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Bille und Zottel 08 - Ein Filmstar mit vier Beinen

Bille und Zottel 08 - Ein Filmstar mit vier Beinen

Titel: Bille und Zottel 08 - Ein Filmstar mit vier Beinen
Autoren: Tina Caspari
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Hochbetrieb in Groß- Willmsdorf

    „Vorsicht, der beißt!“
    Bille, die vom Fahrrad gesprungen und an die Koppel getreten war, sah sich erstaunt um. Sie hatte den jungen Mann im graublauen Arbeitsanzug gar nicht bemerkt, der da schräg hinter ihr stand und mit dem Ausdruck lässiger Überlegenheit an seiner Zigarette zog.
    „Ach ja?“
    Sie bemühte sich, ihr Lächeln vor dem Fremden zu verbergen und sah auf Black Arrow, der ungeduldig mit dem Kopf schlug, weil er auf seinen Zucker wartete.
    „Sie verstehen wohl was von Pferden?“ fragte Bille mit naivem Augenaufschlag.
    „Klar doch“, sagte der Jüngling. „Vor dem da muß man sichin acht nehmen, ein Teufel ist das!“
    „Hat er Ihnen was getan?“
    „Mir doch nicht — ich kenne mich schließlich aus!“ Der junge Arbeiter warf die Zigarette vor sich auf den Boden und trat verächtlich darauf herum. „Aber für Mädchen ist das nichts. Ehe du dich recht versiehst, hat er zugeschnappt, und die Hand ist weg!“
    „Ach, wirklich?“ Bille konnte sich das Lachen nur mühsam verkneifen. „Und Sie meinen, ich kann ihn nicht mal streicheln?“
    „Unmöglich! Der Bursche ist gefährlich!“
    „Wohnen Sie hier?“
    „Nur vorübergehend. Gehöre zu der Bauarbeiter-Kolonne, die auf dem Gut hier die Umbauten des Pferdestalls erledigt“, sagte der Jüngling hochnäsig. „Äußerst schwieriger Auftrag, das. Da braucht man allererste Fachkräfte.“
    „Aha. Und das sind Sie.“
    „Logisch.“
    „Wenn Sie so viel von Pferden verstehen, dann sind Sie sicher auch ein sehr guter Reiter, nicht wahr?“
    Ja...“
    „Das muß für Sie doch der ideale Arbeitsplatz sein — zwischen so vielen herrlichen Pferden!“
    „Wieso?“
    „Nun, Sie als Pferdekenner und Reiter.“
    „Ja ja , sicher“, murmelte der Mann, halb geschmeichelt, halb mißtrauisch. „Bist du vom Gut hier?“
    „O nein“, Bille ritt der Teufel, „ich bin hier nur Gast.“
    „Dachte ich’s doch. Nur für die Ferien, wie?“ Der junge Arbeiter schien erleichtert zu sein. „Und da willst du dir mal so ein Pferd in natura ansehen. Kennst sie sicher nur aus Büchern, hab ich recht?“
    „Auch aus Büchern“, antwortete Bille ausweichend. „Und Sie meinen, es ist gefährlich, dem da Zucker zu geben? Ich sollte mich lieber nicht trauen? Aber Sie trauen sich, ja?“
    „Hab ich doch schon gesagt — das ist ein Teufel! Vor dem muß man sich in acht nehmen. Siehst du ja auch schon — so kohlrabenschwarz! Und wie wild der guckt, richtig böse!“
    Kein Wunder, dachte Bille, er ist sauer auf mich, weil er genau weiß, daß ich Zucker für ihn in der Hosentasche habe. Aber diesen Angeber hier muß ich noch ein bißchen schmoren lassen.
    „Würden Sie’s für mich versuchen?“ fragte Bille liebenswürdig und reichte dem jungen Mann ein Stück Zucker. „Sie verstehen doch was von Pferden, Ihnen tut er sicher nichts.“
    Der junge Arbeiter schaute ein bißchen unsicher, nahm aber dann doch zögernd das Stück Zucker aus Billes Hand. Er holte tief Luft, ging breitbeinig auf Black Arrow zu und stellte sich in Imponierhaltung vor ihm auf. Mit spitzen Fingern näherte er das Stück Zucker dem Koppelzaun. Black Arrow schnaubte, als wolle er sagen: Was soll der Blödsinn! Hast du noch nie einem Pferd Zucker gegeben? Dann schnappte er vorsichtig nach dem Leckerbissen. Vor Schreck ließ der junge Mann den Zuckerwürfel ins Gras fallen.
    „Er mag den Geruch von Zigaretten an meinen Fingern nicht“, entschuldigte er sich schnell.
    „Das wird’s sein, sicher!“ Bille unterdrückte mit Mühe einen Lachkrampf. „Wollen Sie’s noch mal versuchen?“
    „Ein andermal. Muß jetzt wieder an meine Arbeit“, murmelte der Jüngling. „Übrigens — ich heiße Erwin. Falls du mich mal besuchen magst...“
    „Okay, Erwin, wir treffen uns sicher noch.“
    Bille sah ihm nach, bis er hinter den Parkbäumen verschwunden war.
    „Entschuldige, mein Schatz!“ wandte sie sich lachend an den schönen Rappwallach, der ärgerlich mit dem linken Vorderhuf einen Grasballen bearbeitete. „Hier ist dein Zucker. Dem Erwin werden wir wohl heute noch eine kleine Extravorstellung geben. In einer Stunde komme ich und hol dich.“
    Bille schwang sich auf ihr Fahrrad und fuhr zum Pferdestall hinüber. Stirnrunzelnd sah sie auf einen Stapel Baumaterial, der von ein paar Arbeitern in der Mitte des Hofes aufgeschichtet wurde und bereits eine beträchtliche Höhe erreicht hatte.
    Sie mochte nicht daran erinnert werden, daß sich

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