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Ausgebrannt - Eschbach, A: Ausgebrannt - Ausgebrannt

Titel: Ausgebrannt - Eschbach, A: Ausgebrannt - Ausgebrannt
Autoren: Andreas Eschbach
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PROLOG
    S elbst mit dem letzten Tropfen Benzin kann man noch beschleunigen. Allerdings ahnte Markus Westermann nicht, dass er im Begriff war, genau das zu tun. Er befand sich auf dem Highway 80 , kurz nach der Brücke über den Susquehanna, und alles, was er wollte, war, diesen Truck mit Anhänger zu überholen, der nervtötend konstant siebenundvierzig Meilen pro Stunde fuhr.
    Also zog er rüber auf die linke Spur. Es regnete. Und er hatte sein Mobiltelefon am Ohr.
    »Halt, halt, hören Sie!«, rief er. »Nicht auflegen. Glauben Sie mir, Mister Taggard wartet auf meinen Anruf.«
    »Möglich«, sagte die Frauenstimme am anderen Ende der Verbindung. »Bloß ist er, wie gesagt, heute nicht im Hause.«
    Die Scheibenwischer fochten gegen die Gischt, die die mächtigen Reifen des Trucks aufwirbelten. Markus’ Blick fiel auf die Tachonadel. Langsam , mahnte er sich. Fünfundfünzig Meilen pro Stunde waren erlaubt. Die Polizei suchte ihn. Es war absolut unnötig, durch zu schnelles Fahren aufzufallen.
    »Hören Sie«, sagte er, »ich weiß, dass Sie in Wirklichkeit keine Handelsgesellschaft für amerikanisches Obst und Gemüse sind. Mister Taggard ist auch kein Sales Manager . Aber unter Garantie hat er ein Telefon in der Tasche –«
    »Seine Mobilnummer ist vertraulich und –«
    »Ja, ja, natürlich. Bitte, Ma’am. Ich wette, in seiner Adressdatei steht mein Name. Und ein Eintrag, irgendetwas wie ›Jederzeit durchstellen‹.«
    Der Truck schien endlos. Beschleunigte der etwa, damit er nicht an ihm vorbeikam? Wieso das denn? Markus drückte das Gaspedal tiefer. »Schauen Sie noch einmal nach. Bitte. Es ist wirklich, wirklich wichtig.«
    Sie murmelte etwas, dann hörte er das Klappern einer Tastatur. Immerhin. Im Rückspiegel sah er einen Verrückten, der auf der linken Spur angerast kam und schon von weitem aufblendete. Markus Westermann gab Gas.
    Doch der Wagen reagierte nicht. Kein Druck der Lehne gegen seinen Rücken. Kein Zug, nicht einmal, als er das Gaspedal bis zum Boden durchtrat. Und der Wagen klang auch irgendwie nicht, wie er hätte klingen sollen …!
    Mit jähem Schrecken begriff Markus, dass er nur noch die Reifen hörte, wie sie über den nassen Asphalt rollten, aber keinen Motor mehr.
    »Mister Westman?«, drang es aus dem Hörer. »Ich verbinde Sie jetzt mit Mister Taggard.«
    »Ich rufe zurück.« Markus ließ das Telefon auf den Beifahrersitz fallen, griff hastig nach dem Zündschlüssel, drehte, hörte den Anlasser. Doch der Motor kam nicht.
    Die Tankuhr. Heilige Scheiße! Er hatte immer gewusst, dass sie kaputt war, dass sie anzeigte, was sie wollte. Elektronischer Müll eben. Aber sie hatte halb voll angezeigt, halb voll, verdammt noch mal! Sie konnte doch nicht halb voll anzeigen und dann …
    Hatte er den Tagesmeilenzähler auf null gestellt, das letzte Mal, als er getankt hatte?
    Nein. Scheiße! Es war schlicht und einfach kein Benzin mehr im Tank.
    Genialer Moment. Der Truck neben ihm, weißglänzend, endlos lang und groß wie ein Gebirge, fuhr so ungerührt weiter, wie der Mond seine Bahn am Himmel zieht. Klar, der Fahrer ahnte nicht einmal, dass etwas nicht stimmte. Wie auch?
    Und der Wagen hinten nervte, kam näher, ein dicker roter Geländewagen mit einer ganzen Batterie Scheinwerfern auf dem Kuhfänger. Und mit denen konnte sein Fahrer umgehen, echt klasse.
    »Mark?«, kam es aus dem Telefon. »Sind Sie das?«
    Echt genial.
    » Yes, shit! «, schrie Markus und bremste. Er hätte noch eine Menge mehr zu sagen gehabt, zum Beispiel, dass er gerade in einer echt beschissenen Situation steckte und alle Hände voll zu tun hatte, aber nicht um alles in der Welt wollte ihm jetzt einfallen, wie man das auf Englisch formulierte.
    Bremsen! Er umklammerte das Lenkrad, dass es wehtat. Keine Panik, sagte er sich. So, wie man es eben tut, wenn man gerade in Panik gerät. Er musste nur langsamer werden, hinter dem Truck wieder einscheren, mit dem letzten Schwung an den Straßenrand rollen und anhalten. Kein Problem, die Bremse funktionierte schließlich noch.
    »Mark? Was ist? Ich höre Sie, wo sind Sie?«
    Doch ein Problem. Der Truck donnerte davon, aber irgendwie hatte Markus so viel Schwung eingebüßt, dass er schon fast stand. Vor lauter Schreck hatte er zu stark gebremst, war es das?
    Und der Trottel hinter ihm schien bloß seine Lichthupe bedienen zu können, nicht aber die Bremsen.
    Markus schlug auf das Lenkrad ein, hämmerte mit der Faust dagegen, schrie » Shit, shit, shit! « und schaukelte

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