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Bad Moon Rising

Bad Moon Rising

Titel: Bad Moon Rising
Autoren: Glen Duncan
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Prolog
    Sugar and Spice and all things nice
    Talulla Demetriou, du warst ein ganz (Pause) böses (Pause) Mädchen .
    Die Augen meiner Mutter blitzten stets vor Freude auf, wenn sie das sagte. Sie war selbst ein ganz böses Mädchen. Am meisten hasste sie Schwäche. Vor allem bei Frauen. Dann war sie lieber das personifizierte Böse. Und das konnte sie auch sein, wenn nötig. Sie nahm nur eine Elite zur Kenntnis: unsere Familie, eine Handvoll Freunde, gewisse Berühmtheiten. Der Rest der Welt bestand aus Idioten und Durchschnittsmenschen. Menschen , sagte sie dann immer.
    (Gott war zwar tot, aber die Ironie noch immer quietschlebendig …)
    Später stellte ich dank meiner psychoterroristischen, katholischen Tante Theresa fest, dass ich außerdem ein schmutziges kleines Mädchen war. Ein schmutziges, verdorbenes kleines Mädchen, um genau zu sein. Als ich acht war, ertappte sie Toby Greely und mich im Keller, wie wir gegenseitig unsere primären Geschlechtsmerkmale untersuchten. In einem Augenblick waren Toby und ich allein, beobachtet nur vom ungläubigen Krimskrams im Keller – Pappkartons, ein kaputter Pingpong-Tisch und ein paar aufgerollte Sonnenschirme –, im nächsten veränderte sich die Stille, und ich wusste, es war noch jemand da. Tante Theresa stand auf der untersten Treppenstufe. Ihr Gesicht war immer feucht von Pond’s Cold Cream, doch in diesem Augenblick strahlte es geradezu vor neugewonnener Göttlichkeit. Als ich mich zu ihr umdrehte, war mein Gesicht rot und übervoll. Ich hatte ein sattes, sanftes Gefühl, weil meine Hose an meinen Knöcheln hing und Toby vor mir der in die Knie gegangen war, und die Stille, die uns umfangen hatte, während er alles ausgiebig, vorsichtig – und tatsächlich zärtlich – betrachtete. Ich hatte kurz vor einer großen Erkenntnis gestanden, glaubte ich, und zu dem Schrecken, ertappt worden zu sein, kam eine geradezu prinzessinenhafte Entrüstung darüber, gestört worden zu sein. Selbst in diesem Augenblick dachte ich, Toby und ich sollten das bald wieder tun.
    »Talulla Demetriou«, sagte Tante Theresa, »du bist ein schmutziges kleines Mädchen.« Und da dies den Kern der Sache noch nicht ganz traf, fügte sie hinzu: »Ein schmutziges, verdorbenes kleines Mädchen.«
    Das schmutzige, verdorbene kleine Mädchen war hübsch und mochte schlimme Sachen. In der zehnten Klasse war sie mit Lauren Miller befreundet gewesen, die ebenfalls hübsch war und schlimme Sachen mochte. Da gab es zum Beispiel ein gefühlsduseliges, ständig verschnupftes Mädchen, dass sie quälten und dem sie den Spitznamen VEA gaben (VERGEWALTIGUNG AUSGESCHLOSSEN) gaben. Eines Tages saß das schmutzige, verdorbene kleine Mädchen in der Pause auf Jason Wells’ Schoß, Lauren rief VEA im Vorbeigehen etwas Gemeines zu, und man konnte an VEAs Gesicht erkennen, wie tief sie getroffen war, tief im Herzen, und im selben Augenblick drückte Jasons Ständer gegen den Hintern des schmutzigen, verdorbenen kleinen Mädchens, und das schmutzige, verdorbene kleine Mädchen hatte wieder dieses satte, weiche Gefühl und wusste, es gab da eine Verbindung. Es war, als würde der Teufel seine Arme von hinten um dich legen, und du lehnst dich zurück und genießt die angenehme, überraschende Wärme.
    Im College wusste das wirklich böse, schmutzige, verdorbene kleine Mädchen ein für alle Mal, dass sie Erfüllungsgehilfin der dunklen Mächte war. Sie gehörte zur schlimmsten Sorte junger Frauen: Eine, die um die engagierte, politisierte Frau weiß, die sie werden sollte, aber es dann nicht wird, sondern sich weiter zu bösen Jungs hingezogen fühlt und die falsche Art von sexuellen Phantasien hat und sich so attraktiv wie nur möglich macht und letztlich akzeptiert, dass sie zu selbstsüchtig und gutaussehend und faul und abartig ist, um jemals das Leben zu führen, dass sie hätte führen sollen. Gegen Ende des zweiten Jahres las sie in aller Öffentlichkeit die falschen Autoren und litt nicht länger jedes Mal Höllenpein, wenn sie ein sexy Kleid oder ein politisch höchst unkorrektes Paar Schuhe trug oder sich von einem Kerl in den Hintern ficken ließ, wobei es sich, das muss der Gerechtigkeit halber erwähnt werden, um ein Privileg handelte, das sie sehr (Pause) sehr (Pause) selten gestattete, meist mit gemischten Gefühlen oder wenn sie hackedicht war.
    Schließlich krönte das wirklich böse, schmutzige, verdorbene kleine Mädchen ihre Karriere des moralischen Abgleitens dadurch, dass sie das

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