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Bienensterben: Roman (German Edition)

Bienensterben: Roman (German Edition)

Titel: Bienensterben: Roman (German Edition)
Autoren: Lisa O'Donnell
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Klebeband. Der Gefangene will einfach nicht still sein und stammelt allerlei Drohungen und Warnungen. Es ist unumstößlich, ihn zum Schweigen zu bringen. Sonst würde er womöglich den Eisverkäufer auf meine Anwesenheit aufmerksam machen, und das wäre in dieser Situation absolut nicht förderlich.
    Als sie fertig ist, setzt der Eisverkäufer ein ernstes Gesicht auf.
    »Marnie«, sagt er. »Ich frag dich nur noch dieses eine Mal. Wo ist mein Geld?«
    »Ich weiß es nicht. Hab ich dir doch gesagt.«
    Er gibt einen Schuss in die Decke über ihr ab. Es ist eine recht lebhafte Szene.
    »Gene und Izzy sind tot!«, schreit sie. »Sie können es überall hingeschafft haben.« Sie will dieses Geld um jeden Preis und würde eher sterben, als es einem Schurken zu überlassen, der Eiscreme und andere Naschereien verkauft. Wir sitzen ganz schön in der Patsche.
    Er zielt mit der Pistole auf Robert T. Macdonald, der zu wimmern beginnt.
    »Gut, dann erschieß ich halt den Vogel hier«, sagt Mick.
    »Kannst du ruhig, ist mir egal«, erwidert sie.
    Robert T. Macdonald wirkt gepeinigt. Er stöhnt. Mick nimmt die Pistole und setzt sie ihm an die Schläfe. Er will abdrücken.
    »Halt, mach’s nicht«, sagt Marnie auf einmal. »Da drüben, in der schwarzen Werkzeugtasche.«
    Robert T. Macdonald blickt sie ausdruckslos an, er wirkt verwirrt, und ich selbst bin es auch. Warum will sie nicht, dass er stirbt?
    Der Eisverkäufer geht zu der Tasche hinüber, wobei er die ganze Zeit die Pistole zwischen Marnie und Robert T. Macdonald schwenkt.
    Er öffnet die Tasche.
    »Ich werd verrückt, meine Kohle!«, ruft er. »Wie lange hast du die schon, du kleine Schlampe?«
    »Die hab ich im Schuppen gefunden, nachdem du weg warst.«
    »Verarschen kann ich mich selber.«
    Er nimmt die Pistole herunter und kniet sich auf den Boden, um sein Geld zu zählen.
    »Alles noch da.« Er lächelt.
    Marnie sieht niedergeschlagen aus, Robert T. Macdonald dagegen scheint vor Wut zu kochen.
    Mick setzt sich neben Marnie.
    »Weißt du, Marnie, ich wollte damals ja gar nicht so fies zu dir sein.«
    Er streicht ihr mit der Pistole über das Bein.
    »Was hältst du davon, wenn wir zwei Hübschen jetzt hochgehen und es uns ein bisschen gemütlich machen? Opa bleibt eh, wo er ist. Na, wie wär’s?«
    Marnie lächelt und folgt ihm nach oben. Ich verstecke mich unter dem Bett.

Marnie
    Ich hab keine Ahnung, was ich machen soll, also geb ich ihm die Kohle. Ich will nicht noch mehr Leichen um mich herum, deshalb lass ich Robert T. Macdonald leben. Mick will mit mir vögeln und ich geh mit ihm hoch. Dort ist ja Nelly, und ich kann nur beten, dass sie es nicht sieht. Irgendwie hoff ich, er hat vielleicht Mitleid mit uns und gibt uns trotzdem ein paar Pfund, wenn auch nur, damit wir von Robert T. Macdonald wegkommen.
    Ich wusste gar nicht mehr, wie das mit Mick ist. Ausziehen, sagt er, und fängt selber damit an. Dann muss ich mich aufs Bett legen. Das hält er für romantisch. Er sagt mir, ich soll die Beine breitmachen, und kniet sich auf das Bettende. Er lässt die Muskeln spielen, das macht er immer so. Ich muss an Kirkland denken und mir kommen die Tränen, da taucht auf einmal Nelly auf und zieht Mick einen Feuerhaken über. Er stürzt auf mich. Ich robbe schnell zum Kopfende vom Bett.
    »Los, gib mir meine Sachen.« Sie sammelt sie vom Boden auf. Zwischen meinen Klamotten find ich irgendein Teil von ihm und werf es weg. Ich kann gar nicht mehr aufhören zu heulen.
    »Guck mich nicht so an«, sag ich zu Nelly. Sie hat mich schon tausendmal nackt gesehen, aber diesmal ist es anders. Ich schäm mich.
    Sie dreht sich weg und guckt Mick an. Er atmet noch. Sie verpasst ihm einen Tritt in den Bauch.
    »Das ist für meine Schwester«, faucht sie ihn an.
    »Danke«, sag ich.
    »Los, wir schließen ihn hier drin ein«, sagt sie – Robert T. Macdonald hat ja ein Schloss außen an meiner Tür angebracht.
    Ich schnapp mir mein Geld und wir rennen nach unten.

Nelly
    Der Eisverkäufer kommt schnell wieder zu sich und hämmert rachsüchtig von innen gegen Marnies Zimmertür. Sie zieht Robert T. Macdonalds Seil noch einmal fest und legt die Waffe in die Küche.
    »Ich hätte dich von Mick erschießen lassen können, aber ich hab’s nicht. Behalt das in Erinnerung, wenn du an mich denkst.«
    Dann holt sie Bilder hervor. Seine Bilder. Hauptsächlich von Izzy.
    »Ich nehm mir ein paar davon mit. Die gehören eh zur Hälfte mir, und das Hochzeitsfoto von dir und meiner Großmutter

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