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Barcelona. Eine Stadt in Biographien: MERIAN porträts (MERIAN Digitale Medien) (German Edition)

Barcelona. Eine Stadt in Biographien: MERIAN porträts (MERIAN Digitale Medien) (German Edition)

Titel: Barcelona. Eine Stadt in Biographien: MERIAN porträts (MERIAN Digitale Medien) (German Edition)
Autoren: Wolfhart Berg
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an der Mole neben der großen
Drassanes-Werft
( ▶ G 7 ) hinauf. Als er vor den Königen niederkniet, die er bis heute an Weltruhm überragt, erheben sich Isabel und Ferran und umarmen den Heimkehrer. Niemand ahnt, dass Colón nicht Indien und China entdeckt hat, sondern die Neue Welt Amerika, die künftigen Kolonien Bahamas, Kuba und Hispaniola, heute Haiti und Dominikanische Republik.
    Der Hofstaat und der katalanische Adel applaudieren. Alle sind mächtig neugierig auf die Schiffsladung. Am noch kühlen Morgen des 3 . April marschiert Colón hinter Würdenträgern und Fahnen schwingenden Offizieren vom Hafen aus die Moll de Bosch entlang und die Via Laietana hinauf bis zur Plaça del Rei. Hinter ihm schleppen Matrosen Säcke voll Korn, Mames, einer Kartoffelart, Aloe, Kokosnuss und Tabak. Ein vielstimmiges, erstauntes »Olé« hört man aus der Menschenmenge, als sich am Ende der »Colónne« sechs Indios mit Nasen- und Ohrringen dahinschleppen, alles Männer. Die Frauen und Kinder der karibischen Sklaven sind auf der Seefahrt am Fieber gestorben.
    Im Angesicht der mächtigen Kathedrale bekreuzigt sich Colón dreimal und betritt dann den in römische Stadtmauern eingefügten Königspalast. Im
Saló del Tinell
( ▶ G 5 ) mit seinen sechs überdimensionalen Rundbögen zeigt er den Majestäten seine Schätze: Gewürze, Papageien, Schlangenhäute, Tabakblätter und Stickereien. Er wird vom Königspaar zum »Almirante del Mar Oceano« und Vizekönig der Karibik ernannt; das hatte er vor Beginn der Expedition in langwierigen Verhandlungen so vereinbart. Dann geht ein Raunen durch den Saal, als er die eigentlich ersehnte Ware ausbreitet: den Goldschmuck der Indios und einige Goldkörner samt golddurchzogenen Gesteins.
    WO WAR DAS GOLD, WO DER REICHTUM?
    War das schon alles? Wo sind die Goldklumpen, die große Beute? Colón schwört, dass er von seinen nächsten Reisen den wahren Reichtum in Form von Gold und Geiseln nach Spanien bringen wird. Was ihm nicht gelingen sollte. Die goldreichen Kolonien Mexiko und Peru werden erst später spanisiert.
    Kolumbus macht zwischen 1492 und 1504 insgesamt vier Reisen in die Neue Welt. Sie kosten viele Tausend Menschen das Leben, fast ausschließlich das der eingeborenen Indianer. Bei seinen Expeditionen verliert der Entdecker neun Schiffe, was in Spanien seinen Mythos als genialer Seefahrer nachhaltig beschädigt. Er wird zwar wohlhabend, doch der erhoffte Reichtum bleibt aus. Nach einem schier endlosen Finanzstreit mit der spanischen Krone zieht sich Kolumbus verbittert nach Vallodolid zurück, wo er am 20 . Mai 1506 im Alter von 55  Jahren stirbt. Als Todesursache nennen einige Historiker Diabetes. Andere Quellen behaupten, er sei an einer Syphilis-Erkrankung, die er sich in der Neuen Welt zugezogen habe, gestorben.
    Die anschließende Odyssee seines Leichnams gleicht einer absurden Allegorie seines Lebens: Kolumbus wird zunächst in
Sevilla
beigesetzt. 1542 lässt ihn sein Sohn Diego nach
Santo Domingo
, heute Hauptstadt der Dominikanischen Republik, überführen, nach Hispaniola, das Cristóbal Colón entdeckt hat. Dort bleibt er bis 1795 . Nachdem Frankreich die Insel zu seiner Kolonie gemacht hat, kommen Kolumbus’ Gebeine in die Kathedrale von
Havanna
auf Kuba. Erst 1898 kehrt der Entdecker endgültig zurück nach
Sevilla
.
    SEVILLA BREMST BARCELONA AUS
    Eine weitere Ironie der Geschichte: Die Katholischen Könige bestimmen bald nach Kolumbus’ erster Amerikareise
Sevilla
als Monopolhafen für die Neue Welt. Das bremst Barcelona als stärkste Handelsmacht im Mittelmeer die nächsten 300  Jahre kräftig aus. Das Königreich Catalunya zerfällt, bleibt aber Grafschaft. Doch erst als Cádiz 1712 und dann Barcelona 1778 das
Sevilla
-Monopol knacken, werden die katalanischen Großkaufleute durch Schifffahrt und Handel mit den Kolonien wieder unendlich reich und gedenken dankbar des großen Entdeckers Cristóbal Colón.
    Im Großbürgertum Barcelonas glaubt man mit dem ureigenen Nationalstolz sowieso, dass der gebürtige Genueser (ital. Cristoforo Colombo) Katalane sei. Und man will das auch zeigen.
     
    Zur ersten Weltausstellung 1888 baut die Finanz-Schickeria ihm zu Ehren genau dort ein Denkmal, wo er 1493 nach seiner Amerikareise Barcelona betrat. Am südlichen Ende der Ramblas steht auf einem 53  Meter hohen Sockel die sechs Meter große Bronzestatue 21 ( ▶ G/H 6 ) . Mit fast 60  Metern Höhe ist es das weltweit größte von insgesamt 64  Kolumbus-Denkmälern. Bei

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