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Ball der Vampire

Ball der Vampire

Titel: Ball der Vampire
Autoren: Charlaine Harris
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Pfarrer Littrell«, fügte ich hinzu, »möchten Sie Honigsenf oder Ketchup zu Ihren frittierten Hühnchenstreifen?«
    Pfarrer Littrell entschied sich, leicht verdattert, für Honigsenf, und dann stürzte ich mich in meine Arbeit, um diesen kleinen Zwischenfall abzuschütteln. Was würden die beiden Geistlichen wohl erst sagen, wenn sie wüssten, was sich vor ein paar Wochen in dieser Bar abgespielt hatte? Da hatten sich die Stammkunden zusammengerottet, um mich von jemandem zu befreien, der mich töten wollte.
    Da dieser Jemand ein Vampir gewesen war, hätten die beiden es wahrscheinlich gebilligt.
    Ehe er das Merlotte's verließ, kam Pater Riordan noch »auf ein Wort« zu mir, wie er sagte. »Sookie, ich weiß, dass Sie im Moment nicht gut auf mich zu sprechen sind, aber ich möchte Sie für jemand anderen um etwas bitten. Auch wenn Sie mir wegen meines Verhaltens vorhin nicht mehr zuhören wollen - tun Sie es bitte trotzdem, für diese anderen.«
    Ich seufzte. Pater Riordan bemühte sich wenigstens, ein guter Mensch zu sein. Widerwillig nickte ich.
    »So ist's recht. Eine Familie aus Jackson hat Kontakt mit mir aufgenommen...«
    Sofort schrillten alle meine Alarmglocken. Debbie Pelt war aus Jackson.
    »Die Familie Pelt, ich weiß, dass Sie schon von ihr gehört haben. Die Pelts sind noch immer auf der Suche nach ihrer Tochter, die im Januar verschwunden ist. Debbie. Sie haben mich angerufen, weil ihr Pfarrer mich kennt und weiß, dass ich die Gemeinde von Bon Temps betreue. Die Pelts möchten Sie gern besuchen, Sookie. Sie möchten mit jedem sprechen, der ihre Tochter in der Nacht, in der sie verschwand, gesehen hat, und sie fürchten, Sie könnten sie abweisen, wenn sie einfach unangemeldet bei Ihnen vor der Tür stehen. Die Pelts fürchten, Sie könnten wütend sein, weil ihre Privatdetektive und die Polizei Sie befragt haben, und dass Sie ihnen gegenüber vielleicht ungehalten sind.«
    »Ich will sie nicht sehen«, erwiderte ich. »Pater Riordan, ich habe schon alles gesagt, was ich weiß.« Das war die Wahrheit. Ich hatte es nur nicht der Polizei oder den Pelts gesagt. »Ich will nicht mehr über Debbie reden.« Auch das war die Wahrheit, die reine Wahrheit. »Richten Sie ihnen bitte mit allem gebotenen Respekt aus, dass es nichts mehr zu besprechen gibt.«
    »Das werde ich tun«, entgegnete er. »Aber eines muss ich Ihnen schon sagen, Sookie: Ich bin enttäuscht.«
    »Tja, da habe ich ja heute einen richtig schlechten Abend«, sagte ich. »Wo Sie jetzt auch noch Ihre gute Meinung von mir verloren haben.«
    Er ging ohne ein weiteres Wort - genau das hatte ich erreichen wollen.

       Kapitel 2
    Kurz bevor die Bar am nächsten Abend schloss, passierte noch etwas Merkwürdiges. Sam hatte uns gerade signalisiert, den Gästen zu sagen, dass wir jetzt die letzte Runde Drinks servieren würden, da kam jemand ins Merlotte's, den wiederzusehen ich nie erwartet hatte.
    Er bewegte sich erstaunlich lautlos für einen so großen Mann. An der Tür blieb er stehen und sah sich nach einem freien Tisch um, und ich bemerkte ihn, weil das gedämpfte Licht der Bar auf seinem rasierten Kopf schimmerte. Er war sehr groß, sehr muskulös, hatte eine stolze Nase, leuchtend weiße Zähne und volle Lippen. Sein olivfarbener Teint passte sehr gut zu dem bronzefarbenen Sportjackett, das er über einem schwarzen Hemd und dazu passender Hose trug. Und auch wenn Motorradstiefel an ihm normaler gewirkt hätten, steckten seine Füße in glänzenden Halbschuhen.
    »Quinn«, flüsterte Sam. Seine Hände hielten inne, obwohl er gerade dabei war, einen Tom Collins zu mixen. »Was macht der denn hier?«
    »Ich wusste gar nicht, dass du ihn kennst«, sagte ich und wurde rot, als mir einfiel, dass ich erst am Tag zuvor an den Mann mit dem Kahlkopf gedacht hatte. Er war derjenige, der das Blut von der Kratzwunde an meinem Bein geleckt hatte - ein sehr interessantes Erlebnis.
    »Jeder in meiner Welt kennt Quinn«, erklärte Sam mit ausdrucksloser Miene. »Aber ich wundere mich, dass du ihn kennst, schließlich bist du keine Gestaltwandlerin.« Anders als Quirin war Sam kein großer Mann. Aber er war sehr stark, wie die meisten Gestaltwandler, und seine rotblonden Locken umrahmten sein Gesicht, dass er aussah wie ein Engel.
    »Ich kenne Quinn vom Wettkampf der Leitwolfkandidaten«, sagte ich. »Er war der, äh, Wettkampfrichter.« Sam und ich hatten uns natürlich über den Führungswechsel an der Spitze des Werwolfrudels von Shreveport

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