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Bernie allein unterwegs

Bernie allein unterwegs

Titel: Bernie allein unterwegs
Autoren: Sabine Thiesler
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jungen Paar, einer blonden Frau und einem Mann mit Locken und Hakennase, der ziemlich affig aussah. Die beiden waren ganz hysterisch vor Begeisterung, küssten Belinda auf die Nase und sagten mindestens zwanzig Mal, dass sie alles tun würden, um Belinda glücklich zu machen.
    Frau Küster sagte, sie würde ihnen nicht raten, Belinda im Bett schlafen zu lassen, weil Bernhardiner nicht nur groß, sondern sogar unverschämt groß werden, aber die blonde Frau kicherte nur, und Belinda knurrte leise, weil sie Frau Küsters Bemerkung absolut überflüssig fand.
    Frau Küster nahm dann ein Bündel Geldscheine in Empfang, setzte Belinda der blonden Frau im Auto auf den Schoß, winkte kurz zum Abschied, und dann war Belinda weg.
    Ich hatte so ein flaues Gefühl im Magen, als wenn ich viel zu schnell und viel zu viel eiskaltes Wasser getrunken hätte, denn ich konnte mir nicht vorstellen, Belinda jemals wiederzusehen, und war plötzlich furchtbar traurig, dass ich sie nicht mehr hinter den Ohren geknabbert hatte, was Belinda unglaublich schön fand. Sie konnte wundervoll schnurren, was für einen Bernhardiner ziemlich außergewöhnlich war.
    Ich winselte stundenlang, so groß war plötzlich die Sehnsucht nach Belinda, und da kam Mama und legte sich neben
mich. Jetzt knabberte sie mich hinter den Ohren und erklärte mir, dass jeder Bernhardiner ein menschliches Rudel braucht, um sich weiterzuentwickeln, um gut ernährt, medizinisch versorgt und groß und stark zu werden, um ein langes Leben zu haben und vor allem um im Leben eine Aufgabe zu haben. Insofern sollten wir glücklich und nicht unglücklich sein, dass Belinda ein menschliches Zuhause gefunden hatte.
    Das alles leuchtete mir ein, und in der Nacht schlief ich tief und traumlos.
    Als Nächstes kamen zwei ältere Damen, die einen Bernhardiner haben wollten, der den lieben langen Tag vor dem Haus liegen und aufpassen sollte. Ich fand das zwar relativ langweilig, aber ich fühlte mich dieser Aufgabe durchaus gewachsen und strich den beiden unentwegt um die Beine. Aber sie hatten gar kein Interesse an mir, sondern nur Augen für Britta, die um die Augen eine ganz schwarze Maske hatte und damit wie eine Gangsterbraut aussah.
    Die beiden nahmen Britta mit. Mich hatten sie noch nicht mal gestreichelt. Ich tröstete mich damit, dass die beiden Damen sicher keinen »Mann« im Haus haben wollten.
    Bodo und Benno holte das Rote Kreuz. Sie sollten beide als Lawinensuchhunde ausgebildet werden. Ich stellte mir den Job ungeheuer aufregend vor und beneidete die beiden sehr, vor allem weil Bodo überhaupt nicht nett war, aber dann hatte er so ein Glück. Gut riechen konnte ich auch, bestimmt genauso gut wie Bodo und Benno – aber mich wollte keiner.
    Ich war unglücklich und fraß nicht mehr. Sie sollten sich Sorgen um mich machen, ich wollte sehen, ob mich noch irgendjemand
wenigstens ein kleines bisschen mochte. Aber Paule und Elfriede merkten von meinem Hungerstreik gar nichts, denn Mama fraß meine Portion immer mit auf und war anschließend jedes Mal äußerst zufrieden.
    Also fraß ich wieder. Wenn es keiner mitkriegt, muss man sich nicht quälen.

UNGEWISSE ZUKUNFT
    Es war bereits August. Paule und Elfriede saßen auf der Terrasse, sahen hinüber zum Zwinger und unterhielten sich über mich. Vollkommen ungeniert, weil sie sicher waren, dass ich kein Wort verstand.
    »Er wird immer älter und immer größer, bald ist er kein Baby mehr, und wer will schon so einen abgrundtief hässlichen Hund!«
    Mir stockte der Atem. Ich war hässlich? Wieso? Vielleicht hatte ich eine schiefe Nase? Ich rieb mir mit der Pfote die Nase, als würde es mich jucken, aber es fühlte sich alles ganz normal an.
    »Aber er ist doch so ein lieber Kerl«, verteidigte mich Paule.
    »Vielleicht, aber was nützt das? Dieser Hund hat krumme Beine, schlechte Zähne, ein Triefauge und keine Maske. Wer soll uns den abkaufen? Für die Zucht ist er nicht zu gebrauchen. Im Grunde ist er zu gar nichts zu gebrauchen.«
    Ich stand auf und guckte mir meine Beine an. Ich konnte beim besten Willen nichts Krummes entdecken. Für mich waren sie wundervoll, und ich bin mir sicher, dass ich auch ganz schnell rennen konnte, wenn man mich nur mal aus diesem Zwinger herauslassen würde. Und meine Zähne waren schlecht?
Und mein Auge triefte? Das war ja etwas ganz Neues. Und sie fanden mich nicht schön, weil ich nicht so schwarz um die Augen war wie Britta? Man musste also aussehen wie ein Gangster, um ein richtiger

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