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Auf der Jacht des griechischen Millionaers

Auf der Jacht des griechischen Millionaers

Titel: Auf der Jacht des griechischen Millionaers
Autoren: Sara Craven
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1. KAPITEL
    „Nun …“ Natasha Kirby schaute in die Runde. „Sagt mir endlich jemand, was los ist? Was soll ich hier?“
    Nach einem Moment des Schweigens lehnte Andonis sich lächelnd über den Tisch. „Dein letzter Besuch ist schon viel zu lange her, Schwesterherz. Muss denn unbedingt etwas vor sich gehen, nur weil wir dich zu einer Familienzusammenkunft einladen?“
    „Nein.“ Natasha blieb sachlich. „Normalerweise komme ich im Frühjahr und Herbst her, um eure Mutter zu besuchen. Eine so kurzfristige und vor allem so dringende Einladung ist, gelinde gesagt, ungewöhnlich. Und falls das hier ein Familientreffen sein soll … ich kann keine Anzeichen für eine Feier entdecken.“
    Im Gegenteil, die Atmosphäre im Haus erinnerte eher an eine Beerdigung, das hatte sie gleich bei der Ankunft bemerkt. Selbst Irini, jüngstes der drei Kinder des verstorbenen Vasili Papadimos, hatte sich bisher mit ihrer sonst immer offen zur Schau getragenen Feindseligkeit gegenüber der englischen Adoptivschwester zurückgehalten.
    Natasha entging der Blick nicht, den Andonis seinem älteren Bruder mit einem resignierten Schulterzucken zuwarf. Sie seufzte. Es gab also Probleme, sie hatte es ja gewusst!
    Sie kannte sie alle hier viel zu gut – um genau zu sein, seit ihrer Kindheit. Seit Vasili, der Freund ihres Vaters, sie nach Stephen Kirbys unerwartetem Tod in jenen traumatischen Tagen in die palastartige Villa außerhalb von Athen geholt hatte.
    „Ich bin ihr Pate“, hatte der Bär von einem Mann geknurrt. „Für einen Griechen bedeutet das lebenslange Verantwortung. Stephen wusste immer, ich würde seine Tochter wie meine eigene aufziehen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“
    Und wenn der Besitzer der millionenschweren „Arianna Shipping“ mit solcher Endgültigkeit sprach, war es generell besser, sich ihm nicht zu widersetzen.
    Kyria Papadimos hatte Natasha mitfühlend und gütig willkommen geheißen und gesagt, sie solle sie Thia Theodosia  – Tante Theodosia – nennen. Stavros und Andonis, die Söhne des Hauses, waren begeistert gewesen, hatten sie doch jetzt neben Irini, der jüngeren Schwester, ein weiteres Opfer, das sie ärgern konnten. Gemeinsames Ziel für die Streiche der Jungen zu sein, hatte jedoch kein Band zwischen Irini und Natasha geknüpft. Irini hatte sich nie dazu überwinden können, Natasha mit der berühmten griechischen Gastfreundschaft zu begegnen, im Gegenteil.
    Selbst in ihrer Trauer hatte Natasha bemerkt, dass Irini ihr nichts als Feindseligkeit entgegenbrachte, seit sie den Fuß über die Schwelle ins Haus der Papadimos-Familie gesetzt hatte. Für das andere Mädchen war Natasha der Eindringling, den der Vater ihnen allen aufgezwungen hatte.
    Unglücklicherweise half Vasilis Verhalten in der Situation keineswegs. Obwohl noch sehr jung, erkannte Natasha deutlich, dass der Vater seine Söhne anders behandelte als seine Tochter und Irini somit zwang, um seine Aufmerksamkeit zu kämpfen. Sicher, er wurde Irini gegenüber nie laut, aber er blieb distanziert. Selbst für Natasha zeigte er mehr Zuneigung.
    Ob Irini nun brav wie ein Engel war oder sich wie ein bösartiger kleiner Teufel verhielt − eine Wandlung, die sie innerhalb von Sekunden vollziehen konnte −, nichts führte eine sichtbare Änderung herbei.
    „Sich vorzustellen, dass ihr Name ‚Frieden‘ bedeutet“, hatte Stavros eines Tages missmutig bemerkt. „Sie sollte besser Hekate heißen, Hekate mit den drei Köpfen. Sie jault wie ein Hund, verspritzt Gift wie eine Schlange und sieht aus wie ein Pferd.“
    Für seinen boshaften Kommentar war er bestraft worden, dennoch blieb der Spitzname an Irini haften. Und Irinis Lippen waren mit der Zeit immer schmaler geworden, in ihren dunklen Augen standen stets Misstrauen und Verachtung für die ganze Welt.
    Natasha hatte sich oft gefragt, warum Thia Theodosia nicht eingriff. Vermutlich hatte die sanfte Frau eigene Schlachten zu schlagen. Theodosia Papadimos war grazil und verletzlich, wirkte wie ein Schatten neben ihrem stämmigen, energiegeladenen Ehemann. In den zwei Jahren nach dem tödlichen Herzinfarkt ihres Mannes hatte sie sich mehr und mehr zurückgezogen und schien damit zufrieden, still und abgeschieden in einem eigenen Flügel der Villa zu leben, betreut von Hara, Krankenschwester und Freundin.
    Thia Theodosia hatte auch nicht an dem heutigen Dinner teilgenommen – was eindeutig ein schlechtes Zeichen war. Natasha wusste, Stavros und Andonis besprachen Geschäftliches

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