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Befohlenes Dasein

Befohlenes Dasein

Titel: Befohlenes Dasein
Autoren: J. E. Wells
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sie ‚photo’-graphiert, wie man so sagt. Ihr ‚Photo’ wurde durch Mikrofunk zum Strym gesandt und dort zurückverwandelt. Denn was ist eine Photographie anderes als ein Auffangen von Bildphotonen? So entstanden Sie zweimal, das eine Mal als toter Körper ohne Bewußtsein, das andere Mal als lebender Mensch mit Verstandeselektronen. Verstehen Sie das?“
    „Das ist zu verstehen, wenn auch nur im theoretischen Sinn. Im praktischen Sinn ist es unbegreiflich …“
    „Ja, das ist eben meine Erfindung. Sie gilt nicht umsonst als die epochalste der bisherigen galaktischen Wissenschaft.“
    Ira Tarwi blickt sinnend in die Luft. Dann stellt sie eine Frage, die sich recht eigenartig aus ihrem Mund anhört.
    „Fürchten Sie nicht, Professor, daß man Ihre Erfindung auch zu kriminellen Zwecken mißbrauchen könnte?“
    „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Wie meinen Sie das?“
    „Nehmen Sie doch nur einmal an, ich ließe mich durch Ihre Erfindung auf irgendeinen galaktischen Planeten der Jetztzeit versetzen. Ich gehe dort auf eine Bank und greife einfach in die Kasse, um mir ein Bündel Geldscheine wegzunehmen. Im gleichen Augenblick, da ich die Scheine in der Hand habe, schaltet hier im Keller ein Komplice die Apparatur aus. Ich bin dort blitzschnell verschwunden, und das Geld mit mir, und kehre hier im Sessel in mein normales Bewußtsein zurück. Wäre das nicht möglich?“
    „Das ist durchaus möglich, Gnädigste. Berücksichtigen Sie dabei aber auch, daß sich alle bisherigen Erfindungen irgendwie kriminell zur Anwendung bringen lassen. Es kommt nun immer noch auf die Herren der Maschine an. Und ich beabsichtige nicht, eine andere Person an diese Maschine heranzulassen. Für mich selbst kann ich einstehen, und außerdem dürfte auch die Regierung der Galaktischen Union ein Auge darauf haben.“
    „Das ist richtig. Es gibt jedoch noch andere Möglichkeiten, Ihre Maschine zum Schaden der Menschheit anzuwenden. Wenn Sie zum Beispiel einen persönlichen Feind haben – könnten Sie diesen nicht auf irgendeine Art in Ihre Gewalt bringen, in diesen Stuhl setzen und mit Hilfe der Maschine in irgendeine grausame Zeit verschicken, in der er zugrunde geht? Vielleicht in einen Urwald mit wilden Tieren, denen et wehrlos preisgegeben ist, oder mitten in ein Revolutionsgeschehen hinein, in dem er ermordet wird, oder sogar in den Großen Galaktischen Krieg, in dem er zugrunde geht? Oder zu einem wilden Menschenstamm, der noch zu den Menschenfressern gehört, oder in eine Wüste, in der er verdursten muß, oder auf einen Eisplaneten, auf dem er erfriert? Ist das nicht möglich? Sie könnten sogar mit Hilfe Ihres Bildschirmes zum Zuschauer seines Todes werden, denn Sie warten einfach mit dem Abschalten so lange, bis er gestorben ist. Oder läßt sich ein solcher Mensch nicht töten? Wird der Körper hier wieder erwachen, wenn er unterwegs getötet wurde?“
    Kan Kamana ist sehr nachdenklich geworden.
    „An diese Möglichkeit habe ich – offen gestanden – noch nicht gedacht. Es ist aber so, wie Sie sagen. Sollte dem Double des hier befindlichen Menschen draußen etwas zustoßen, so ist es das gleiche, als wenn dem hier sitzenden Original etwas passierte. Sie haben das an den Geldscheinen gesehen, die Sie aus der Vergangenheit mitgebracht haben. Alle Materie kehrt zurück, es kann jedoch auch der Tod zurückkehren. Ich muß über dieses Problem noch nachdenken, denn es ist tatsächlich gefährlich und wichtig. Ich war deshalb auch darum besorgt, Sie ohne Schaden wieder zurückzurufen, denn ich fühlte mich in gewisser Hinsicht für Ihr Wohlergehen verantwortlich.“
    Sie winkt leicht ab.
    „Sprechen wir nicht mehr darüber“, sagt sie. „Sie müssen mich jetzt entschuldigen, Professor, ich fühle mich etwas abgespannt. Es hat mich alles sehr interessiert, und Sie sind wirklich ein großer Meister, Kan Kamana. Darf ich wiederkommen?“
    „Sie würden mir damit eine große Freude machen, Ira. Wann darf ich Sie erwarten?“
    „Oh, ich weiß es noch nicht genau“, sagt sie leise. „Ich muß von diesen Dingen erst einigen Abstand gewinnen.“
    Er küßt ihre Hand und begleitet sie noch durch den blumenduftenden Garten. Ein schlanker, schwarzhaariger, noch junger Mann mit spöttischen Gesichtszügen kommt ihnen entgegen. Er grüßt kurz und läßt die beiden an sich vorbeigehen. Er hat klare, kritisch blickende Augen.
    „Mein Mitarbeiter Antonio Stia“, erklärt Kamana seiner schönen Begleiterin. „Er stammt von

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