses Maß an Angst, aber keine Schmerzen.
    Cleo hatte dafür gesorgt, dass die Schläge die Einstichstelle zerstörten. Es bestand ein gewisses Risiko, dass eine toxikologische Untersuchung angeordnet würde, doch selbst wenn die Untersuchungsergebnisse die Substanz zutage förderten, die sie verwendet hatte (höchst unwahrscheinlich), könnte niemand sie zu ihr zurückverfolgen. Und die Kleider, die sie während des Mordes getragen hatte, gehörten ihr nicht.
    Cleo trat aus der Dusche, trocknete sich ab und zog ein Paar Herrensocken an, ehe sie mit nagelneuen, noch nie von ihr benutzten Handtüchern sämtliche Flächen der Duschkabine und alles, was sie sonst noch im Badezimmer berührt haben könnte, abwischte.
    Dann schlüpfte sie in neue Herrenkleidung. Die Handtücher kamen zu der Spritze, den Handschuhen und den Überschuhen in die Plastiktüte. Ein paar Momente brauchte sie noch, um die Szenerie zu studieren und sich zu vergewissern, dass ausschließlich die erwünschten Indizien zurückblieben.
    Sie sah auf die Uhr. Noch zwei Stunden, bis eine Entdeckung wahrscheinlich war. Doch man durfte sich nie darauf verlassen, dass alles glattging.
    Sie montierte das tragbare Schloss mit der Alarmvorrichtung ab und warf einen letzten Blick auf Richard. Nach einem stillen Abschiedsgruß zog sie die Tür hinter sich zu und schloss sie mit einem Schlüssel ab, den sie von Richards Schlüsselbund gelöst hatte. Seine Kunden rechneten sicher nicht damit, zum Zeitpunkt ihres Termins vor verschlossenen Türen zu stehen. Falls sie verärgert statt besorgt reagierten und in dem Glauben davonstürmten, Richard habe ihre Verabredung vergessen, bekäme sie noch ein bisschen mehr Vorsprung.
    Doch irgendwann würde man die Leiche finden.
    Sie hatte keine Zeit zu verlieren. Vor ihr lag ein arbeitsreicher Tag.
    Außerdem wollte sie eine Zigarette. Sie war eigentlich keine Raucherin, doch ein Mord machte ihr Lust, sich eine anzustecken.
    Ihr war völlig klar, was ein Psychiater dazu sagen würde.

2. KAPITEL
     
    DIENSTAG, 9. MAI, 09:05 UHR LAS PIERNAS
     
    »Entschuldige mich bitte, Dad«, sagte Giles Fletcher und stand auf, um einen Anruf auf seinem Mobiltelefon entgegenzunehmen.
    »Was für eine Unhöflichkeit«, murmelte seine Schwester Edith.
    Graydon Fletcher lehnte sich lediglich in seinem weichen, dick gepolsterten Sessel zurück, der im sonnigsten der vielen Zimmer seiner Villa stand, und musterte die beiden erwachsenen Kinder mittleren Alters, die gerade bei ihm waren.
    Durch die Terrassentüren gegenüber dem Sessel blickte er auf einen der schönsten Gärten seines Anwesens. Giles sagte »Einen Moment bitte« zu seinem Anrufer und trat hinaus. Er schloss die Tür hinter sich und nahm mit angespannter Miene das Gespräch wieder auf.
    Edith war die Gestalterin und Hüterin des Gartens, vor dem Giles nun auf und ab ging. Gestalterin, sinnierte Graydon, war nicht das richtige Wort. Schöpferin vielleicht. Der Garten war ihre Idee gewesen.
    Mit seinem wilden Durcheinander von Pflanzen war er zum Garten der Kinder geworden. Im Lauf der Jahre durften sämtliche von Graydons Kindern, Enkeln oder Urenkeln eine Blume, ein Gemüse oder irgendein anderes Gewächs dort anpflanzen, ohne dass es nennenswerte Einschränkungen gegeben hätte: Man durfte nur die Pflanze eines anderen Kindes nicht beschädigen und weder etwas Illegales anpflanzen noch etwas, das für die Kinder und Haustiere der Familie Fletcher irgendeine Vergiftungsgefahr barg.
    Der Garten der Kinder blühte in farbenfrohem Chaos, einem Chaos, das Edith mehr Arbeit machte als die ordentlicheren Gärten auf dem Anwesen und das Gewächshaus, und doch beklagte sie sich nie. In Graydons Augen steigerten Pflanzen, die an sich als recht unansehnlich galten, irgendwie die Schönheit des Gesamteindrucks. Edith, die weder leibliche noch adoptierte Kinder hatte, widmete jeder Pflanze in seinem Garten die gleiche liebevolle Zuwendung.
    Graydon fand ihre Gegenwart beruhigend.
    Weitaus beruhigender als die seines ältesten Sohnes Giles. Er sah ihn selten so aufgeregt. Giles, der so intelligent und ehrgeizig

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