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Bitte nicht füttern: Roman (Piper Taschenbuch) (German Edition)

Bitte nicht füttern: Roman (Piper Taschenbuch) (German Edition)

Titel: Bitte nicht füttern: Roman (Piper Taschenbuch) (German Edition)
Autoren: Sarah Harvey
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zu.
    »Bis morgen«, hauchte er.
    »Bis morgen«, seufzte Linda in sich hinein. Morgen würde sie einen weiteren Versuch starten und ihm endlich zu verstehen geben, dass ... Auch wenn sie dafür die Samthandschuhe ausziehen und mit der Vorschlaghammermethode vorgehen müsste.
    Oder sollte sie besser vorgeben, ins Kloster gehen zu wollen?
    Sie könnte Ordenstracht und Rosenkranz anlegen, sich von allen verabschieden und dann das Kloster durch die Hintertür wieder verlassen und zum Flughafen düsen.
    Lindas zweite Schwester Inez wartete vor Lindas Zimmer auf sie.
    Sie hatte sie vom Fenster aus beobachtet.
    »Erstaunlich, dass Papá euch nicht ordentlich Gute Nacht sagen lässt, wo er doch gerne so schnell wie möglich achttausend Enkelkinder hätte ...«, grinste sie.
    »Ich wollte gar nicht Gute Nacht sagen.« Seufzend ließ sich Linda aufs Bett sinken und zog die Schuhe aus. »Ich wollte mich von ihm verabschieden.«
    »Verabschieden?«
    »Ja, verabschieden. Goodbye! Auf Nimmerwiedersehen! Farvel! Adios, muchacho!«
    »Das ist nicht dein Ernst! Wieso willst du denn so grausam sein?«
    »Grausam? Ich möchte ihm einen Gefallen tun!«
    »Einen Gefallen ...?!?«
    »Ja! Er will eine feste Beziehung ...«
    »Oh mein Gott! Ein Mann, der sich binden will!« Mit einem entsetzten Quieken schlug Inez die Hände vors Gesicht. »Du Ärmste! Und das passiert ausgerechnet dir! Ein Mann, der es ernst mit dir meint! Das ist ja schrecklich!!«
    »Brauchst mich gar nicht so zu veräppeln, Schwesterherz. Du weißt genau, dass ich noch nicht so weit bin. Ich möchte erst mal was von der Welt sehen ...«
    »Ich glaube nicht, dass Javier der Einzige ist, der versuchen wird, das zu verhindern.« Sie warf einen eindeutigen Blick in Richtung Elternschlafzimmer. »Ich könnte mir vorstellen, dass es da noch einen Herrn gibt, der zu deinem Plan, allein in die Welt hinauszuspazieren, ein paar Takte zu sagen hätte.«
    »Ich möchte reisen, Inez. Nur reisen. Wie Hunderte, ach was, Tausende anderer Mädchen in meinem Alter auch.« Ihre Miene erhellte sich. »Hey, komm doch mit! Wenn wir zusammen losziehen, findet er es bestimmt gar nicht so schlimm!«
    Doch Inez schüttelte bereits den Kopf.
    »Nur, weil du es hier nicht mehr aushältst, liebes Schwesterherz, heißt das noch lange nicht, dass auch ich von hier wegwill. Im Gegenteil. Ich habe eine Arbeit, die mir Spaß macht und gut bezahlt ist, ich wohne ganz hervorragend und muss selbst mit fünfundzwanzig noch keine Miete zahlen, und ich habe alle meine Lieben um mich herum. Mir könnte es nicht besser gehen. Es sei denn, du wolltest vielleicht deinen Javier an mich abtreten, das wäre dann das i-Tüpfelchen ... Ich versteh wirklich nicht, dass du ihn loswerden willst, Linda. Der Typ ist doch großartig!«
    »Findest du?«
    »Aber hallo.«
    »Kannst ihn haben. Ist mein Abschiedsgeschenk für dich.«
    »Wenn es doch nur so einfach wäre.« Seufzend legte sich Inez auf das Bett ihrer Schwester und fing an zu träumen. »Wenn man die Gefühle eines Menschen so einfach in eine Schachtel packen, eine Schleife drumbinden und in das Herz eines anderen legen könnte.«
    »Na ja ...« Linda dachte nach. »Mir geht gerade so durch den Kopf ... Vielleicht könnten wir beide uns gegenseitig zu genau dem verhelfen, was unser Herz begehrt ...«
    Inez riss die Augen auf und setzte sich abrupt wieder auf.
    »Und wie soll das gehen?«
    »Na ja. Papá hört doch auf dich. Ständig sagt er, dass du die Vernünftigere von uns beiden bist. Wenn du mir dabei hilfst, Papá davon zu überzeugen, dass es kein Weltuntergang wäre, wenn ich ein Jahr lang reise, dann könnte ich Javier vielleicht mal darauf hinweisen, wie ähnlich wir beide uns in Wirklichkeit sind. Und dass er sämtliche Eigenschaften, die er an mir so liebenswert findet, auch bei dir finden wird – mit einem für sein eigenes Glück ganz entscheidenden Unterschied ...«
    »Nämlich?«
    »Dass du ihn haben willst und ich nicht.«
    Inez’ Mundwinkel zuckten nach oben. »Ja, doch, in der Tat. Das ist ein entscheidender Unterschied. Der arme Javier. Jetzt sitzen wir hier und verschachern sein Herz ...«
    »Heißt das, du schlägst ein?« Linda streckte die Hand aus.
    Inez dachte an Javiers große dunkle Augen und seinen schönen Mund.
    Dann schlug sie ein.

– 2 –
    Es war ein kulinarisches Meisterwerk: das Soufflé aus vier Käsesorten.
    Wunderschön und golden zuckte es, als sei es lebendig, und dampfte so aromatisch, dass jedem im Umkreis von zehn

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