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Bereue - Psychothriller (German Edition)

Bereue - Psychothriller (German Edition)

Titel: Bereue - Psychothriller (German Edition)
Autoren: Lisa Fink
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Prolog
     
    Ich bin ein Jäger. Meine Beute ist intelligent. Ich jage Menschen.
    Die Hände hinter dem Kopf verschränkt lehnte er sich zurück und las wieder und wieder diese Worte. Der Cursor blinkte.
    Es würde ein Meisterwerk werden. Gestern erst war ihm die Idee gekommen, seine Taten niederzuschreiben. Dies würde seine Hinterlassenschaft für die Nachwelt sein. Alle sollten begreifen, warum diese Kreaturen sterben mussten.
    Er hatte eine Mission. In der Bibel im Buch des Propheten Jeremia steht unter Kapitel 16, Vers 16, über die Sünder geschrieben: Siehe, ich will viele Fischer aussenden, spricht der HERR, die sollen sie fischen; und danach will ich viele Jäger aussenden, die sollen sie fangen auf allen Bergen und auf allen Hügeln und in allen Felsklüften.
     
    Entschlossen griff er nach der Schachtel mit den Zeitungsausschnitten und sah sie durch. Zuunterst fand er den drei Jahre alten Bericht über den Selbstmord von Alfred Müller, seinem damaligen Chef. Ihm war es zu verdanken, dass er den Entschluss gefasst hatte, diese Welt von Ungeziefer zu befreien. Er war sein erstes Opfer gewesen und mit ihm würde seine Niederschrift beginnen.
    Er legte den Zeitungsartikel auf den Scanner. Das Gerät summte kurz. Der Artikel erschien auf dem Monitor. Nachdem er ihn in das Dokument eingefügt hatte, überflog er die Zeilen neben dem Foto einer z ugedeckten Leiche auf den Gleisen. Die Lebensumstände des Verstorbenen hatten sich innerhalb weniger Tage so dramatisch geändert, dass er in den Freitod geflüchtet war. Und niemandem war es aufgefallen.
     
    Alfred Müller war Abschaum , begann er zu schreiben. Er sah den Mechanikermeister vor sich, jedes Detail. Das verschmierte Doppelripp-Unterhemd, das sich um den massigen Leib schmiegte, die zu Schlitzen verengten Augen, als ob es in der Werkstatt gleißend hell gewesen wäre, eingehüllt in eine Geruchsmischung aus kaltem Schweiß und warmem Bier. Die Stimme so laut, ob eine Maschine lief, gegen die man anschreien musste oder nicht. „Idiot! Wie kann man nur so verdammt bescheuert sein!“ Unzählige Male hatte Müller ihm diese und andere gottlose Worte ins Gesicht gespuckt.
    Er presste die Augen zusammen, riss sie auf. Das Bild verschwand. Er war in seinem Zimmer. Das Zimmer, in dem er den Großteil seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte. Nun war er wieder hier. Mit fünfunddreißig.
    Seine Fingernägel gruben sich in seine Kopfhaut. Kleine Hautfetzen lösten sich und bestäubten sein schwarzes T-Shirt, seine Hose, die Tastatur. Angeekelt fuhr er über seine Kleidung, schüttelte die Tastatur über dem Mülleimer aus und legte die Finger wieder auf die Tasten. Das Blut unter den Nägeln ignorierte er.
    Nicht nur, dass er mich wie eine niedere Kreatur behandelte, nein, er belog und betrog seine Kunden. Berechnete Material, das er nicht verwendet hatte und Arbeitsstunden, die nicht geleistet worden waren. Er war schuldig, und er hat begriffen, dass er dafür sterben musste. Nach drei Tagen. Es war so einfach. Als er mich wieder einmal anschrie, weil ich einer Kundin gegenüber nicht freundlich genug gewesen sein soll, habe ich ihm den Schraubenschlüssel vor die Füße geworfen und bin gegangen, in dem Wissen, dieser Mann hatte sein Leben verwirkt. Noch am selben Abend brannte seine Werkstatt ab, genauso die Wohnung darüber, in der er wohnte.
    Gegen Mitternacht kam er vom Wirt heimgewankt. Er brach vor den Trümmern seiner Existenz zusammen. Ich wusste, dass er ein Geizhals war und die Versicherungsbeiträge nicht bezahlt hatte. Er stand vor dem Nichts. Seine Frau kehrte mit den Kindern nicht mehr von ihrem Besuch bei ihrer Schwester zurück. Sein Konto war überzogen. Verlassen von der Familie, ohne Geld und Obdach, fiel er vor mir auf die Knie und bat mich um Vergebung. Ich sagte ihm, nur Gott könne ihm vergeben. Es wäre Zeit, zu ihm zu gehen.
    Er überflog die Zeilen und nickte. Genauso war es gewesen. Müller hatte schnell verstanden. Im strömenden Regen war er auf die Gleise gestolpert. Die Scheinwerfer des herannahenden Zuges hatten ihn in gleißendes Licht getaucht. Eine Sekunde, bevor ihn der Zug erfasste, hatten sich ihre Blicke getroffen.
    Das war gute Arbeit gewesen. Genauso wie später bei Jessica und bei Thomas.
    Sie waren nützliche Versuchsobjekte gewesen, Niederwild. Nun konnte er sich endlich dem Hochwild widmen.
    Er hatte sein nächstes Opfer ausgespäht. Am Samstag würde der erste Tag seines neuen Lebens sein. Und das würde nicht

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