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Blütenzauber und Liebeswunder: Roman (German Edition)

Blütenzauber und Liebeswunder: Roman (German Edition)

Titel: Blütenzauber und Liebeswunder: Roman (German Edition)
Autoren: Christina Jones
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1. Kapitel
    »… und Francesca Angelina Maud Meredith vermache ich mein …«
    »Warte mal, Rita.« Frankie Meredith saß auf der breiten, auf Hochglanz polierten hölzernen Theke von Ritas kleinem Laden Rent-a-Frock , Ritas Gewandverleih. »Ich glaub, ich hab da einen klitzekleinen Fehler entdeckt.«
    »Ach ja?« Rita, Frankies Freundin und Arbeitgeberin in den besten Jahren, tänzelte in einem zu engen und zu kurzen scharlachroten seidenen Flamencokleid zwischen den klaustrophobisch vollgestopften Kleiderständern hin und her. »Und der wäre?«
    »Du kannst mir nichts vermachen. Du bist doch nicht tot.«
    »Scharf beobachtet, Liebes. Dir entgeht aber auch nichts.« Klein und untersetzt wie sie war, vollführte Rita einen unbeholfenen gespielten Knicks. »Aber tot sein oder nicht spielt eigentlich gar keine Rolle.«
    »Ach nein? Ich dachte immer, tot sein wäre eine entscheidende Voraussetzung, um jemandem etwas zu vermachen. Und nehmen wir dieses Kleid jetzt in den Warenbestand auf, oder behältst du es?«
    Rita glättete die wilden Wellen scharlachroter Seide. »Sosehr es mir auch gefällt, wird es leider, leider unter den gegebenen Umständen nach der Reinigung in den Bestand übergehen müssen. Ich versuche mich von allem Ballast zu befreien – daher die Vermächtnisse. Und auch wenn es ein wirklich schönes Kleid ist, ist es doch ein klein bisschen zu eng.«
    Dazu sagte Frankie diplomatischerweise nichts. Das Kleid, von einer der feineren Damen aus Kingston Dapple gespendet, entsprach wahrscheinlich einer kleinen Größe achtunddreißig, Rita jedoch ganz gewiss nicht.
    In Rita’s Rent-a-Frock war es an diesem kalten grauen Herbstnachmittag gemütlich warm, und Rita gab sich ihrer Lieblingsbeschäftigung hin, nämlich während der kundenfreien Pausen die neu gespendeten Kleider anzuprobieren. Frankie hielt das fiktive Vererben für ein ebenfalls zum Zeitvertreib erfundenes neues Spiel.
    »Wie auch immer«, fuhr Rita fort und wuschelte sich durch die kräftig mit Henna gefärbten Haare, »zu meinem Feuerschopf ist Rot ja nicht wirklich ideal, stimmt’s? Dir steht Rot viel besser. Du kannst Rot gut tragen als dunkler und dramatischer Typ und bei deiner Ähnlichkeit mit Joan Rivers.«
    »Was?«
    »Aber ja, Liebes. Das weißt du doch. Das haben schon viele Leute gesagt.«
    »Haben sie? Lieber Himmel … Tja, okay, die ist sehr elegant, aber sie ist auch etwa vier Jahrzehnte älter als ich und blond und spricht mit amerikanischem Akzent, von ihrer unverblümten Ausdrucksweise mal ganz zu schweigen. Ich weiß nicht, ob wir wirklich viel Ähnlichkeit miteinander haben?«
    »Dann vielleicht doch nicht.« Rita zog ein zweifelndes Gesicht. »Du weißt ja, mit Namen hab ich’s nicht so … vielleicht war es gar nicht Joan Rivers. Vielleicht meinte ich ja Joan Collins?«
    »Na ja, die ist auch sehr glamourös und immerhin brünett, andererseits auch wieder ein gutes Stück älter als ich.«
    Rita runzelte die Stirn. »Ja, okay – du weißt ja, mit Promis kenne ich mich nicht so aus. Ach, an wen dachte ich bloß?«
    »Claudia Winkelman?«, fragte Frankie hoffnungsvoll. Auf eine entfernte Ähnlichkeit mit der Fernsehmoderatorin hatte man sie schmeichelhafterweise bereits hingewiesen. Vor allem was die Haare betraf.
    »Wer?« Rita schüttelte den Kopf. »Nein, die meine ich bestimmt nicht. Du siehst aus wie eine berühmte Joan. Das sagt Brian vom Kebabwagen auch immer.«
    Frankie lachte. Brian vom Kebabwagen redete viel, wenn der Tag lang war. Und viel Unsinn.
    »Brian sagt«, fuhr Rita fort, »du erinnerst ihn an diese schwarzhaarige Rock-’n’-Roll-Frau, die aussieht wie Alice Cooper, nur sehr viel hübscher und mit langen Stirnfransen und mehr Make-up und …«
    »Du meinst Joan Jett ?« Frankie seufzte. »Ach, schön wär’s ja … Okay, unsere Haare sind einigermaßen ähnlich, und es besteht eine gewisse äußere Ähnlichkeit, aber in Lederklamotten würde ich furchtbar aussehen – und um mich genauer und wahrheitsgemäßer zu beschreiben, müsstest du noch lang und schlaksig hinzufügen.«
    »Du magst ja groß sein und eher dünn, aber so sehen die bestbezahlten Laufstegmodels auch aus, und von denen beklagt sich keine darüber, oder? Und nichts gegen diesen nostalgischen Rockermädchen-Look, meine Liebe. Der ist wirklich erfrischend bei all den geklonten solariumbraunen Fußballerbräuten. Diese Haartracht und deine Panda-Augen werden bald ein Comeback feiern, wart’s nur ab.«
    »Du sagst ja die nettesten

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