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Blond und gefährlich

Blond und gefährlich

Titel: Blond und gefährlich
Autoren: Carter Brown
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E RSTES
KAPITEL
     
    U ngefähr dreißig Meter bevor die
Old Canyon Road vor einer Felswand ein jähes Ende nahm, führte eine ungeteerte
Straße nach rechts ab. Ich bog mit dem Austin Healey ein und verlangsamte das
Tempo bis zu vorsichtiger Schrittgeschwindigkeit, als mir die tiefen
Wagenspuren beinahe die Rückenwirbel ausrenkten. Und dann brach plötzlich die
Hölle los.
    Ein durchdringender Schrei ließ
meine Nervenenden vibrieren; und im nächsten Augenblick erschien mit wildem
Blick ein blondes Mädchen im Licht der beiden Scheinwerfer. Ich bremste, hielt
an, stieg aus und ging zu ihr hin. Sie rannte weiter, bis sie mit einem
beträchtlichen Aufprall in meinen Armen landete.
    »Es ist alles okay«, sagte ich
mit beruhigender Stimme. »Ich weiß, Sie werden mir’s nicht glauben, aber ich bin ein Polyp.«
    »Es ist Glenn.« Ein
schnatternder Ton drang tief aus ihrer Kehle. »Jemand hat ihn umgebracht.«
    Ihre Augen rollten aufwärts,
als sie sich durch eine Ohnmacht ihrem seelischen Schock entzog; ihr Körper
wurde schlaff und entglitt meinen Armen genau in dem Augenblick, als ein Gewehrschuß die Nachtluft erschütterte. Im Bruchteil einer
Sekunde später gesellte ich mich zu der mit ausgestreckten Gliedern auf der
Erde liegenden Blonden, mir vage bewußt werdend, daß das Geräusch splitterndes
Glases von einer Scheinwerferlampe herrührte, die jetzt dunkel war. Ein zweiter
Schuß krachte. Und da nunmehr beide Lampen aus waren, herrschte absolute
Dunkelheit.
    Ich überlegte, daß es ausgesprochen
intelligent gewesen wäre, nun sofort nach dem unbekannten Scharfschützen
Ausschau zu halten — ungefähr ebenso intelligent, wie mit spaßeshalber
zugebundenen Augen in einen Käfig mit verhungernden Löwen zu treten. Also blieb
ich tapfer, wo ich war, nämlich flach auf dem Boden. Nach, wie mir schien,
einer Ewigkeit, in der gar nichts geschah, erhellten sich plötzlich die Fenster
des Hauses über mir. Meine Rückennerven zuckten nervös, während ich mich
fragte, ob das vielleicht die Methode des Scharfschützen war, anzukündigen, daß
er nun bereit sei, Besuch zu empfangen. Ungefähr eine halbe Minute später wurde
irgendwo in der Dunkelheit ein Wagenmotor angelassen. Als ich schließlich
aufgestanden war, verschwand das Geräusch bereits in der Ferne. Ich hob das
schlaffe blonde Mädchen auf und trug es auf das Haus zu.
    Die Eingangstür stand weit
offen, und so ging ich hindurch bis ins Wohnzimmer und ließ die Dame auf die
Couch plumpsen. Hinten in einer mit Leder ausgepolsterten Bar fand ich eine
Flasche Whisky, goß zwei Gläser ein und leerte das eine mit drei Schlucken. Als
ich zur Couch zurückkehrte, hatte sich die Blonde inzwischen zum Sitzen aufgerichtet
und beobachtete mich mit einem Ausdruck der Panik in den großen blauen Augen.
    »Ich bin Lieutenant Wheeler«,
sagte ich, »vom Büro des Sheriffs.«
    »Gott sei Dank!« Ihr Gesicht
erstarrte plötzlich. »Diese Schüsse — haben Sie ihn erwischt?«
    »Erwarten Sie für mein Gehalt
einen Helden?« fragte ich sachlich.
    Sie nahm das Glas, das ich ihr
hinhielt, und nippte langsam daran, was mir Gelegenheit bot, sie ausgiebig zu
betrachten. Das weizenblonde Haar war ganz kurz geschnitten — so wie
üblicherweise das eines Mannes — und betonte dadurch die hervorstehenden
Backenknochen und die feste Kinnlinie. Ich schätzte sie um die Dreißig herum;
der mit reichlich Sex ausgestattete Typ einer großen mageren Blonden, von der
Sorte, die immer superbe Beine hat. Der hellorangenfarbene Pullover saß
ausreichend knapp, um die horizontale Hügellinie ihrer kleinen Brüste
hervorzuheben, und die weiße Wollhose schmiegte sich liebevoll um die schmalen
Hüften und die langen schlanken Beine. Sie trug einen Platinring am dritten
Finger ihrer linken Hand.
    »Danke.« Sie reichte mir das
leere Glas. »Ich habe immer noch das Gefühl, mich inmitten eines schrecklichen
Alptraums zu befinden, Lieutenant. Als ich ins Atelier trat und Glenn dort
liegen sah...« Sie schauderte plötzlich. »Ich glaube, ich bin völlig in Panik
geraten.«
    »Ist Glenn Ihr Mann?« fragte
ich höflich.
    »Ich bin Iris Mercer.« Ihre
Wangen färbten sich plötzlich rosa. »Glenn war — na ja — ein Freund.«
    »Wo ist das Atelier?«
    »Hinter dem Durchgang.« Sie
deutete mit einem langen Zeigefinger. »Haben Sie was dagegen, wenn ich nicht
mitgehe? Ich könnte es nicht ertragen, Glenn noch einmal zu sehen, jedenfalls
nicht so!«
    »Klar!« sagte ich. »Warten Sie
hier.«
    Ich

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