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Blutige Rache: Wegners schwerste Fälle (German Edition)

Blutige Rache: Wegners schwerste Fälle (German Edition)

Titel: Blutige Rache: Wegners schwerste Fälle (German Edition)
Autoren: Thomas Herzberg
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garantieren. Die meisten der im Ansatz zweifelhaften oder sogar kriminellen Internet-Portale bedienen sich dieser einfachen Schutzmechanismen. Aus finanzieller Not heraus hat sich manch kleines Land bereits vor vielen Jahren dazu entschlossen, seine Domain-Hoheit aufzugeben und diese stattdessen in klingende Münze umzuwandeln.
    Jetzt öffnete sich die Konsole der Webseite und Robert Falke konnte erkennen, dass sich allein über Nacht fast dreißig neue User angemeldet hatten. Alle erfüllten die Voraussetzungen, welche nur aus zwei zwingend erforderlichen Dingen bestanden: Das Alter musste unter vierzehn liegen und jeder Nutzer musste eine allgemeinbildende Schule besuchen. Weiter nichts!
    Einen Mausklick später konnten sich die Bewerber auch schon über ihre Zugehörigkeit in dieser Gruppe freuen und Falke würde sie, zumindest erfahrungsgemäß, im Laufe der nächsten Abende in allen Foren der Seite wiederentdecken.
    Er öffnete ein weiteres Browser-Fenster und studierte die Nachrichten. Heute, bereits zwei Tage nach dem grauenhaften Mord an einem Hamburger Schüler, waren Berichte um diese Tat längst in den mittleren Bereich der Schlagzeilen verschwunden. »Die Polizei wisse um den Täter ...«, hieß es dort aus zuverlässiger Quelle in einer Mitteilung vom selben Morgen.
    Aus Gründen des Jugendschutzes hatte die Presse vollständig auf Fotos vom Tatort verzichtet. Stattdessen waren Bilder fassungsloser Mitschüler und empörter Eltern zu finden, die sich in schillernden Farben über das vorgefundene Grauen äußerten. Zweifel am System allgemein, insbesondere aber an der Schule und deren Leiter, wurden von Tag zu Tag lauter.
    »Man hätte so etwas verhindern können und müssen ...«, bemerkte ein Vater entrüstet.
    »Mobbing ist ein Thema, das uns alle angeht ...«, kommentierte eine Mutter weinend vor laufender Kamera.
     
    Drei Wochen lang hatte Falke mit Felix, seinem ersten Jünger, rege Mails gewechselt. Immer aussichtsloser und verzweifelter hatte der Junge die täglichen Peinigungen beschrieben. Seine Mitschüler, allen voran ein gewisser Thomas, trieben es von Tag zu Tag rücksichtsloser und brutaler mit ihm. Je mehr er ihnen auszuweichen versuchte, desto hartnäckiger waren sie hinter ihm her. Fanden immer größere Freude an zunehmend ausgefalleneren Folterungen.
    Als Gabriel, so nannte Falke sich als Administrator der Blutigen Rache, ihm daraufhin seine Hilfe anbot, lief es schnell auf die finale Lösung hinaus, deren Ende Thomas` qualvollen Tod bedeutete. Anstatt auf Entrüstung, Furcht oder sogar Protest zu stoßen, hatte Falke bald bemerkt, dass Felix über diese Endlösung schon lange nachdachte. Kurze Zeit später bestanden ihre Mails dann bereits aus Planungen, wann und wie sie gemeinsam den Dingen ein Ende bereiten würden. Felix versorgte Falke mit Details rund um die Schule und die dort vorhandenen Gegebenheiten. Im Gegenzug erhielt der Junge immer genauere Pläne zur bevorstehenden Tat, die ihn und sein Leben gründlich verändern sollte.
    Dass es sich bei dem ersten Tatort ausgerechnet um eine Gemeinschaftsschule in nur zehn Minuten Entfernung von Falkes Wohnung handelte, war ein willkommener Zufall. Auch wenn es ihm keineswegs an Geld mangelte, so waren ihm seine Ortskenntnisse bei der Planung dieser »Premiere« doch mehr als hilfreich.
    Förmlich entgegengefiebert hatten sie dann dem Tag, der das Leben beider grundlegend verändern sollte. Falke hatte Thomas nach dem Konfirmandenunterricht abgefangen und ihn danach eiligst in die vereinbarte Turnhalle verfrachtet. Sie hatten es minutiös geplant und waren sich darüber einig, dass schon ein paar Stunden an der Reckstange, als Vorstufe, zu grauenvollen Qualen beitragen dürften.
    Falke war dann von der Turnhalle aus direkt nachhause gefahren. Gespannt wartete er auf Nachrichten, die über einen grauenhaften Mord in einer Hamburger Gemeinschaftsschule berichteten. Als er am Morgen danach die Konsole der Webseite öffnete, blinkte bereits ein Umschlag in seinem Postfach. Stolz beschrieb Felix sämtliche Einzelheiten seiner Tat und beendete die Zeilen mit einem Smiley, der die Faust emporregte.
     
    Am Abend zuvor hatte Falke dem Jungen noch eine umfangreiche Abhandlung über die juristische Strafmündigkeit geschickt. Im gleichen Zuge hatte er den Text auch auf der Webseite veröffentlicht, damit jeder User dieses Wissen teilte. Felix hatte es nur kurz kommentiert und ihn darüber informiert, dass er sich weder vor der Polizei noch der

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